Gießen (Hessen) – Das Gebiet rund um die Hessenhallen wirkt wie ein riesiges Heereslager. Hunderte Einsatzfahrzeuge der Polizei, Räumpanzer, Wasserwerfer und zig Kilometer Absperrgitter sichern das Veranstaltungsgelände. An Kreuzungen werden Autos von Polizisten gestoppt und kontrolliert. Der große Aufwand gilt nur einer Partei: Am Samstag findet in Gießen der Gründungs-Kongress der Jugendorganisation „Generation Deutschland“ der AfD statt.

Tausende Gegendemonstranten erwartet

Zehntausende Menschen wollen am Samstag in Gießen (Hessen) gegen die Gründung auf die Straße gehen. Polizei und Stadt rechnen bei rund 30 angemeldeten Demonstrationen, Kundgebungen und Mahnwachen mit rund 50.000 Teilnehmern. Das Bündnis „Widersetzen“ hat zudem angekündigt, die Zufahrtswege zu der AfD-Versammlung zu blockieren, mit dem Ziel, das Treffen zu verhindern.

Polizeihundertschaften aus dem ganzen Bundesgebiet sind in Gießen im Einsatz

Polizeihundertschaften aus dem ganzen Bundesgebiet sind in Gießen im Einsatz

Foto: Jan Ohmen

Hundertschaften der Polizei aus dem gesamten Bundesgebiet haben den Bereich im Nordwesten von Gießen hermetisch abgeriegelt. Bereits am frühen Freitagabend wurden die ersten Straßen gesperrt, ein Mega-Aufgebot sicherte auch alle Brücken über die Lahn. Mit querstehenden Polizeibullis, Beweis- und Festnahmeeinheiten und Absperrgittern will die Einsatzleitung verhindern, dass Demonstranten zu den Hessenhallen durchbrechen können.

Auch der Protest-Bus Adenauer SRP+ ist in Gießen. Das Fahrzeug wurde bundesweit bekannt, als er das ARD-Sommerinterview mit AfD-Chefin Alice Weidel störte: Während des Gesprächs spielten die Betreiber lautstarke Musik ab

Auch der Protest-Bus Adenauer SRP+ ist in Gießen eingetroffen. Das Fahrzeug wurde bundesweit bekannt, als es das ARD-Sommerinterview mit AfD-Chefin Alice Weidel störte

Foto: Jan Ohmen

6000 Beamte aus 14 Bundesländern im Einsatz

Auf der anderen Seite der Lahn in Richtung der kleinen Ortschaft Heuchelheim steht ebenfalls ein riesiges Polizeiaufgebot. Hier wollen am frühen Morgen Tausende Demonstranten die Zufahrten zu den Hessenhallen blockieren.

Das wird die größte Herausforderung für die Einsatzkräfte: Man muss die 1000 Teilnehmer des AfD-Kongresses durch tausende Gegendemonstranten lotsen. Insgesamt sind 6000 Beamte aus 14 Bundesländern und von der Bundespolizei mit Pferden, Hunden und mehreren Hubschraubern im Einsatz.

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Bereits am Freitag hatten die Kinder in Gießen keine Schule, viele Geschäfte schlossen früher. Heute öffnen viele Restaurants und Läden erst gar nicht, alle haben Angst vor gewaltsamen Ausschreitungen in der Innenstadt. Auch die Polizei befürchtet, dass in den über 200 Reisebussen aus ganz Deutschland auch gewaltbereite Linksautonome sitzen könnten. Schon im Vorfeld hatten sie angedroht, den Gründungs-Kongress um jeden Preis verhindern zu wollen und dass Gießen brennen würde.