1. Startseite
  2. Wirtschaft

DruckenTeilen

Russland verkauft erstmals physisches Gold aus seinen Reserven. Die Notenbank reagiert auf sinkende Öleinnahmen. Experten sehen keine Marktgefahr.

Moskau – Russlands Zentralbank hat einen bedeutsamen Strategiewechsel vollzogen: Erstmals verkauft sie physisches Gold aus ihren Reserven auf dem Markt. Laut The Bell begann die Notenbank mit dem Verkauf von Goldbarren als Teil der Bemühungen des Finanzministeriums, das Haushaltsdefizit zu finanzieren. Bisher waren alle Goldtransaktionen virtuell abgewickelt worden – das tatsächliche Metall verblieb in den Tresoren der Zentralbank.

Wladimir Putin mit einem Goldbarren auf der Ausstellung „Mineral- und Rohstoffressourcen der Region Magadan“ 2005.Der Rubel rollt… bergab: Russland verkauft Gold aus seinen Staatsreserven, um sinkende Öleinnahmen zu kompensieren. (Archivbild von 2005) © IMAGO / ZUMA Press Wire

Die russische Notenbank bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur Interfax, dass sie die Gold-Transaktionen über den Staatsfonds National Wealth Fund (NWF) gesteigert habe und mehr reale Transaktionen vornehmen werde. Als Begründung nannte sie die gestiegene Liquidität des russischen Goldmarktes aufgrund höherer Preise und Nachfrage.

Notenbank ändert Goldstrategie nach Ukraine-Krieg: Staatsfonds verliert über die Hälfte seiner Goldreserven

Vor der Ukraine-Invasion hielt der NWF 405,7 Tonnen Gold. Seither wurden mehr als die Hälfte (232,6 Tonnen) verkauft, um Budgetausgaben zu decken. Zum 1. November 2025 verblieben noch 173,1 Tonnen Gold im Fonds. Das Gesamtvolumen der liquiden NWF-Vermögenswerte in Gold und chinesischem Yuan fiel um 55 Prozent auf 4,165 Billionen Rubel – etwa 52 Milliarden US-Dollar.

Laut der oppositionellen Moscow Times hat das Finanzministerium über den Fonds 233 Tonnen Gold an die Notenbank abgegeben – 57 Prozent des ursprünglichen Bestands. Die Verkäufe sollen der Finanzierung steigender Militärausgaben bei gleichzeitig sinkenden Öleinnahmen dienen. Der chinesische Staatskonzern Yanchang Petroleum hatte in den letzten Wochen seine Ölkäufe aus Russland eingestellt und stattdessen Rohöl aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und Kasachstan erworben. Auch andere chinesische Staatsunternehmen wie Sinopec hatten bereits im Oktober ihre russischen Rohölkäufe gestoppt, um das Risiko von Sekundärsanktionen zu reduzieren.

Die 16 absurdesten Donald-Trump-Momente 2025US-Präsident Trump auf dem Dach des West Wings des Weißen HausesFotostrecke ansehenRussland verkauft Goldreserven: Experten sehen keine Bedrohung für Weltmarkt

Trotz der Verkäufe bleibt Russland laut Daten des World Gold Council mit über 2300 Tonnen die fünftgrößte Goldreserve weltweit. Roland Peter Stöferle, Fondsmanager bei Incrementum, sieht gegenüber der Wirtschaftswoche keinen „Gamechanger für den Goldmarkt“. Die Meldungen seien ein „weitgehend technisches Detail“ und im Kern eine interne Umschichtung. Stöferle stuft die russischen Erklärungen als „Non-Event“ ein: „Die wirklich relevanten Treiber des Goldpreises bleiben westliche Schulden- und Zinsdynamik, finanzielle Repression und das schleichende Misstrauen gegenüber Fiat-Währungen.“ Von einem strategischen Kurswechsel oder aggressivem Gold-Dumping könne angesichts fehlender Volumen-Angaben und der Sanktionslage keine Rede sein. Rohstoffe wie Gold profitieren zudem von ihrer geringen Korrelation zu Aktien und Anleihen und können als Inflationspuffer fungieren, während Tech-lastige ETFs und Kryptowährungen unter Druck stehen.

Da Russland von den hochliquiden Goldmärkten in London und New York ausgeschlossen ist, nutzt es den heimischen Markt. Gleichzeitig will die Bank ihre Yuan-Reserven schonen, da diese das einzige verbliebene Instrument zur Währungsstabilisierung darstellen. Der Verkauf von Yuan könnte zudem problematisch werden. Denn ein Verkauf der chinesischen Währung riskiert eine zu starke Rubel-Aufwertung und trifft auf schwache Nachfrage, da russische Unternehmen bereits über ausreichende Yuan-Bestände verfügen. Daher plant die Regierung Yuan-denominierte Eurobonds, um einen Absatzkanal für die Unternehmensbestände zu schaffen. (ls)