Kiel. Filip Jicha, Cheftrainer des THW Kiel, drohte am Dienstagabend nach dem souveränen 27:18 gegen Montpellier HB in der European League die Stimme zu versagen – die Grippe. Es müssen Glückshormone gewesen sein, die den 43-Jährigen dann aber doch zu einer ausführlichen Analyse und einem euphorischen Ausblick beflügelten.

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THW-Kiel-Trainer Filip Jicha über die „Gigantengruppe“

Es ist kurios. Fünf frühere Champions-League-Sieger haben den Sprung in die Hauptrunde und damit unter die letzten 16 in der European League geschafft. Vier von ihnen bilden eine „Gigantengruppe“ I: der viermalige Königsklassen-Champions THW Kiel (2007, 2010, 2012, 2020), Montpellier HB (2003, 2018) aus der Vorrundengruppe B sowie aus Gruppe A die SG Flensburg-Handewitt (2014) und der spanische Vorjahresdritte Bidasoa Irún (1995). Kiel, Montpellier und Titelverteidiger Flensburg standen zudem im Final Four der Vorsaison.

„Jetzt kreuzen wir mit Flensburg die Klingen. Das werden für die Fans und für den Handball zwei geile Spiele“, sagte Jicha voller Vorfreude und blickte besonders auf seine „Rückkehr nach Spanien“ voraus. „San Sebastián ist ein Ort, den jeder in seinem Leben besuchen sollte“, so Jicha. Irún liegt im Baskenland nur 15 Kilometer östlich von San Sebastián am Golf von Biskaya.

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Der THW und die SG starten mit 4:0 Punkten in die Hauptrunde, Irún und Montpellier mit 0:4. „Wir nehmen den Kampf an und brauchen die Punkte gegen Irún, um uns in die Situation zu bringen, mit Flensburg um den Gruppensieg zu kämpfen.“ Der würde den direkten Viertelfinaleinzug bedeuten.

San Sebastián ist ein Ort, den jeder in seinem Leben besuchen sollte.

Filip Jicha

Cheftrainer des THW Kiel

THW-Coach Jicha über seine Youngsters

Hätte jemand Filip Jicha vorher gesagt, dass er gegen Montpellier, also in einem „kleinen Finale“ (Jicha), irgendwann mit dem 18-jährigen Rasmus Ankermann und dem 21-jährigen Jesse Dahmke im Rückraum spielen würde, er hätte es womöglich nicht geglaubt. Ankermann hinterließ schon ab der 19. Minute als Ersatz für Eric Johansson unbekümmerte Spuren, drehte Pirouetten (8:6/21.), packte einen sehenswerten Schlagwurf aus (11:9/24.), traf insgesamt fünfmal. Dahmke entlastete Harald Reinkind, erzielte drei Treffer.

Rasmus Ankermann erzielte gegen Montpellier fünf Tore für den THW Kiel.

Beide brachten ihren Coach in einem Spiel mit „zwei mächtigen Abwehrreihen” zum Strahlen: „Das sind Momente, in denen man sich unglaublich freut für die Jungs. Sie haben es beide sehr toll gemacht, speziell ‚Rassi‘, er war heute der beste Rückraum-Linke.“ Ankermann selbst, der trotz eines rabenschwarzen Johansson-Tages in Eisenach nicht zum Einsatz gekommen war, gab sich bescheiden: „Es war cool, vor der Kulisse so viel Verantwortung zu bekommen. Wenn Filip sagt ‚Rasmus rein‘, bin ich bereit. Aber ich verstehe auch, wenn er einen jungen Spieler wie mich in einem Spiel wie in Eisenach nicht einfach reinwerfen will.″

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THW-Kiel-Trainer Jicha über Veron Nacinovic

Eine glänzende Performance zeigte auch THW-Kreisläufer Veron Nacinovic gegen den Klub, für den er vier Jahre auflief. „Gegen Montpellier wird es für mich immer besonders sein. Es sind viele Freunde. Für mich war es natürlich auch leichter, ich kenne ihren Stil, habe lange mit ihnen trainiert“, sagte der 25-jährige Kroate, der fünf Tore erzielte, defensiv „keinen Zweikampf verlor und eine Weltklasse-Leistung zeigte“ (Jicha). Nacinovic sei, so der Coach weiter, „ein ruhiger Typ mit unglaublichem Potenzial, eine Bereicherung für die Mannschaft“.

Als Jicha schon in der Pause die Stimme versagte, bat er seine Spieler um Hilfe. „Da hat Veron Anweisungen gegeben. Das hat mir gefallen.“ Dass er daran noch arbeiten müsse, weiß auch der 2,03-Meter-Mann Nacinovic: „Kommunikation ist wichtig, ich muss versuchen, mehr zu sprechen.“ Bleibt also zu hoffen, dass er von der Grippe verschont bleibt.

KN