Mit großen Schritten rückt der Kinostart von „Avatar 3: Fire And Ash“ näher und James Cameron hat bereits mit der Presse-Arbeit angefangen. Dabei wählt er auch deutlich Worte – gerade wenn es um die Leistung seines Casts geht.

Gerade war „Avatar“-Erfinder James Cameron im renommierten Podcast The Town von Hollywood-Insider Matt Belloni zu Gast. Aufgesplittet auf zwei Teile gibt er rund eine Stunde lang ausführlich Einblick in seine Sicht auf Hollywood und die Welt. Er spricht offen die Probleme an, welchen die Traumfabrik und auch die Menschheit entgegenblicken. Aber natürlich redet er ausführlich über seine „Avatar“-Filme und den kommenden dritten Teil „Fire And Ash“.

Dabei äußert er aber auch ein paar kritische Worte in Richtung Publikum und vor allem Medien. Denn er ist richtig sauer darüber, dass die Leistung des Großteils seines Casts auf Sprechparts reduziert wird. Dabei spielen Sigourney Weaver, Zoe Saldana, Kate Winslet und Co. ihre Na’vi-Figuren…

„Avatar“ ist kein Pixar-Film!

„Ich sage dir, was mich ärgert“, leitet Cameron im Gespräch mit Belloni seine kleine Wutrede ein, um dann eine „Falschdarstellung“ zu bemängeln, wenn er irgendwo hört oder liest, dass zum Beispiel Sigourney Weaver die Figur der Kiri „gesprochen“ hat. Besonders wenn dies Medien passiere, ärgert ihn das richtig.

Laut Cameron werde damit ihre Leistung auf das Mitwirken an einem Pixar-Film reduziert. Er habe nichts gegen deren Animationsfilme, liebe diese sogar, aber die Rolle von Schauspieler*innen ist in Titeln wie „Toy Story“ und „Alles steht Kopf“ natürlich komplett anders. Bei einer Pixar-Produktion stehe ein Star für ein paar Tage auf einer Bühne und spreche dann seine Rolle ein. „Danach macht sich ein Team von Animator*innen daran und übernimmt die physische Figur, die visuelle Interpretation, dieses Stimmparts. Das ist nicht das, was Sigourney oder die anderen Schauspieler*innen getan haben“, so Cameron.

„Sie spielen alles!“

Bei der Produktion seiner Filme mittels des Motion-Capture-Verfahrens müssen Schauspieler*innen nämlich richtig spielen. Für „Avatar 2“ und „Avatar 3“, die gemeinsam gedreht wurden, seien „18 Monate lang Performance-Capture-Aufnahmen“ durchgeführt worden und der Cast wurde dabei voll gefordert: „Sie spielen alles. Jeder Atemzug wird aufgezeichnet. Jede Bewegung, jede Handgeste.“ Wenn eine Szene unter Wasser spiele, dann sind die Schauspieler*innen für den Dreh dieser Szene auch unter Wasser.

Cameron verweist im Podcast so auch darauf, dass Motion-Capture-Schauspielerei gleichberechtigt mit Schauspielerei am Theater oder in üblichen Filmen sei. Ihm sei sehr wichtig, dass das in der Branche verstanden werde, wobei es aktuell aber nur ein sehr kleiner Prozentsatz tue. Er habe sogar bereits mehrere Workshops sowohl für die Regie-Gewerkschaft als auch für die Schauspiel-Gewerkschaft veranstaltet, um zu erklären, wie dieser Dreh in auch erst später am Computer zum Leben erweckten „Sets“ ablaufe. Teilnehmende seien dann immer überrascht und begeistert gewesen. Die Veranstaltungen seien jeweils um mehrere Stunden überzogen worden, weil alle mehr wissen wollten und nicht genug bekommen können.

Wann gibt es den ersten Oscar für eine Motion-Capture-Performance?

Wie schwer es großen Teilen Hollywoods trotzdem weiterhin fällt, die Performance einer Motion-Capture-Rolle zu würdigen, zeigt vielleicht ein Fakt, den Cameron nicht anspricht. Während Darstellungen, bei denen Stars sich mit ganz viel Make-Up völlig verwandelt präsentieren, immer wieder für reichlich Lob und zahlreiche Preise sorgen, gab es bislang noch nie eine Oscarnominierung für die Darstellung einer Motion-Capture-Figur.

Dabei gab es immer wieder Debatten. Schon bei den „Herr der Ringe“-Filmen vor über 20 Jahren gab es nicht wenige, die meinten, dass Andy Serkis eine oscarwürdige Gollum-Darbietung liefere. Mit seiner Darstellung von Caesar in der „Planet der Affen“-Trilogie wurden solche Rufe lauter. Doch selbst die Oscars verleihende Academy scheint der Meinung, dass hier ein erheblicher kreativer Beitrag von Animatoren, VFX-Künstlern und Technologie hinzukommt, die erst das finale Bild der Figur formen. So ist eine Nominierung für MoCap-Schauspiel zwar nicht verboten, aber die Academy verweist darauf, dass man bitte beurteilen solle, ob die Leistung primär gespielt oder primär digital erschaffen wurde. Dass einen solchen Hinweis überhaupt gibt, unterstreicht ja schon eine gewisse Skepsis gegenüber dieser Form des Schauspiels.

Dabei hat James Cameron natürlich völlig recht. Die „Avatar“-Stars haben keine bloßen Sprechrollen inne, sie schauspielern. Ihre komplette Mimik und Gestik ist zu sehen und liefert die emotionale Grundlage für jede Figur. Einen guten Eindruck davon geben auch die vielen Behind-The-Scenes-Dokumentationen wie der gerade auf Disney+ veröffentlichte Zweiteiler „Fire And Water: Die Entstehung der Avatar Filme“.

Avatar 3: Fire And Ash“ kommt am 17. Dezember 2025 in die Kinos. Wir sind uns sicher, dass es dann wieder starke Schauspielleistungen geben wird – und der Film zudem ein riesiger Erfolg wird. Falls er aber doch floppen sollte, ist Cameron vorbereitet, wie er ebenfalls im Podcast The Town erzählte und ihr im nachfolgenden Artikel lesen könnt:

„Avatar 3“: Floppt das Sci-Fi-Epos, zieht James Cameron bei „Avatar 4 & 5“ den Stecker – aber er hat einen Plan B!