Der Vorschlag des Ökonomen Jens Südekum, den Renteneintritt stärker an die Zahl der Beitragsjahre zu koppeln, sorgt bundesweit für Diskussionen – auch bei uns im Kreis Warendorf. Bei der Vertreterversammlung der Deutschen Rentenversicherung Westfalen in Münster hat der Wirtschaftsweise Martin Werding den Vorstoß eingeordnet – er warnte davor, zu große Erwartungen zu wecken. 

Warnung vor neuen Ungerechtigkeiten 

Eine reine Kopplung an Beitragsjahre könne neue Ungerechtigkeiten schaffen, betonte Werding. Er verwies darauf, dass es schon ein Instrument für die Rente für besonders langjährig Versicherte gibt, die Erfahrungen damit seien gemischt: Davon würden vor allem Menschen mit stabiler Vollzeitkarriere profitieren– benachteiligt seien dagegen Frauen, Teilzeitkräfte und Späteinsteiger. 

Hauptproblem Demografie 

Der Kern des Problems liege in der Demografie, sagt Werding: Immer mehr Rentner treffen auf immer weniger Beitragszahler. Nötig sei eine Gesamtstrategie, erklärt Werding. Dazu zählen aus seiner Sicht eine offene, ehrliche Debatte über die Lebensarbeitszeit mit klaren Schutzregelungen und ein Ausbau der ergänzenden Vorsorge. 

Die Deutsche Rentenversicherung Westfalen sieht es ähnlich: sie fordert einen generationengerechten Mix aus gesetzlicher Rente, zusätzlicher Vorsorge und realistischer Lebensarbeitszeit.