Leipzig. Die Nachricht, dass RB Leipzig Tatjana Haenni als CEO und Nachfolgerin von Oliver Mintzlaff holt, verbreitete sich am Mittwochmorgen wie ein Lauffeuer. Am Abend offenbarte der 50-Jährige dann bei seinem Auftritt im mit 300 Gästen ausverkauften LVZ-Talk mit Chefreporter Guido Schäfer: Das Engagement der gebürtigen Schweizerin bei den Sachsen ist einem Zufall zu verdanken. „Die Tatjana kannte ich nicht”, erklärte Mintzlaff. „Und es war eher ein Zufall, dass wir uns in New York über die NWSL (US-Frauenliga, d. Red.) kennengelernt haben.“
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Gesucht hatten die Sachsen lange und intensiv, auch mit Headhuntern, also spezialisierten Personalvermittlern. Drei Jahre lang war die Stelle, die Mintlzaff bis zum 15. November 2022 innehatte, unbesetzt. „Ich bin ja recht abrupt in die Geschäftsführung der Red Bull GmbH gewechselt. Ich habe damals bei Mario Gomez übernachtet, weil wir am nächsten Tag gemeinsam in die USA fliegen wollten. Und dann kam der Anruf: Man erreicht dich nicht. Dietrich Mateschitz ist gestorben, du musst nach Salzburg kommen“, so Mintzlaff. Das war am 22. Oktober 2022. „Dann bin ich innerhalb weniger Tage CEO von Red Bull geworden.“
Ersatz war immer geplant
Die geschäftliche Verantwortung in Leipzig übernahmen Johann Plenge und Florian Hopp. Als Kritik an ihrer Arbeit will Mintzlaff das Ja zu Tatjana Haenni nicht verstanden wissen. „Wir haben immer gesagt, dass wir jemanden finden wollen”, erklärte er vor 300 Gäste in der Kuppel des LVZ-Verlagshauses am Peterssteinweg. „Wir wollten jemanden, der in die Stadt passt und der kompatibel ist mit der Geschäftsführung. Bei Tatjana hatte ich das Gefühl, dass das passt, dass sich das Ganze komplettiert und einfügt in ein bestehendes ganz starkes Management.“
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Dass es von seinem Wechsel nach Salzburg bis zum Dienstantritt von Haenni so lange gedauert hat, sei ein wenig auch seine Schuld. „Das erste Jahr habe ich mich nicht wirklich damit beschäftigt. Weil ich wusste, dass wir grundsätzlich gut aufgestellt sind und weil es viele andere Prioritäten gab“, so Mintzlaff. „Deshalb habe ich mir Zeit gelassen.“
Frauenquote ist kein Thema
Dass die Schweizerin die erste Frau in dieser oder einer vergleichbaren Position im deutschen Profifußball sein wird, habe keine Rolle gespielt. „Das Thema Frauenquote steht bei mir nicht im Vordergrund. Das sind Nebenkriegsschauplätze“, sagte Mintzlaff entschieden. Darüber sei er sich mit der 59-Jährigen einig. „Das Thema Frauen empowern ist nicht unser Thema.“ Die gemeinsamen Ziele stehen im Vordergrund. „Wir haben viel zu tun. Wir wollen den Club vorantreiben.“ Bei der Personalsuche stehe für ihn grundsätzlich immer die Expertise im Vordergrund, nicht das Geschlecht. „Ich schaue, wer passt perfekt auf das Profil. Wenn es eine Frau ist, perfekt. Wenn es ein Mann ist, ist es ein Mann.“
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Mintzlaffs Besuch in der LVZ-Kuppel am Mittwoch war nicht der erste. Bereits 2016 und 2022 war er hier zu Gast, damals allerdings jeweils in seiner Eigenschaft als Vorstandschef und Geschäftsführer des Bundesligisten. Nun kam er unter anderem als RB-Aufsichtsratsvorsitzender, sprach neben der Personalie Haenni unter anderem auch über Timo Werner und einen möglichen Winterwechsel. Man werde dem Stürmer, dessen Vertrag in Leipzig im Sommer 2026 endet, keine Steine in den Weg legen. Trotz hartnäckiger Nachfrage von LVZ-Chefreporter Schäfer wollte Mintzlaff nicht verraten, wohin es Werner nun zieht. Die nordamerikanische MLS gilt als bevorzugtes Ziel.
LVZ