Augsburg steht in diesen Tagen bundesweit – und inzwischen europaweit – in den Schlagzeilen. Der Spiegel schreibt von „Pollerwahnsinn auf dem Augsburger Weihnachtsmarkt … ist das nun lächerlich provinziell oder einfach pragmatisch?“ Der Stern: „Poller-Posse: 450-Kilo-Barrieren werden 64-mal pro Stunde versetzt“. Der Merkur berichtet vom „Sicherheits-Irrsinn auf Weihnachtsmarkt in Bayern“, während BILD die Szene als „Schräge Szenen auf dem Weihnachtsmarkt: Poller werden 40-mal pro Stunde verschoben“ beschreibt und Kommentare zitiert wie „Wenn man denkt, es geht nicht blöder…“.

Hintergrund ist das Sicherheitskonzept am Christkindlesmarkt, bei dem schwere mobile Poller im Minutentakt für durchfahrende Trams zur Seite geräumt werden. Nachdem Videos davon viral gingen, reagierten große Medien bundesweit mit üblem Spott. Auch Medien in Italien, Österreich, Frankreich und den Niederlanden griffen die Geschichte inzwischen auf.

Sicherheit ist für Eva Weber am wichtigsten

Alle machen sich also über die Fuggerstadt lustig, Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) ist bei dem Thema so gar nicht zum Lachen zumute. Im Gespräch mit dem AJ REPORTER unterstreicht sie mit Vehemenz die sicherheitspolitische Verantwortung der Stadt: „Für mich ist die oberste Prämisse, wir möchten einen Christkindlesmarkt haben. Nach den Attentaten in Berlin oder in Magdeburg, wo es 19 Tote und Hunderte Verletzte gab oder auch bei der ver.di-Kundgebung in München war einfach klar, dass wir unseren Christkindlesmarkt vor solchen Überfahrttaten schützen müssen.“ Die Kritik an den Abläufen spiele in der Bewertung keine Rolle. Weber erklärt: „Wir haben, wie ich finde, ein sehr umfassendes Sicherheitskonzept auf die Beine gestellt, das eben genau das möglich macht. Einerseits trotzdem mit der Straßenbahn zum Christkindlesmarkt fahren zu können, nicht das gesamte Straßenbahnnetz lahmzulegen, aber zum anderen auch maximale Sicherheit für die Menschen zu bieten. Sicherheit muss sichtbar sein. Das ist wichtig, das erwarten die Menschen auch und genau das ist meine Verantwortung.“

Medienberichte, die das Verschieben der Poller als umständlich, übertrieben oder gar absurd darstellen, ärgern Eva Weber maßlos. Die OB stellt klar, dass sie am Konzept festhält. „Augsburg gehört seit Jahren zu den sichersten Großstädten Deutschlands. Und wir wissen leider: Das ist kein Selbstläufer. Wer Verantwortung trägt, muss eben auch diese Verantwortung übernehmen und Entscheidungen treffen, auch wenn man dafür vielleicht nicht unbedingt Applaus bekommt. Insofern bin ich da Anhängerin der Fraktion Haltung statt Hashtag.“

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