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Mit der Beschlagnahme eines venezolanischen Öltankers durch die USA nehmen die Spannungen beider Länder weiter zu. Auch US-Senatoren sind zunehmend besorgt.

Caracas/Washington, D.C. – Seit Monaten übt US-Präsident Donald Trump Druck auf Venezuela und seinen linksnationalistischen Präsidenten Nicolás Maduro aus. Der Republikaner bezichtigt Maduro, seine Wiederwahl im Juli 2024 gefälscht zu haben, zudem nimmt die US-Regierung seit September vermehrt mutmaßliche venezolanische Drogenschmuggler vor der Küste des Landes ins Visier, um sie am Schmuggel illegaler Substanzen in die USA zu hindern.

Mit der Beschlagnahme eines venezolanischen Öltankers durch die USA nehmen die Spannungen beider Länder weiter zu. Auch US-Senatoren sind zunehmend besorgt.Fotomontage Nicolás Maduros (l.) und Donald Trumps (r.) © IMAGO / Anadolu Agency und IMAGO / Capital Pictures

So passiert der Konflikt immer neue Eskalationsstufen: Jüngst auch dadurch, dass die USA einen voll beladenen Öltanker vor der Küste Venezuelas beschlagnahmten. Weil Trump andeutete, noch weiter gehen zu wollen, wachsen in den USA nun Sorgen vor einer weiteren Verschärfung des Konflikts.

Trump erhöht den Druck auf Venezuela nach Öltanker-Beschlagnahme weiter

Am Mittwoch brachten die US-Küstenwache und andere Einheiten vor der venezolanischen Küste den Öltanker „Skipper“ unter ihre Kontrolle. Dieser hatte Marinetraffic zufolge knapp 1,1 Millionen Barrel Rohöl an Bord, wobei die Ladung ebenfalls beschlagnahmt wurde, wie Karoline Leavitt, Sprecherin des Weißen Hauses, erklärte. Als Grund für die Operation nannte Leavitt den Verdacht der US-Regierung, der Tanker gehöre einer Schattenflotte an, die Schwarzmarkt-Öl mitunter an die Revolutionsgarden im Iran liefere. Der Tanker stehe auf einer Sanktionsliste, beantragt worden sei die Beschlagnahme des Schiffes vom Justizministerium, so Leavitt weiter. 

Unklar blieb in ihrer Stellungnahme jedoch, warum Venezuela Öl an den Iran liefern sollte, auch wenn die Länder als Verbündete gelten. Denn der Iran verfügt selbst über erhebliche Ölvorkommen, nach Venezuela gehören die Reserven des Landes zu den üppigsten weltweit. Denkbar ist jedoch, dass Trump es auf Venezuelas bedeutendste wirtschaftliche Triebkraft abgesehen hat und Regierungschef Maduro auf diese Weise noch erheblicher unter Druck setzen will. Denn Venezuela ist abhängig von seinen Ölexport-Einnahmen.

Von Maduro bis Milei: Die lange Liste der Populisten LateinamerikasJavier Milei (seit dem 10. Dezember 2023 Präsident Argentiniens) inszeniert sich als populistischer Revolutionär mit der Kettensäge als Symbol seiner radikalen Sparpolitik.Fotostrecke ansehenNicht wenige vermuten, Trump könnte einen Regimewechsel in Venezuela provozieren wollen

Wie der britische Guardian berichtete, verurteilten inzwischen zahlreiche demokratische Abgeordnete, mindestens aber auch ein Republikaner, die jüngste Öltanker-Beschlagnahme vor der Küste Venezuelas. Der demokratische Senator Chris Coons zeigte sich alarmiert über das Vorgehen der US-Administration. „Ich habe keine Ahnung, warum der Präsident einen Öltanker beschlagnahmt, und ich bin ziemlich besorgt, dass er uns in einen Krieg mit Venezuela hineinführt“, sagte Coons dem Sender NewsNation

Deutlich äußerte sich auch Chris Van Hollen, demokratischer Senator Marylands: Ihm zufolge entblöße sich der ursprünglich von der US-Regierung ausgerufene Kampf gegen den Drogenhandel durch die jüngste Operation als „Tarnung“ für ein ganz anderes Vorhaben: „Es ist ein Beweis dafür, dass es hier in Wirklichkeit um einen Regimewechsel geht – mit Gewalt“, gab Van Hollen laut der Nachrichtenagentur Associated Press zu bedenken. 

Besorgt zeigte sich jedoch auch der Republikaner Rand Paul, Senator aus Kentucky. Er erklärte gegenüber NewsNation, dass „die Beschlagnahme eines Öltankers eine Kriegserklärung darstellt“. Daneben fragte Paul, ob „es Aufgabe der amerikanischen Regierung ist, weltweit nach Monstern zu suchen, nach Gegnern Ausschau zu halten und Kriege zu beginnen“.

Iran wirft USA nach Beschlagnahme des venezolanischen Öltankers „staatliche Piraterie“ vor

Nach der Beschlagnahme des Öltankers „Skipper“ vor der venezolanischen Küste wurden nun auch aus dem Iran schwere Vorwürfe gegen die USA laut. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet, bezichtigt Teheran Washington offenbar der „staatlichen Piraterie“. Der Vorfall stelle eine „offenkundige Missachtung des Völkerrechts“ sowie einen eklatanten Verstoß gegen Prinzipien der maritimen Sicherheit und Seefahrt dar, sagte Irans Außenamtssprecher Ismail Baghai einer Mitteilung seines Ministeriums zufolge.

Unterdessen wurden aus dem Weißen Haus bereits Tage nach der „Skipper“-Beschlagnahme Andeutungen über potenziell neue Maßnahmen der US-Regierung laut, auch wenn sie unkonkret blieben. Unmittelbar nachdem Trump über die seit Wochen andauernden US-Angriffe auf Boote mutmaßlicher Drogenschmuggler in der Karibik sprach, sagte Trump der Nachrichtenagentur Reuters zufolge: „Es wird auch bald an Land beginnen.“ Dabei nannte der Republikaner jedoch weder Venezuela noch andere Staaten beim Namen. Auch zur Art der möglichen US-Einsätze machte Trump dabei keine konkreten Angaben. (Quellen: Guardian, NewsNation, Marinetraffic, Associated Press, dpa, Reuters) (fh)