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Die Sonne ist derzeit aktiver als erwartet. Eruptionen auf der Oberfläche schleudern Plasma ins Weltall, das in Form eines Sonnensturms die Erde treffen kann. (Archivbild)Eruptionen auf der Oberfläche schleudern Plasma ins Weltall, das in Form eines Sonnensturms die Erde treffen kann. (Archivbild) © NASA/SDO/AIA/Goddard Space Flight Center

Eine der größten Sonnenflecken-Gruppen der vergangenen zehn Jahre richtet sich aktuell auf die Erde aus. Fachleute beobachten die Region mit wachsamem Blick – denn gewaltige Ausbrüche und sogar Polarlichter sind möglich.

Die Sonne zeigt sich in diesen trüben Dezembertagen von ihrer spektakulären Seite. Statt nur Licht und Wärme zu spenden, sorgt unser Stern derzeit für ein astronomisches Schauspiel: Auf seiner westlichen Hemisphäre hat sich eine außergewöhnlich große Sonnenflecken-Formation gebildet – katalogisiert in drei Gruppen unter den Bezeichnungen AR 4294–4298.

Riesige Sonnenflecken im Anmarsch: Was Ihr jetzt wissen müsst

Die Dimensionen dieser dunklen Regionen beeindrucken selbst erfahrene Forscher. Mehrere der Flecken übertreffen mit Leichtigkeit den Erddurchmesser von rund 12.700 Kilometern. Fachleute sprechen daher von einer der größten Formationen des vergangenen Jahrzehnts. Newsweek berichtet sogar, dass es sich um „die größten Sonnenflecken seit einem Jahrzehnt“ handelt – und dass von ihnen weitere Ausbrüche erwartet werden.

Drehen zur Erde: Sonnenflecken erreichen kritische Position

Besonders spannend: Die gigantischen Strukturen wenden sich gerade der Erde zu. Das Space Weather Prediction Center (SWPC) der US-Behörde NOAA erklärt auf seiner Website: „In Verbindung mit der Aktivität in diesen Regionen kam es zu koronalen Massenauswürfen (CME), die jedoch bislang alle von der Erde weg gerichtet waren.“

Doch das könnte sich bald ändern. Laut NOAA wird erwartet, dass sich die Sonnenflecken „im Laufe der Woche in günstigere Positionen drehen, sodass möglicherweise Aktivitäten in Richtung Erde stattfinden könnten“.

Die Region ist kein Unbekannter: Der Sonnenfleck AR 4274, der bereits zuvor spektakuläre Polarlichter ausgelöst hatte, taucht nach einer vollständigen Sonnenrotation erneut auf – diesmal größer denn je und unter neuer Bezeichnung als AR 4294–4298.

Lesen Sie dazu auch: Super-Sonnensturm mit Ansage: „Nicht ob, sondern wann“

Wie gefährlich ist die aktuelle Region?

Die Lage sorgt in der Weltraumforschung für erhöhte Aufmerksamkeit. Das Portal SpaceWeather.com stuft die Situation deutlich ein und schreibt, dass „starke Explosionen wahrscheinlich“ seien. Zudem zieht die Seite einen historischen Vergleich: Die aktuelle Sonnenflecken-Region erreicht etwa 90 Prozent der Größe jener Formation, die 1859 das berühmte Carrington-Ereignis verursachte – der stärkste dokumentierte Sonnensturm der Geschichte.

Das war das Carrington-Ereignis 1859

Das Carrington-Ereignis im Jahr 1859 war der stärkste jemals aufgezeichnete geomagnetische Sturm, der die Erde traf. Ausgelöst wurde er durch einen gewaltigen koronalen Massenauswurf der Sonne, der von dem britischen Astronomen Richard Carrington beobachtet wurde. Das Ereignis führte zu weltweit sichtbaren Polarlichtern, die selbst in tropischen Regionen wie der Karibik bestaunt werden konnten.

Die technologischen Auswirkungen waren damals vor allem im weltweiten Telegrafennetz spürbar. Die Störung induzierte so starke Ströme in den Leitungen, dass es zu massiven Ausfällen kam, Funken aus den Geräten sprühten und Telegrafisten elektrische Schläge erlitten. Ein Ereignis dieser Stärke würde heute unsere moderne, technologieabhängige Gesellschaft lahmlegen und könnte zu globalen Ausfällen von Stromnetzen, Satelliten und Kommunikationssystemen führen.

In den nächsten Tagen könnte sich zeigen, ob die aktive Region erneut Polarlichter erzeugt – auch in Mitteleuropa. Möglich ist aber ebenso, dass energiereiche Ausbrüche zu technischen Störungen führen.

Sonnenfleck AR 4274: Polarlichter im November 2025Die schönsten Leserfotos der Polarlichter im November 2025Polarlichter am NachthimmelFotostrecke ansehenWarum Sonnenstürme so ernst genommen werden

Sonnenstürme sind kein harmloses Naturschauspiel. Sie können Satelliten lahmlegen, Navigationssysteme stören, Stromnetze belasten oder sogar ausfallen lassen und technische Geräte beschädigen. So könnt Ihr Euch auf ein solches Ereignis vorbereiten:

  • Technik bewusst nutzen – Im Extremfall könnte GPS/Navigationsdienste ausfallen. Backup-Lösungen prüfen (z. B. Offline-Karten).
  • Stromausfall bedenken – Wenn große Stromnetze betroffen sind, sind Notstrom- und Differenzierungslösungen sinnvoll.
  • Satellitendienste einschränken – Viele Funktionen wie Internet-Satelliten oder Navigationsdienste könnten beeinträchtigt werden.
  • Nicht in Panik geraten – Vorbereitung heißt Vorsorge. Information statt Angst hilft Euch, angemessen zu reagieren.

Die Region der Sonne wird von internationalen Forschungsteams rund um die Uhr beobachtet. Nur so können im Ernstfall rechtzeitig Schutzmaßnahmen ergriffen werden. (rr)