Und noch mal ein paar Milliönchen mehr. Neue Zahlen belegen, dass das gefeierte „Star Wars“-Serien-Meisterwerk „Andor“ noch mal teurer war, als ohnehin schon gedacht. Bei diesen Kosten kann selbst keiner der auch sehr teuren Filme mithalten.

Das Magazin Forbes berichtet, dass Disney noch einmal 60,5 Millionen Dollar weitere Ausgaben für „Star Wars: Andor“ bei den Behörden in Großbritannien, wo die Serie entstand, angezeigt hat. Damit würden die insgesamt in Großbritannien für die Serie geltend gemachten Kosten auf satte 705,5 Millionen Dollar steigen. Da laut Recherchen von Forbes die eingereichten Belege aber beweisen, dass 7,2 Millionen Dollar aus den eingereichten Kosten in Wirklichkeit für die Serie „Obi-Wan Kenobi“ waren, reduziert sich die Summe auf 698,3 Millionen Dollar. Diese fast 700 Millionen Dollar sind eine Rekordsumme.

Kein anderes „Star Wars“-Projekt war teurer. Mit einer Summe von 638,9 Millionen Dollar, die nach derselben Methode ermittelt wurden, ist bislang „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ der teuerste Film der Saga. Natürlich ist aber zu berücksichtigen, dass „Andor“ aus insgesamt, teilweise sogar einstündigen 24 Episoden besteht und so um ein Vielfaches länger als der etwas über zwei Stunden lange Kinofilm „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ ist.

Daher stammen die Zahlen

Dass wir so genaue Zahlen für „Andor“ sowie „Das Erwachen der Macht“ und auch einige weitere „Star Wars“-Projekte der jüngeren Vergangenheit haben, hängt übrigens mit dem Dreh in Großbritannien zusammen. Dort gibt es massive Steuervergünstigungen von bis zu 25,5 % auf alle getätigten Ausgaben. Um diese zu erhalten, muss man aber auch Nachweise erbringen.

Die entsprechenden Akten können eingesehen werden – auch wenn das ein wenig „Detektivarbeit“ erfordert, wie Forbes in der Vergangenheit bei vergleichbaren Fällen berichtete. Denn Belege werden nicht von Disney selbst eingereicht, sondern von oft extra für die Projekte gegründeten Tochterfirmen. Im Fall von „Andor“ heißt diese Firma E&E Industries, die zuerst eigentlich für „Obi-Wan Kenobi“ gegründet wurde. Deswegen wurden auch Belege im Wert von rund sieben Millionen Dollar für das Comeback von Ewan McGregor eingereicht. Es waren die Kosten, die bereits anliefen, bevor das Projekt wegen der Corona-Pandemie und einer Unzufriedenheit mit den bisherigen Drehbüchern unterbrochen wurde. In der Zeit entschied man dann, die bereits existierende Firma E&E Industries nicht wieder stillzulegen, sondern sie jetzt einfach für „Andor“ zu nutzen.

Wichtig: 698 Millionen Dollar sind nicht die tatsächlichen Ausgaben

Das Steueranreiz-System von Großbritannien, um viele Großproduktionen von einem Dreh auf der Insel zu überzeugen, sind aber auch ein Grund, warum man nicht fortan einfach unreflektiert behaupten kann, dass „Andor“ 698 Millionen Dollar „gekostet“ hat. Denn Disney hat dieses Geld ja im Wissen ausgegeben, dass man einen Teil davon umgehend wieder zurückbekommt. Laut Forbes bekam man für „Andor“ so 142,3 Millionen Dollar vom britischen Staat zurück.

Auch ein Grund, warum gerade diese Serie so teuer war, lässt sich aus den Akten entnehmen. Laut Forbes sei einer der größten Kostenpunkte mit 85,5 Millionen Dollar die Ausgaben für die Crew. Im Schnitt seien 2023 monatlich 501 Menschen fest bei der Produktion von „Andor“ angestellt gewesen. Und nicht erfasst seien in dieser Zahl Freischaffende, Sub-Unternehmen und Zeitarbeitskräfte. Da diese normalerweise den Großteil des Personals bei Film- und Serienproduktionen bilden, dürfte die Crew also aus weit über 1.000 Leuten bestanden haben.

Den massiven Personalaufwand gab es wohl auch, weil die „Andor“-Verantwortlichen um Serienmacher Tony Gilroy über weite Strecken auf reale Sets bestanden. Dazu kommt eine Vielzahl von Kostümen und auch sonst war fast alles praktisch gebaut. Selbst ein riesiges Kornfeld wurde ausgesät und wuchs über mehrere Monate, weil man es für die Szenen auf einem Farmplaneten haben wollte – und dann aufgrund der zwischenzeitlich streikbedingten Unterbrechung des Drehs doch nicht so wie geplant nutzen konnte. Laut Forbes-Recherchen habe Disney in keinem anderen Projekten in den vergangenen 15 Jahren in Großbritannien höhere Personalkosten eingereicht.

Nach Meinung vieler „Star Wars“-Fans hat es sich gelohnt. Für wohl kein Projekt der Saga gab es in der Disney-Ära mehr Lob und fast einhellige Begeisterung als für „Andor“. Die Serie ist für viele ein Meisterwerk. Zu einem „Star Wars“-Projekt, welches erst noch erscheint und sich noch der kritischen Begutachtung des Publikums stellen muss, gab es derweil gerade auch Neuigkeiten.

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