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Der Autozulieferer Musashi will zwei deutsche Werke schließen und hat während den Verhandlungen den Aufsichtsrat aufgelöst. Das Unternehmen erklärt, warum.

Bad Kreuznach – Bereits zur Jahresmitte hatte der Autozulieferer Musashi Europe mit Sitz in Bad Sobernheim (Kreis Bad Kreuznach, Rheinland-Pfalz) angekündigt, zwei deutsche Werke schließen zu wollen. Konkret handelt es sich dabei um die Werke Hannoversch Münden (Niedersachsen) und Leinefelde (Thüringen). Diese Ankündigung führte auch an den anderen deutschen Standorten zu Unsicherheiten, zumal der Autozulieferer auch betriebsbedingte Kündigungen durch die Schließungen angekündigt hat.

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Wie die IG Metall Bad Kreuznach am 24. November in einer versandten Pressemitteilung erklärt, hat das Unternehmen nun inmitten der Verhandlungen um die Zukunft der Werke und der Arbeitsplätze den Aufsichtsrat aufgelöst. Nach Angaben der Gewerkschaft haben die Mitarbeiter in Münden und Leinfeld, aber auch an den Standorten in Bad Sobernheim, Bockenau und Grolsheim (Rheinland-Pfalz), dadurch künftig weniger Mitbestimmungsrecht. Rein rechtlich sind der IG Metall dabei die Hände gebunden.

Musashi Europe löst Aufsichtsrat auf – weil Mitarbeiterzahl unter Schwellenwert gefallen ist?

Der Aufsichtsrat eines Unternehmens hat normalerweise die Funktion, die Handlungen des Vorstands zu überwachen und diesen zu beraten. Bei Musashi Europe handelte es sich aber um einen sogenannten paritätischen Aufsichtsrat, der zu gleichen Teilen von Vertretern des Arbeitgebers und der Arbeitnehmer besetzt ist. Eben dadurch bedeutet eine Auflösung auch den Verlust eines Mitbestimmungsrechts im Kontrollgremium. Musashi begründet den Schritt laut der Mitteilung damit, dass die Mitarbeiterzahl unter den Schwellenwert von 2.000 Menschen gefallen ist und es deshalb keine Pflicht mehr für einen solchen Aufsichtsrat gibt.

Gründung 2016 (Übernahme der HAY Holding durch Musashi) Sitz Bad Sobernheim, Rheinland-Pfalz Branche Automobilzulieferer Mitarbeiter rund 2.500 in Europa Standorte 9 (in Deutschland, Spanien und Ungarn)

Gegenüber IPPEN.MEDIA stellt das Unternehmen selbst klar, dass die Mitarbeiter bereits am 21. März darüber informiert wurden, dass der Schwellenwert für die Bildung eines Aufsichtsrates „bereits seit längerer Zeit unterschritten“ sei. Daraufhin habe man die Auflösung des Gremiums veröffentlicht, wogegen die Betriebsräte der Standorte aber beim Landgericht Frankfurt (Main) ein Statusverfahren eingeleitet hätten. Dazu fand laut den Angaben des Unternehmens am 20. November ein Erörterungstermin statt.

„Das Gericht hat entschieden, dass die Voraussetzungen für die Bildung eines Aufsichtsrates […] nicht mehr gegeben sind und der Aufsichtsrat damit aufgelöst werden müsse“, heißt es von Musashi Europe. Gegen diesen Beschluss können die Betriebsräte innerhalb eines Monats Beschwerde einlegen.

Die Auflösung ist demnach rechtens, trifft bei der IG Metall und den Vertretern der Arbeitnehmerseite aber dennoch auf Kritik. „Wir befinden uns bei Musashi in einer sehr schwierigen Lage und die Beschäftigten an allen Standorten sind unzufrieden und verunsichert, ihre Zukunft ist ungewiss. Werke sollen geschlossen werden, hunderte von Kolleginnen und Kollegen werden arbeitslos“, erklären die Aufsichtsratsmitglieder Simone Krämer, Torsten Melzian und Sven Fuhrmann.

Autozulieferer Der Autozulieferer Musashi hat den Aufsichtsrat aufgelöst. Laut einem Gerichtsurteil war das angesichts der Mitarbeiterzahl rechtens (Symbolfoto). © picture-alliance/ dpa | Jens WolfMusashi-Aufsichtsrat wurde nach eigenen Angaben von Entscheidung überrumpelt

Entgegen der Darstellung des Unternehmens erklären die Aufsichtsratsmitglieder in der Mitteilung der IG Metall weiter, dass sie von der Entscheidung der Geschäftsführung von Musashi überrumpelt worden seien. Demnach habe es erst wenige Tage vor der Verkündung am Hauptsitz in Bad Sobernheim eine Aufsichtsratssitzung stattgefunden, bei der von einer solchen Entscheidung nicht die Rede war. „Das empfinde ich als Respektlosigkeit der Geschäftsleitung gegenüber dem Aufsichtsrat“, macht der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende und erster Bevollmächtigter der IG Metall Bad Kreuznach, Ingo Petzold, deutlich.

Der Autozulieferer Musashi Europe, die europäische Tochter des japanischen Konzerns Musashi Seimitsu Industry Co., Ltd., hatte die beabsichtigte Schließung der beiden deutschen Werke mit dem schwachen europäischen Automarkt und dem hohen Druck anderer asiatischer Konkurrenten begründet. Jüngst hat auch ein Autozulieferer aus Bayern die Schließung eines deutschen Standorts angekündigt. (verwendete Quelle: Pressemitteilung der IG Metall Bad Kreuznach vom 24. November 2025, Nachricht der Pressestelle der Musashi Europe GmbH)