Tomaten werden rot gespritzt, Bananen gelb und Trauben lila gesprüht: Im Video färben Personen in weißen Schutzanzügen Lebensmittel am Fließband und auf Planen auf dem Boden. Der dazugehörige Text behauptet, diese Lebensmittel würden später auf unseren Tellern landen. Die eingesetzten Stoffe würden Zellen zerstören, die Entgiftung blockieren und das Immunsystem schwächen. Doch stimmt das?

Bewertung

Nein, das Video wurde künstlich erzeugt. Es gibt keine Hinweise darauf, dass Lebensmittel farblich besprüht werden und grundsätzlich gesundheitsschädlich sind.

Fakten

Das Video wurde mithilfe von künstlicher Intelligenz erzeugt. In zwei Szenen ist ein „AI“-Logo eingeblendet, und sowohl die versprühten Farben als auch die dargestellten Früchte wirken unnatürlich.

Keine Hinweise auf gefärbtes Obst

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) bestätigte der dpa auf Anfrage, dass es keine Kenntnisse über Stoffe habe, die Obst einfärben oder farblich verändern. Eine Suche bei der Suchmaschine Ecosia liefert ebenfalls keine Ergebnisse zu farblich besprühtem Obst.

Tatsächlich existieren laut BVL in Deutschland und der EU nur bestimmte Behandlungen für Obst, die nach der Ernte eingesetzt werden dürfen – sogenannte Nacherntebehandlungen. Eine solche Behandlung suggeriert der Beitrag auf Social Media. Dazu gehören einige wenige Fungizide, Wachstumsregulatoren, Wachse oder Begasungen. Das BVL sagt, dass aktuell lediglich sechs Wirkstoffe für solche Anwendungen zugelassen seien.

Diese Maßnahmen hätten mit Färben nichts zu tun: Sie sollen beispielsweise verhindern, dass Äpfel braune Flecken entwickeln, oder sicherstellen, dass Pfirsiche gleichmäßig nachreifen.

Rückstände dürfen Höchstmenge nicht überschreiten

Es gibt festgelegte Höchstmengen für die Rückstände, die Wirkstoffe an Lebensmitteln hinterlassen dürfen. Solche sogenannten „Rückstandshöchstgehalte“ können in der EU-Pestiziddatenbank eingesehen werden. Es dürfen nur Lebensmittel in Umlauf gebracht werden, bei denen diese nicht überschritten werden.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) prüft, ob Rückstände aus Nacherntebehandlungen gesundheitlich unbedenklich sind. Rückstände müssen so gering sein, dass sie keine Schäden verursachen können – egal, ob sie täglich in kleinen Mengen oder einmalig in großen Mengen aufgenommen werden. Die Ergebnisse dieser Bewertungen stehen in den Zulassungsberichten, die das BVL veröffentlicht.

Risiko bedeutet noch keine akute Gefahr

Es gibt keine Hinweise darauf, dass der Verzehr von Obst in Deutschland – bei Einhaltung der Rückstandshöchstgehalte – gesundheitsschädlich ist.

Grundsätzlich können Pestizide ein Risiko für die Gesundheit und Umwelt darstellen. Das bedeutet jedoch nicht, dass akute gesundheitliche Gefahr von Obst und Gemüse im Supermarkt ausgeht.

(Stand: 19.11.2025)

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