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Nach dem Ableben von „Friends“-Star Matthew Perry zieht die Justiz erste Konsequenzen. Ein Arzt wurde bestraft – doch weitere Urteile stehen noch aus.
München – Der juristische Nachgang zum tragischen Tod des „Friends“-Stars Matthew Perry geht in die nächste Runde: Ein Gericht in Santa Monica verurteilte den behandelnden Mediziner des Schauspielers zu einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten. Der 43-jährige Arzt Salvador Plasencia hatte sich zuvor in vier Anklagepunkten der illegalen Ketamin-Verteilung schuldig bekannt und muss nun zusätzlich zur Haftstrafe eine Geldbuße von 5600 Dollar zahlen. Im Gegenzug für sein Schuldeingeständnis wurden weitere Anklagepunkte fallen gelassen, wie auch cbsnews.com berichtet.
Ein Arzt ist in Zusammenhang mit dem Tod von Perry verurteilt worden. (Archivbild) © Brian Ach/AP/dpa
Die Anklage konnte belegen, dass Plasencia den Hollywood-Star in den Wochen vor dessen Tod systematisch mit dem Betäubungsmittel versorgte. Zwischen Ende September und Mitte Oktober 2023 verabreichte der Mediziner Perry das Narkosemittel sowohl in dessen Privatwohnung als auch in völlig ungeeigneter Umgebung – etwa im Fahrzeug des Schauspielers auf einem Parkplatz. Diese medizinisch nicht gerechtfertigten Behandlungen brachten dem Arzt mehrere tausend Dollar ein, obwohl keinerlei therapeutische Indikation vorlag.
Tod von Matthew Perry war wohl ein Unfall
Matthew Perry verstarb am 28. Oktober 2023 im Alter von 54 Jahren in seinem Anwesen in Los Angeles, wo er bewusstlos im Whirlpool aufgefunden wurde. Nach Angaben der zuständigen Gerichtsmedizinbehörde von Los Angeles starb Perry an den Auswirkungen von Ketamin. Hinzu kamen unter anderem Ertrinken, eine Herzkrankheit und die Auswirkungen eines Mittels zur Behandlung von Opioid-Abhängigkeiten. Der Tod wurde als Unfall eingeordnet.
Der Darsteller des Chandler Bing aus der Erfolgsserie „Friends“ hatte bereits in seiner 2022 erschienenen Autobiografie offen über seine jahrzehntelangen Suchtprobleme berichtet. Parallel zu seinem illegalen Ketamin-Konsum hatte sich Perry wegen Depressionen und Angstzuständen einer legalen Ketamin-Therapie unter medizinischer Aufsicht unterzogen.
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Fotostrecke ansehenDrogennetzwerk nutzte Perrys Abhängigkeit aus
Die Ermittlungen förderten ein komplexes Drogennetzwerk zutage, das gezielt Perrys Abhängigkeitserkrankung ausnutzte. Neben Plasencia stehen vier weitere Personen vor Gericht: ein zweiter Arzt, Perrys persönlicher Assistent, ein Bekannter sowie die sogenannte „Ketamin-Königin“ Jasveen Sangha, eine Drogenhändlerin. Drei der Angeklagten haben bereits Schuldbekenntnisse abgelegt, ihre Strafmaße werden in den kommenden Wochen verkündet. Die Staatsanwaltschaft wirft allen Beteiligten vor, bewusst mit dem Leben des Schauspielers gespielt zu haben.
Ketamin, ursprünglich als Anästhetikum entwickelt, findet heute auch Anwendung in der Behandlung therapieresistenter Depressionen. Gleichzeitig wird die Substanz aufgrund ihrer halluzinogenen Eigenschaften illegal als Partydroge missbraucht. Der Fall Perry verdeutlicht die Gefahren, wenn Mediziner ihre Verantwortung missachten und Patienten mit Suchterkrankungen unkontrolliert mit potenziell tödlichen Substanzen versorgen. Plasencias Anwältin betonte die „tiefe Reue“ ihres Mandanten und die Hoffnung, dass dieser Fall andere Ärzte vor ähnlichen Fehlentscheidungen warnen möge. Quellen: dpa, cbsnews.com (bk)