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Nach dem Magdeburg-Anschlag hat Augsburg ein besonderes Sicherheitskonzept entwickelt. Schwere Poller schützen den Weihnachtsmarkt – müssen aber für jede Straßenbahn zur Seite geräumt werden.
Augsburg – Außergewöhnliche Sicherheitsmaßnahmen prägen den Augsburger Christkindlesmarkt in diesem Jahr. Die Stadt setzt auf schwere Poller, die bis Heiligabend tausendfach bewegt werden müssen, um den beliebten Weihnachtsmarkt vor möglichen Anschlägen mit Fahrzeugen zu schützen.
Aufwand im Minutentakt: Poller müssen für jede Straßenbahn zur Seite
Das Sicherheitskonzept bringt eine besondere Herausforderung mit sich: Da neben dem Christkindlesmarkt Straßenbahnen verkehren und die Poller auch die Gleise blockieren, müssen diese für jede Tram von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit einem Hubwagen zur Seite gehievt und anschließend wieder zurückgestellt werden. Zu den Hauptverkehrszeiten wiederholt sich diese aufwendige Aktion im Minutentakt.
Bis Heiligabend müssen Sicherheitskräfte in Augsburg tausendfach schwere Poller bewegen. Der Grund: Der Christkindlesmarkt soll vor Anschlägen geschützt werden, ohne dass der Straßenbahnverkehr stillsteht. © picture alliance/dpa | Malin Wunderlich
Ordnungsreferent Frank Pintsch (CSU) erklärt, dass der besondere Aufwand bewusst in Kauf genommen werde. Es sei für die Stadt der Weg, einen einerseits sicheren und andererseits schönen, nicht mit Betonsperren zugebauten Christkindlesmarkt zu ermöglichen. Laut Pintsch hat das Thema durch den Anschlag im Dezember 2024 auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt, als sechs Menschen starben und mehr als 300 verletzt wurden, eine Dynamik bekommen. Gegenüber der Bild erklärte Pintsch, dass die Poller rund 40 Mal pro Stunde verschoben werden müssen. In anderen Medien ist gar die Rede von bis zu 64 Mal pro Stunde.
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Es habe verhindert werden sollen, dass aus Sicherheitsgründen der Nahverkehr wochenlang in diesem Bereich eingestellt werden muss. „Wir sind diesen Weg gegangen, um mögliche Interessen gut zusammenzubringen“, sagte Pintsch. Der Ordnungsreferent bezifferte die Kosten mit einem mittleren fünfstelligen Betrag.
Dies sei aber vertretbar, weil zwei Straßenbahn-Hauptlinien weiter fahren und gleichzeitig mit guten Absperrsystemen die Sicherheit der Gäste des Christkindlesmarkts gewährleistet werden könne. (Quelle: dpa, Bild), (fhz)