Leipzig/Dresden. Die Rabattschlacht des Jahres ist eröffnet — und für Kundinnen und Kunden beginnt eine Zeit, in der man leicht den Überblick verliert. Der Black Friday am 28. November, traditionell der Freitag nach dem amerikanischen Thanksgiving, ist nur der Höhepunkt: Viele Händler starten schon in der Black Week und verlängern die Angebote bis zum Cyber Monday am 1. Dezember, der als Startschuss fürs Online‑Weihnachtsgeschäft gilt. Wie behält man in dieser Angebotsflut den Durchblick? Der Überblick für Sachsen.
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Was beachten zum Black Friday? Der ÜberblickWas erwartet der Handel in Sachsen?
„Zum Black Friday und Cyber Monday rechnen wir in diesem Jahr erneut mit einem Umsatz um die 250 Millionen Euro“, sagt René Glaser, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Sachsen. Gleichzeitig rechnet die Branche mit einem leichten Umsatzrückgang gegenüber dem Vorjahr — Hauptgrund ist die schlechte Konsumstimmung. Das wichtige GfK/NIM‑Konsumklima prognostiziert für November einen Rückgang um 1,6 Zähler auf −24,1 Punkte: Inflations‑ und Arbeitsplatzängste drücken die Kauflust.
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Dieses Umfeld bietet zugleich Chancen: „Gerade jetzt, in der wirtschaftlich angespannten Lage, sind die Verbraucherinnen und Verbraucher besonders preissensibel und wissen daher Sonderangebote zu schätzen“, sagt Glaser.
Wo gibt es in Sachsen Rabatte?
Online wie offline: Rabatte lauern fast überall, eine genaue Zahl der teilnehmenden sächsischen Händler liegt nicht vor. Laut René Glaser hat die Beteiligung über die Jahre aber zugenommen.
„Ich sehe den Teilnahmedruck hier sehr groß“, sagt Erik Maier, Inhaber der Professur für Betriebswirtschaftslehre und Marketing an der TU Chemnitz. Die Aktionen auslassen könnten nur starke Marken im Direktvertrieb, die ganzjährig auf Rabatte verzichten. „Die lassen sich dann meistens zum Black Friday eine Werbekampagne einfallen, ohne zu rabattieren.“
Wie wichtig ist Black Friday für sächsische Unternehmen?
Die Black Week zählt für viele Händler zur den umsatzstärksten Tagen des Jahres. Mittlerweile sei die Black Week eine der verkaufsstärksten Wochen im Einzelhandel, und das über alle Sortimentsbereiche hinweg, erklärt Constanze Beier, Geschäftsleiterin Verkauf bei der Leipziger Taschenkaufhaus GmbH: Das Unternehmen, ein großer Player im Online-Handel, setzt selbst auf eine „mehrstufige Rabattkampagne“ – mit Höhepunkt zum Ende der Woche.
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Der Elektronik- und Technikhändler Cyberport mit Hauptsitz in Dresden weiß ebenfalls um die Bedeutung des Kauf-Events. „November und Dezember sind die wichtigsten Monate des Jahres für Cyberport. Entsprechend füllen wir im Vorfeld unsere Bestände deutlich auf – das Lagerwertniveau liegt etwa beim Doppelten im Vergleich zu durchschnittlichen Monaten“, sagt der geschäftsführende Direktor Maik Friedrich. Der Black Friday selbst sei der umsatzstärkste Tag des Jahres: „Wir verzeichnen das Drei- bis Vierfache eines durchschnittlichen Tagesumsatzes.“ Cyberport startete bereits am 20. November mit rund 1.200 reduzierten Produkten in die Aktionstage.
Gerade jetzt, in der wirtschaftlich angespannten Lage, sind die Verbraucherinnen und Verbraucher besonders preissensibel und wissen daher Sonderangebote zu schätzen.
René Glaser
Hauptgeschäftsführer Handelsverband Sachsen
Auch stationäre Händler sehen die Chance, Kunden ins Haus zu holen: Barbara Blank, Galeria-Filialgeschäftsführerin in Leipzig, bezeichnet die Aktionen als „eine Win-win-Situation“ für Kunde und Handel: „Unsere Kunden profitieren von diesen ungewöhnlich hohen Rabatten und kaufen daher das ein oder andere Produkt mehr als sie es sonst getan hätten, was wiederum für uns als Händler entsprechend höhere Abverkäufe zur Folge hat.“

Experte Maier spricht von „Beikäufen“: Ein stark rabattierter Artikel ‚lockt‘ Käufer in einen Laden und führt dort zu weiteren Käufen. Hinzu kommt, dass viele Händler die Aktionen auch nutzen, um Platz in den Lagern zu schaffen. Alternde Artikel bewahre man durch den Abverkauf so vor der Abschreibung, erklärt Maier.
