Die Komponistin und ehemalige Hochschulprofessorin für Musiktheorie Prof. Dr. Vivienne Olive ist Künstlerin des Monats November der Metropolregion. Die deutsch-britische Komponistin gehört zu den spannendsten Komponistinnen unserer Zeit.
Ihr Œuvre umfasst mehr als 60 Werke – es sind Kompositionen für Besetzungen von Solo-Blockflöte bis zu großbesetzten Orchesterwerken und Opern. Viele ihrer Werke sind Aufträge von Solisten, Kammermusikgruppen sowie Rundfunkanstalten und Organisationen. Unter anderem komponierte Vivienne Olive die Musik für die Kinderoper „Das hässliche Entlein“, das 2010 in Nürnberg uraufgeführt wurde. Von der Filmregisseurin Doris Dörrie stammte das Libretto. 2010 feierte das Stück im Nürnberger Kindertheater „Theater Mummpitz“ große Erfolge.
Vivienne Olive. Foto: Volker Blumenthaler
Neben ihrer kompositorischen Arbeit lehrte Vivienne Olive bis zu ihrer Pensionierung im Jahre 2015 als Dozentin für Musiktheorie und Komposition in Nürnberg. 2014 wurde sie zur Honorarprofessorin der Hochschule für Musik in Nürnberg ernannt. Als Mitbegründerin des Forums für Neue Musik in Nürnberg und engagierte Vertreterin der Frauenbewegung in der Musik setzte sie sich immer für die Sichtbarkeit von Komponistinnen ein. Seit 1995 gehört sie zum Vorstand des Internationalen Arbeitskreises „Frau und Musik“. Ihre Musik ist nicht selten durch eine bewusste Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen oder interkulturellen Themen geprägt.
„Musik kann technisch und komplex sein und auf einer intellektuellen Ebene befriedigen. Sie kann ebenso erheben, bewegen, aber auch heiter und unterhaltend sein“ – so umschreibt die Komponistin Vivienne Olive ihr künstlerisches Verständnis. Auf die Frage, inwiefern ihre Musik — wie auch andere zeitgenössische Musik — ‚elitär‘ sei, da ja nur eine kleine Gruppe von Fachkundigen sie intellektuell begreifen könne, antwortete sie in einem Interview, es gebe zwei Ebenen, auf denen der Hörer erreicht werde: die intellektuelle und die gefühlsmäßige. Im Zentrum ihrer Botschaft stehen „die Gefühle um die Seele des Publikums“.
Mit sieben Jahren schrieb sie erste Kompositionen
Geboren 1950 in London, begann sie mit sieben Jahren mit dem Klavierunterricht und schrieb bereits erste Kompositionen. Im Alter von achtzehn Jahren wurde ihr bewusst, dass sie Komposition studieren möchte. Diesem Wunsch widmete sie sich, nachdem sie ihre Studien in Klavier, Cembalo, Orgel und Musiktheorie am Trinity College of Music (London) und ihre Promotion (University of York/England) abgeschlossen hatte. Weitere prägende Studien folgten bei international renommierten Komponisten wie Franco Donatoni (Mailand), Roman Haubenstock-Ramati (Wien) und Klaus Huber (Freiburg). 1975 promovierte sie in Komposition an der University of York. Parallel dazu vertiefte sie ihre Kenntnisse im Cembalospiel bei Stanislav Heller in Freiburg.
Vivienne Olive gewann verschiedene Preise und Auszeichnungen, darunter den 1. Preis beim Internationalen Wettbewerb Leni Neuenschwander der Gedok 1998 für „Gleichsam einem Garten“, den Stuttgarter Förderpreis der Bach-Akademie für „Stabat Mater“, den Hamelner Jugendmusikschulpreis für „An English Suite“ und den Stuttgarter Kompositionspreis für „Tomba di Bruno“.
Zur Würdigung des kompositorischen Schaffens von Vivienne Olive richtet die Hochschule für Musik Nürnberg am 12. Februar 2026 ein Portraitkonzert aus. Dabei werden Werke aus fünf Jahrzehnten vorgestellt, die die stilistische Vielfalt und die künstlerische Entwicklung der Komponistin hörbar machen – ein eindrucksvolles musikalisches Lebensbild. Der Eintritt zu diesem Konzert im Orchestersaal der Hochschule ist frei.
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