Marseille/Kiel. Die „Aidaluna“ ist seit ihrer Indienststellung im Jahr 2009 Stammgast in Kiel. Nach 16 Jahren war es nun aber an der Zeit für eine Modernisierung. Sieben Wochen lang wird das 252 Meter lange Schiff gerade in einer Werft in Marseille modernisiert. Nächste Woche sollen die ersten Passagiere an Bord kommen.

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Als die Passagiere am 22. Oktober nach einer Reise von Kiel ins Mittelmeer in Mallorca das Schiff verlassen hatten, ging es weiter nach Marseille: Dort wurden umgehend Verkleidungen abgebaut, Teppiche herausgerissen, Wände versetzt und überall Folien verlegt.

Besatzung der „Aidaluna“ wohnt für Renovierung auf einer Fähre

Die Crewmitglieder tauschten sofort ihre schicken Uniformen gegen Werft-Overalls aus. „Wir alle haben Bock drauf, hier an dem Projekt mitzuarbeiten“, berichtet Johanna Kajellis. „Eine Werftzeit ist ja etwas Besonderes.“ Die 22-Jährige aus Grömitz hat nach ihrer Ausbildung zur Hotelfachfrau in Grömitz 2024 bei Aida angeheuert.

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Kajellis arbeitet üblicherweise im Team an der Rezeption, wo man viel mit Passagieren zu tun hat. „Ich kann gut mit Menschen“, sagt sie. In der Werft ist sie in einen Container auf der Pier gezogen. Statt mit Kreuzfahrern hat sie es nun mit Arbeitern der Fremdfirmen zu tun. Denn: Auch die brauchen Zugangskarten und Unterkünfte.

Die Crewmitglieder wechselten indes auf die Kreuzfahrtfähre „Rhapsody“, die als Wohnschiff gemietet und neben das Dock gelegt wurde. „Zusätzlich zur Crew haben wir 1300 bis 1600 Arbeiter hier an Bord im Einsatz, die brauchen auch Kabinen“, sagt Stefan Weder, Hoteldirektor auf der „Aidaluna“ und Herr über alle Kabinen.

„Der Zeitplan steht“, berichtet Weder. Noch bestimmen Leitern, Folien und Absperrbänder das Bild auf den 14 Decks. 140 Firmen sind an diesem Projekt mit dem Namen „Evolution“ beteiligt, davon viele aus Norddeutschland.

Projekt Evolution: Aida baut Kreuzfahrtschiff „Aidaluna“ um

Koordiniert wird alles von der Reederei Aida. „Wir wollten das selbst in der Hand behalten und haben uns deshalb Partner gesucht“, berichtet Kapitän Boris Becker, der seit 2022 das Evolution-Projekt plant.

Kapitän Boris Becker plant die Modernisierung der Schiffe der "Sphinx"-Klasse bei Aida.

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Einen dreistelligen Millionenbetrag investiert die Rostocker Reederei in den Umbau der Schiffe „Aidadiva“, „Aidaluna“ und „Aidabella“. „Ein Neubau kam als Ersatz für uns nicht infrage“, sagt Becker. „Es gibt eine sehr starke Bindung der Gäste zu diesen Schiffen.“ Deshalb habe man sich für eine Umrüstung entschieden.

Die sieben Schiffe der „Sphinx“-Klasse sind nach dem Umbau als Selection-Schiffe fester Teil der Zukunftsplanung der Kussmund-Flotte.

Der Umbau soll die Schiffe auf den Level heutiger Neubauten bringen. „Es hat sich ja einiges seit dem Bau 2009 an Bord der Schiffe getan“, sagt Weder. Es fange im Kleinen bei den Steckdosen an den Nachttischen der 1033 Kabinen an. „Damals reichte eine Steckdose am Bett noch aus“, sagt Hotelchef Weder. Das gelte auch für den Wunsch nach mehr Schminkspiegeln in den Kabinen.

Ein Neubau kam als Ersatz für uns nicht infrage. Es gibt eine sehr starke Bindung der Gäste zu diesen Schiffen.

Boris Becker

Kapitän der „Aidaluna“

Die Zahl der Restaurants wurde auf acht, die der Bars auf zehn vergrößert. Das Kasino musste umziehen und der neuen „French-Kiss-Bar“ weichen.

Teppiche der „Aidaluna“ werden recycelt

Aus dem Weite-Welt-Restaurant wird ein Yachtclub mit Außenterrasse und Lanai-Bar. Die Digitalisierung an Bord erfordert den Einbau von 12,5 Kilometern Glasfaserkabel und 28 Kilometer neuer Kupferkabel sowie 16.500 neue Datenverbindungen.

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Und die Umwelt? Ein Großteil der rausgerissenen Teppiche, Vorhänge, Matratzen und Baldachine sollen wiederverwendet werden. Die Firma Seaflors schreddert die ausgebauten Materialien auf der Pier und lässt sie zu neuen Bodenbelägen pressen. So kommen die alten Teppiche als Trittschalldämmung wieder an Bord.

„Wir haben dafür natürlich alle Zulassungen der Klassifikationsgesellschaften beantragen müssen“, sagt Bruno Schäfer, Chef von Seaflors aus Hamburg. „Gerade beim Brandschutz wird sehr genau hingeschaut.“

Auch die Möblierung wurde komplett erneuert: 5000 Möbelstücke kamen raus. 3800 davon gingen als Hilfslieferung in die Ukraine. 1121 Möbel gingen an fast 40 Hilfsorganisationen in Norddeutschland.

Der Wulstbug unter dem Kussmund soll jetzt auch umweltverträglicher sein. 17.500 Liter neuer Farbe kamen auf den Rumpf: biozidfreie Produkte, die zudem auch die Wasserreibung reduzieren. Ruderblätter, Seekästen und Wellen wurden mit neuen Opferanoden versehen. Vier bis fünf Jahre soll der Anstrich unter Wasser halten.

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In Kiel zurückgeblieben sind vier alte Tenderboote der „Aidaluna“. Sie wurden am 11. Oktober bei Abfahrt zur Werft durch neue Tenderboote ersetzt und liegen seitdem im Ostuferhafen.

KN