
Die EZB warnt vor den Risiken sogenannter Stablecoins für Europas Banken. Ein Boom dieser Digital-Anlagen könnte zu Abflüssen von Privatkunden führen. Weitere Gefahren drohen, sollten Investoren Vertrauen verlieren.
Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht ein zunehmendes Risiko durch sogenannte Stablecoins für die Banken der Euro-Zone. Ein deutliches Wachstum dieser an eine Währung wie den Dollar gekoppelten Digital-Anlagen könnte wertvolle Einlagen von Privatkunden bei den Banken abziehen, warnte die Notenbank in einem Bericht zur Finanzstabilität.
„Dadurch würde eine wichtige Finanzierungsquelle für Banken schwinden und ihre Finanzierung insgesamt schwankungsanfälliger werden“, heißt es von der EZB.
Was ist ein Stablecoin?
Ein Stablecoin ist ein digitales Zahlungsmittel, dessen Wert häufig an klassische Währungen wie Dollar oder Euro gekoppelt ist. „Es ist wie eine Art Jeton, den man in einer Spielbank bekommt. Da kann ich auch kein echtes Geld auf den Tisch legen, sondern muss es umtauschen“, so erklärte es Peter Bofinger, Professor für VWL, Geld und internationale Wirtschaftsbeziehungen an der Universität Würzburg gegenüber tagesschau.de.
Der Begriff ist angelehnt an das Englische „stable“ für „beständig“ oder „stabil“. Anders als bei anderen digitalen Währungen sollen starke Kursschwankungen also ausgeschlossen werden.
Der Marktwert übersteigt inzwischen 280 Milliarden Dollar. Stablecoins sind als Wertaufbewahrungsmittel und für grenzüberschreitende Zahlungen gedacht. Ihr eigentlicher Nutzen liege jedoch im Kauf von Krypto-Vermögenswerten, so die EZB. Dem Bericht zufolge werden etwa 80 Prozent aller weltweit auf zentralisierten Krypto-Handelsplattformen ausgeführten Geschäfte mit Stablecoins abgewickelt.
Ansturm von Anlegern als Hauptrisiko
Die gesamte Finanzmarktstabilität könnte nach Einschätzung der Währungshüter in Gefahr geraten. Die Hauptschwäche von Stablecoins bestehe darin, dass Investoren das Vertrauen verlieren, dass sie zum Gleichwert eingelöst werden können, schreibt die EZB. Das mit Stablecoins verbundene Hauptrisiko sei ein möglicher Ansturm von Anlegern.
Die beiden größten Stablecoins gehören zu den größten Haltern von US-Staatsanleihen. Ihre Vermögensreserven sind mit denen der 20 größten Geldmarktfonds vergleichbar. „Ein Ansturm auf diese Stablecoins könnte einen Notverkauf ihrer Reserve-Vermögenswerte auslösen, was die Funktionsweise der Märkte für US-Staatsanleihen beeinträchtigen könnte“, heißt es von der EZB.
Bestehen die Reserven beispielsweise aus US-Staatsanleihen, die schnell zu Geld gemacht werden werden müssten, könnte das deren Kurse unter Druck bringen und die Renditen steigen lassen – und damit für Turbulenzen an den Anleihemärkten sorgen, die sich auf den gesamten Finanzmarkt auswirken würden.
Auch Euro-Zone gefährdet
Solche Anstürme könnten sich auch auf die Euro-Zone auswirken, wenn ein EU-Unternehmen und ein Unternehmen aus einem Drittland gemeinsam einen austauschbaren Stablecoin ausgeben. Da die EU-Vorschriften strenger sind, würden Anleger für die Rückgabe wahrscheinlich eher den europäischen Emittenten wählen.
Dies könnte dazu führen, dass die EU-Emittenten nicht über genügend Reservevermögen unter der Aufsicht der EU-Behörden verfügen, um alle Rücknahmeanträge zu erfüllen. Dies würde das Ansturmrisiko in der Europäischen Union verstärken.