Eine Produktverpackung sorgt für Unruhe im Netz. Das bei Instagram geteilte Foto zeigt ein Sandwich, wie es sie üblicherweise in Supermärkten gibt. Oben rechts auf der Verpackung ist ein sogenannter «Carbon Score» (CO2-Bilanz) aufgedruckt: Dieses Sandwich zu essen verbraucht demnach 8,1 Prozent des täglichen ernährungsbezogenen CO2-Budgets. Im Post wird behauptet, dass die CO2-Kontingente von Bürgern in Großbritannien mit dem digitalen Identitätsnachweis (Digital ID) verknüpft würden. Es werde festgehalten, was Bürger kaufen. Die Rede ist in dem Zusammenhang von «Tages-/Wochen-/Monatslimit». Stimmt das?
Bewertung
Es gibt keine CO2-Kontingente für Bürger im Vereinigten Königreich. Die Angabe der CO2-Bilanz auf Lebensmitteln ist freiwillig. Eine digitale ID ist lediglich geplant, aber noch nicht eingeführt.
Fakten
Die britische Regierung plant die Einführung eines verpflichtenden digitalen Identitätsnachweises bis 2029. Derzeit gibt es jedoch kein Gesetz, dass eine digitale ID vorschreibt. Somit wurde sie bisher auch nicht – wie im Post behauptet – eingeführt.
In einer Pressemitteilung erklärte Premierminister Keir Starmer, die digitale ID solle Schwarzarbeit eindämmen und illegale Migration begrenzen. Die Regierungsdokumente betreffen Migration, Arbeitsmarkt und Verwaltung – von individuellem Konsum ist nicht die Rede.
Keine CO2-Kontingente für Individuen
Das UK Emissions Trading Scheme (UK ETS) ist ein CO2-Handelssystem, das helfen soll, die Treibhausgasemissionen im Vereinigten Königreich zu verringern. Darin geht es explizit um Unternehmen und nicht um Personen. Zum jetzigen Zeitpunkt existieren keinerlei CO2-Kontingente für einzelne Bürger.
Auch eine Pflicht zur Kennzeichnung von Lebensmitteln mit ihrer CO2-Bilanz besteht im Vereinigten Königreich derzeit nicht. Unter dem früheren Premierminister Rishi Sunak gab es Pläne, einen Rahmen für Umweltlabels zu entwickeln. Gleichzeitig wurde betont, dass zunächst eine verlässliche Datengrundlage geschaffen werden müsse, bevor ein aussagekräftiges Labeling möglich sei. Es handelte sich also lediglich um Vorhaben – nicht um eine gesetzliche Verpflichtung für Hersteller.
Raynor Foods nutzte Umweltlabel schon vor Plänen zur digitalen ID
Der Hersteller des im Bild gezeigten Sandwiches – Raynor Foods – teilte Reuters mit, dass er in der ersten Hälfte des Jahres 2024 begonnen habe, CO2-Bilanzen auf Verpackungen zu drucken. Dies geschah ein Jahr, bevor die Starmer-Regierung ihre Pläne zur digitalen ID veröffentlichte.
(Stand: 27.11.2025)