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Der Handelsverband Sachsen erlebt die Rabattaktionen dennoch mit gemischten Gefühlen. Hintergrund sei die Rentabilität, sagt Hauptgeschäftsführer René Glaser. Die Aktionstage könnten zwar gute Impulse geben. „Aufgrund der teils immensen Kostenlast gestaltet sich die Ertragssituation aber oft bereits sehr herausfordernd.“ Damit meint er gestiegene Kosten etwa für Personal, Energie und Miete.
Sind die Rabatte tatsächlich so hoch?
Laut Handelsverband handelt es sich „weit überwiegend um echte Preisnachlässe, die – um Aufmerksamkeit zu erlangen – auch öffentlichkeitswirksam kommuniziert werden“.
Die Verbraucherzentrale warnt dennoch vor Schnellschüssen. „Echte Schnäppchen sind beim Black Friday möglich, aber nicht garantiert. Viele Rabatte sind nicht so groß, wie sie auf den ersten Blick wirken, weil sie gegen die unverbindliche Preisempfehlung (UVP) oder andere Vergleichswerte gerechnet werden“, sagt Stefanie Siegert von der Verbraucherzentrale Sachsen. Die UVP ist der Preis, den ein Hersteller als Verkaufspreis für ein Produkt vorschlägt.

Wie Handelsexperte Maier betont, nutzen Händler die unverbindliche Preisempfehlung der Hersteller gern als Ausgangspunkt, um hohe Rabatte zu bewerben. Tatsächlich zahlen Kundinnen und Kunden diesen empfohlenen Preis aber nur selten, weil der normale Verkaufspreis meist schon deutlich darunter liegt.
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Wenn Händler mit durchgestrichenen Preisen oder Aussagen wie „30 Prozent günstiger“ werben, gelten klare Regeln. Sie müssen den niedrigsten Preis angeben, den sie in den 30 Tagen vor der Aktion für das Produkt verlangt hatten. Das schreibt die Preisangabenverordnung vor. Verbraucher können oft jedoch kaum erkennen, ob sich der angegebene Rabatt wirklich auf diesen 30‑Tage‑Bestpreis bezieht oder nur auf eine hoch angesetzte UVP. Deshalb, so Maier, werden wohl auch in diesem Jahr viele Menschen das Gefühl haben, beim Black Friday ein großes Schnäppchen zu machen.
Studien, etwa von Idealo, zeigen: Große Werbeversprechen von bis zu 70 Prozent entsprechen nicht dem Durchschnitt — das Vergleichsportal nennt rund sieben Prozent Rabatt im Schnitt. Dennoch sei die Black-Friday-Zeit eine gute Gelegenheit für Einkäufe.
Was sollten Verbraucher jetzt tun?
Kurz gesagt: Mit Plan einkaufen. „Wer strukturiert vorgeht, kann Black Friday sehr gut nutzen, aber wer nur auf rabattprominente Werbung vertraut, läuft Gefahr, Scheinrabatte zu erwerben“, warnt Stefanie Siegert von der Verbraucherzentrale. Preise vergleichen, sichere Zahlungsarten wählen, Kundenbewertungen und Rückgabe‑/Widerrufsbedingungen prüfen — das reduziert Fehlkäufe.
Auch Experte Maier warnt vor der Impulsfalle. Denn in diese tappen Studien zufolge fast 60 Prozent der Käufer. Daraus folgt: auf bestimmte Produkte konzentrieren, für die man Bedarf hat, diese im Preis beobachten und nur kaufen, wenn es im Preis nach unten geht.
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Welche Gefahren gibt es außerdem?
Fake‑Shops und betrügerische Angebote nehmen zu – und das auch wegen neuer Technologien. „Heute treten Fake-Shops, insbesondere durch den Einsatz von KI, deutlich professioneller auf, als noch vor ein paar Jahren. Betrüger arbeiten mit täuschend echt gestalteten Webseiten, gezielter Werbung in sozialen Netzwerken und oftmals frisch registrierten .de-Domains“, erklärt Expertin Stefanie Siegert von der Verbraucherzentrale. Misstrauisch werden sollte man bei unrealistisch niedrigen Preisen, nur Vorkasse als Zahlungsoption oder einem lückenhaften Impressum. Ein Instrument, um Betrügern aus dem Weg zu gehen, bieten die Verbraucherzentralen selbst: Der Fake-Shop-Finder soll potenziell betrügerische Shops erkennen, bevor es zu spät ist.
LVZ