
Der VfL Wolfsburg hat auswärts die starke Serie von Borussia Mönchengladbach in der Fußball-Bundesliga beendet – weil die Gastgeber von Beginn eine Einladung an die nächste reihten.
Beim hochverdienten 3:1 für das Team von Daniel Bauer erzielte Patrick Wimmer in der 4. Minute die Führung für die Gäste, das 1:1 resultierte aus einem Eigentor von Konstantinos Koulierakis (22.). Noch vor der Pause erhöhten Mohammed Amoura (30.) und erneut Wimmer (34.) auf 3:1, im zweiten Durchgang fielen nur noch Tore, die der VAR wieder annulierte.
Gladbachs Sportchef Rouven Schröder sagte anschließend der Sportschau: „Es war eine verdiente Niederlage, wir sind gar nicht in die Zweikämpfe und in Ballbesitz gekommen. Erst ab der 70. Minute haben wir eine Reaktion gezeigt. Daraus müssen wir lernen – für uns geht nur etwas, wenn wir an unser Limit kommen.“ Für den Wolfsburger Matchwinner Wimmer hatte das einen netten Nebeneffekt, denn seine Frau hatte ihm für den Sieg Plätzchen versprochen, wie er erzählte: „Ich freue mich jetzt auf die Vanillekipferl.“
Gladbach trotz Top-Lauf viel zu passiv
Die Gladbacher waren mit einem Super-Lauf in die Partie gestartet, hatten zuletzt 13 von 15 möglichen Punkten geholt und 11:1 Tore geschossen. Dafür war die erste Hälfte ein Offenbarungseid: Ängstlich und passiv igelten sich die Hausherren im eigenen Abwehrdrittel ein, nach vier Minuten lag das Ballbesitzvverhältnis bei 92:8 (!) für die „Wölfe“. „So wollen wir in jedem Spiel auftreten, egal gegen welchen Gegner“, lobte VfL-Trainer Daniel Bauer.
Folgerichtig fiel das Führungstor für die Gäste: Lovro Majer eroberte den Ball von Luca Netz, am Fünfmeterraum verlor Gladbach-Verteidiger Philipp Sander den Zweikampf gegen Wimmer, der Moritz Nicolas keine Chance ließ.
Wolfsburgs Koulierakis köpft ins eigene Tor
Ein Weckruf war das offenbar nicht. Auch in der Folge beherrschte Wolfsburg klar das Mittelfeld, nach einer Viertelstunde musste Nicolas gegen Koulierakis das 0:2 verhindern. Wimmer erklärte diese Überlegenheit mit der Gegneranalyse vor dem Spiel. Denn Wolfsburg habe gewusst, dass die Gladbacher nur mit einem Spieler pressen würden und sich danach schnell fallen ließen. Das konnte der VfL dann umspielen.
Mit dem ersten konsequent vorgetragenen Angriff kam Gladbach dann trotzdem zum in dieser Phase komplett unverdienten Ausgleich: Eine Flanke von Giovanni Reyna köpfte Koulierakis ins eigene Gehäuse. Da er dabei leicht von Haris Tabakovic bedrängt wurde, sah sich Schiedsrichter Patrick Ittrich die Szene nochmal kurz am Videoschirm an – blieb aber korrekterweise bei seiner Torentscheidung.
Doch auch diese Szene bewirkte keine Trendwende im Spiel der Gladbacher. Vor allem die zuletzt überragende Defensive blieb völlig neben der Spur und verhalf dem VfL schnell wieder zur Führung: Ein Doppel-Patzer von Netz und Nico Elvedi brachte Amoura in Schussposition, der den Ball aus zwölf Metern zum 2:1 für die Gäste unter die Latte jagte. Dann patzten Kevin Diks und Rocco Reitz im Doppelpack, das nutzte Christian Eriksen zum Konter. Sein Zuspiel spitzelte Wimmer gegen den erneut viel zu passiven Elvedi ins lange Eck: Wolfsburg lag dem Spielverlauf entsprechend mit zwei Toren vorne.
Gladbachs Polanski bringt einen 16-Jährigen
Dass Gladbach-Coach Eugen Polanski nicht schon zur Pause wechselte, überraschte zunächst – doch nach knapp einer Stunde griff er durch und schrieb Vereinsgeschichte: Mit dem erst 16-jährigen Wael Mohya brachte er den jüngsten Spieler, der je für die Borussia in der Bundesliga gespielt hat.
Dazu kam mit Grant-Leon Ranos ein weiterer Stürmer, was allerdings zur Folge hatte, dass die Defensive komplett entblößt wurde. Bei einem Konter in der 61. Minute traf Majer den linken Pfosten, drei Minuten später verwertete er den nächsten Blitzangriff mit dem vermeintlichen 4:1, das aber nach VAR-Intervention wegen Abseits wieder aberkannt wurde. Die Art und Weise, wie sein Team das zweite und das dritte Gegentor kassiert habe, störte Polanski ganz besonders. „Das hat nichts mit Wolfsburg zu zun, sondern einfach mit unserer Unkonzentriertheit.“
Tabakovic-Tor annulliert, Engelhardt trifft den Pfosten
Auch die Gladbacher jubelten anschließend zu früh. Nach Kevin Stögers Flanke hatte Ranos in der 71. Minute zunächst seinen Meister in Wolfsburg-Keeper Kamil Grabara gefunden, Tabakovic staubte ab – doch auch er wurde nach VAR-Überprüfung minimal im Abseits erwischt.
Auch in der 80. Minute lag das 2:3 in der Luft, da rettete aber der rechte Pfosten für Grabara – Yannick Engelhardt hatte aus zehn Metern abgezogen. Die Wolfsburger ließen sich in dieser Phase etwas zu sehr in die Defensive drängen, letztlich war ihr Erfolg aber vor allem aufgrund der starken ersten 60 Minuten vollkommen verdient. So sah es auch Bauer: „Die Jungs haben heute ein unglaublich gutes Auswärtsspiel gezeigt.“
Gladbach in Dortmund, Wolfsburg gegen Freiburg
Gladbach ist nun am Freitagabend bei Borussia Dortmund gefordert (20.30 Uhr). Wolfsburg empfängt am Samstagnachmittag den SC Freiburg (15.30 Uhr) und kann weiter daran arbeiten, dass Bauer von der Zwischen- zur Dauerlösung auf der Trainerbank wird.
