Für Krakow am See ist das Interesse groß: Rund 20 Gäste sind zur Lesung von Siebo Woydt in der Stadtbibliothek gekommen. Er stellt sein aktuelles Buch vor, den Mittelalterkrimi: „Die Versuchung der Unsterblichkeit“.
Auf der Suche nach einem geheimnisumwobenen Buch
Das Buch spielt in der Region und handelt in der modernen Rahmenhandlung vom Historiker Lukas Bellstedt, der in einem Kloster nahe Braunschweig die Aufzeichnungen eines Mönches findet. Dieser reiste im Jahr 1189 mit einem Ritter in das kaum christianisierte Mecklenburg, um ein verschollenes Buch zu suchen und zu vernichten. In dem Buch soll ein Ritual beschrieben sein, mit dem man unsterblich wird, für Bellstedt das gefährlichste Buch der Welt. Der Mittelalterkrimi ist am 1. März im Akres-Verlag Wuppertal erschienen.
„Ich habe viele Dinge intensiv recherchiert dafür, von damaligen Straßenverläufen über Kochrezepte bis hin zu Texten von Minneliedern“, erzählt der 60-Jährige, der mit seiner Frau in Langhagen in der Gemeinde Lalendorf lebt. Sogar den Namen des ersten Abtes im Kloster Dargun hat er herausgefunden und dass die Mönche den See aus dem Röcknitzbach aufgestaut hatten und es im Verlauf des Baches einen alten Burgwall und eine Slawensiedlung gab.
„Ich werde immer wieder gefragt, ob die Handlung in meinen Büchern wahr ist. Die historischen Gegebenheiten sind es, aber die Handlung selbst ist frei erfunden.“ Bei dem Gespräch nach der Lesung gibt es dann auch eine Diskussion von Siebo Woydt, der inzwischen Langhagens Ortschronist ist, mit einer offenbar ebenfalls historisch bewanderten Leserin: Sie meint, zu der beschriebenen Zeit habe es noch keine dreizinkigen Gabeln für die Mahlzeiten gegeben, sondern nur zweizinkige.
Vom Vorstand zum Hobby-Autor in Mecklenburg
„Die Versuchung der Unsterblichkeit“ ist bei weitem nicht das erste Buch von Siebo Woydt. Bevor er sich dem Schreiben zuwendete, war er jedoch Vorstand der Beteiligungs-Holding von Deutschlands größter Wirtschaftsauskunftei. In dieser hatte er nach seinem Studium der Informatik und Mathematik zunächst als Software-Entwickler gearbeitet. Doch 2021 hängte er den Manager-Job in Mönchen-Gladbach an den Nagel und zog nach Mecklenburg. Dass die Wahl auf Langhagen fiel, war Zufall, das Ehepaar entdeckte die Gegend bei einem Urlaub und fand großen Gefallen an der Natur mit weiten Wäldern und vielen Seen.
Die nächsten beiden Romane sind ebenfalls schon fertig. Darin kehrt Siebo Woydt wieder in die Gegenwart zurück, bleibt aber weiter dem Krimi-Genre treu. Seine ersten Bücher gehörten zu einer Reihe über den erfundenen Langhagener Gastwirt Brenner.
„Die nächsten beiden Bücher gehören wieder zu einer Reihe. Ich habe dem Verlag vorgeschlagen, einen norddeutschen James Bond zu etablieren, und der fand die Idee gut.“ Jedes Jahr soll ein Band dieser Reihe erscheinen, der erste Band im April 2026.
Russischer General verlangt Ostdeutschland zurück
„Dieser Agent ist natürlich komplett anders als James Bond, aber wie dieser muss auch er die Welt retten. Er kommt aus Mecklenburg, aber sein Dienstsitz ist Berlin. Im ersten Buch geht es um einen russischen General, der eine Invasion plant, um Ostdeutschland zurückzuerobern.“ Nach Meinung des Generals habe Deutschland den Zwei-plus-Vier-Vertrag von 1990 verletzt und daher sei Russland immer noch Besatzungsmacht für die ostdeutschen Gebiete.

Siebo und Birgit Woydt in ihrem Garten in Langhagen. (Foto: Toni Cebulla)
Die Aktualität ist kein Zufall. „Ich habe analysiert, wie die James-Bond-Filme es über die Jahre geschafft haben, immer auf der Höhe der jeweiligen Zeit zu bleiben. Ich habe mir die Megatrends von heute angesehen, und einer davon ist der Krieg zwischen Russland und der Ukraine“, erklärt Siebo Woydt. Das zweite Buch ist ebenfalls schon geschrieben, die Handlung wird aber noch nicht verraten.
Seine Mitbewohner in Langhagen fänden seine Bücher immer spannend und würden sich jedes Mal darüber freuen, wenn sie einen Schauplatz der Handlung wiedererkennen. „Wir fühlen uns jedenfalls sehr wohl in Langhagen und bringen uns hier auch ein. Ich arbeite als kundiger Bürger im Finanzausschuss der Gemeindevertretung mit und als Schöffe am Amtsgericht Wismar. Meine Frau ist im Dorfverein aktiv.“