Die historischen Bachkanäle unter der Wiesbadener Wilhelmstraße und der Friedrich-Ebert-Allee müssen saniert werden. Wie die Stadt Wiesbaden mitteilt, hat der Magistrat dafür jetzt rund sechs Millionen Euro für die notwendigen Bauarbeiten beschlossen.

Sanierung in drei Abschnitten

Untersuchungen mit Robotern hatten zuvor deutliche Schäden an den Kanälen gezeigt, die aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert stammen. Festgestellt wurden unter anderem Risse, Ausbrüche und freiliegende Bewehrung. Laut Experten besteht aktuell keine akute Gefahr für die Standsicherheit, allerdings können Hohlräume nicht ausgeschlossen werden. Vorsorglich wurde der Weg „Am Warmen Damm“ zwischen der Wilhelmstraße und dem Parkplatz für den motorisierten Verkehr gesperrt und ist nur noch für Fußgänger und Radfahrer freigegeben.

Die Sanierung ist in mehreren Abschnitten geplant. Der erste betrifft rund 200 Meter des Rambachkanals vom Kurpark bis zur Wilhelmstraße. Die Kosten hierfür werden auf rund 950.000 Euro geschätzt. Ein weiterer Abschnitt umfasst den etwa 1600 Meter langen Salzbachkanal im Bereich der Wilhelmstraße und der Friedrich-Ebert-Allee bis zum Bahnhofsplatz. Hier rechnet die Stadt mit Kosten von etwa 1,6 Millionen Euro. Die Arbeiten an diesen beiden Abschnitten sollen 2026 gemeinsam beginnen.

Ein dritter, rund 100 Meter langer Kanalabschnitt unter dem Warmen Damm, muss ebenfalls saniert werden. Dieser stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Aufgrund der komplexen Gegebenheiten ist die Planung hier noch nicht abgeschlossen, eine erste Schätzung geht von Kosten in Höhe von rund 4,5 Millionen Euro aus. Insgesamt sollen alle Sanierungsarbeiten bis 2029 andauern.

Historische Bauten gegen die Seuche

Die unterirdischen Kanäle in Wiesbaden haben eine lange Geschichte. Bis Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Abwasser in die offenen Bäche geleitet. Mit dem schnellen Wachstum der Stadt führte dies jedoch zu Gestank und der Ausbreitung von Krankheiten wie der Cholera. Der Salzbach wurde in der Presse damals als „cloaca maxima“ (größter Abwasserkanal) bezeichnet. 1902 wurde schließlich die Kanalisierung des Salzbaches angeordnet.

Insgesamt durchfließen 240 Kilometer Bäche die hessische Landeshauptstadt, rund 13 Kilometer davon verlaufen unterirdisch in teils über hundert Jahre alten Rohren und Gewölben. Laut Stadt ist es selbst für Experten überraschend, dass die historischen Bachkanäle so lange standgehalten haben.