Berlin – Eine Stadt – zwei Welten und ein Luxushotel, in dem sich beide treffen: Die Vorweihnachtszeit und die des Krieges in der Ukraine. Es ist der dritte Advent und es ist Ukraine-Gipfel in der deutschen Hauptstadt.

Kurz vor 19 Uhr, im 6. Stock des Nobelhotels Adlon sitzt ein Mitarbeiter des Nationalen Security Services der USA vor einem Zimmer. Als BILD vorbeikommt, schreckt er auf. Wenige Minuten später sind sie zu zweit und stehen. Sie bewachen die Männer, die für Präsident Donald Trump den Weg zu seinem Friedensnobelpreis freimachen – und in der Ukraine zumindest eine Kriegspause verhandeln sollen: Jared Kushner (44) und Steve Witkoff (68).

Trump-Schwiegersohn Jared Kushner am Vormittag bei der Ankunft am Hotel in Berlin

Trump-Schwiegersohn Jared Kushner am Vormittag bei der Ankunft am Hotel in Berlin

Foto: picture alliance/dpa

Kushner und Witkoff auf Friedensmission

Der eine ist der Schwiegersohn und eine Art Wirtschaftsmotor der Familie Trump, der andere der Sondervermittler des Präsidenten für Russland und die Ukraine. Sie kamen um 10.19 Uhr im Adlon an (gelandet in Berlin mit einer Bombardier Global 700) und sitzen nun schon seit 15.19 Uhr im Kanzleramt zusammen mit Ukraine-Präsident Wolodymyr Selenskyj (47). Zuerst gemeinsam mit Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU). Dann allein im kleinen Kabinettssaal. Merz ist nebenan – in Rufbereitschaft mit seinem Stab.

Unterhändler Witkoff in der Tiefgarage des Hotels

Unterhändler Witkoff in der Tiefgarage des Hotels

Foto: JOHN MACDOUGALL/AFP

Es ist sein Gipfel, er hat eingeladen nach Berlin zu dem Treffen, das am 3. Advent beginnt. Berlins Juden feiern unter Hochsicherheit am Brandenburger Tor vorm Adlon Chanukka, „Unter den Linden“ ist auch vor der pompösen Russenbotschaft ein Lichterglanzboulevard.

US-Sicherheitskräfte sichern Lobby und Fahrstühle

Als um 19.15 Uhr, nach knapp vier Stunden, eine erste Kaffeepause gemacht wird, ist die große Chanukka-Feier mit dem Bundespräsidenten und die Gebete für die Opfer des Anschlags von Sydney vor dem Brandenburger Tor längst beendet, die Polizeisperre abgebaut. Doch 840 Meter Luftlinie vom Kanzleramt entfernt beginnt im Hotel Adlon langsam Geschäftigkeit:

Chanukka-Feier mit dem Bundespräsidenten am Brandenburger Tor – im Hintergund das Adlon

Chanukka-Feier mit dem Bundespräsidenten am Brandenburger Tor – im Hintergund das Adlon

Foto: Florian Boillot

▶︎ Secret Service und der Sicherheitsdienst der US-Regierung haben sich für ihre Verhältnisse unauffällig im linken Bereich der Lobby versammelt, wechseln später in die gemütlichen Sofas vorm berühmten Elefantenspringbrunnen. Im Blick: Rezeption, Lobby und Fahrstuhl. Es kommen Hotel-Sicherheit und das Bundeskriminalamt hinzu. Und jeder, der irgendwie nicht nach Adlon aussieht, wird dezent gecheckt: Dann platziert sich einer hinter den Gästen, hört zu und schaut hin, die anderen wechseln die Plätze – möglichst nah ran. Dann wird noch der Ober befragt …

Günter Sautter (l), außen- und sicherheitspolitischer Berater des Bundeskanzlers, und der ehemalige ukrainische Verteidigungsminister Rustem Umjerow, Unterhändler der Ukraine, kommen am Sonntagvormittag im Hotel Adlon an

Günter Sautter (l), außen- und sicherheitspolitischer Berater des Bundeskanzlers, und der ehemalige ukrainische Verteidigungsminister Rustem Umjerow, Unterhändler der Ukraine, kommen am Sonntagvormittag im Hotel Adlon an

Foto: picture alliance/dpa

▶︎ Zwei Damen des Diplomatischen Dienstes der Bundesregierung begrüßen erste Abgesandte der Vorabdelegationen aus anderen EU-Staaten. Es geht um Zimmernummern, Ablaufpläne und Essenszeiten. Alles will vorbereitet sein: Morgen sollen noch andere Staatschefs und EU-Spitzen kommen.

Und trotzdem: Zimmer sind noch zu haben (ab 380 Euro) und in der hauseigenen Brasserie ist eine Reservierung nicht nötig.

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Die Weihnachtsgäste genießen Champagner (155–495 Euro/0,75-ml-Flasche) oder die Adlon-Currywurst (26 Euro) oder den Haus-Döner (37 Euro). Immerhin spielt ab 21 Uhr der Pianist dazu – mal Selbstkomponiertes, mal Bach (Praeludium XXI) oder „Apologize“ von „OneRepublic“.

Nebenan in der „Quarrè Brasserie“ geht’s los mit der Hummersuppe für 22 Euro, Trüffelnudeln kosten 42 Euro, den Röhrchen (rosa gebraten) gibt’s für 58 Euro. Und im Kanzleramt versuchen sie, Frieden zu machen. Hier, im Adlon existieren die beiden Welten nebeneinander – die friedliche und die nach Frieden suchende.

Weihnachtsbaum vor dem Hintereingang des Adlon

Weihnachtsbaum vor dem Hintereingang des Adlon

Immer mehr Sicherheitskräfte, auch aus Finnland

Es kommen Touristen von den Weihnachtsmärkten zurück – und US-Militärs in Uniform und mit Ordensbrust und zackzacken zum Fahrstuhl. Immer mehr Sicherheit kommt unauffällig hinzu. Zu den Amis und den Deutschen gesellen sich auch noch die Finnen. Ihr Premierminister Alexander Stubb (57) wartet am Rande der Lobby wie ein Nobel-Touri in feinstem braunen Zwirn. Es geht auf 22 Uhr zu und am Hintereingang des Hotels rauscht eine Kolonne in die Tiefgarage: Witkoff und Kushner sind zurück. Kushner zieht es ins erste Obergeschoss, in die Beletage des Adlon. Knapp 20 Minuten sitzt er dort mit Stubb.

Finnlands Premier Alexander Stubb beim Treffen mit Jared Kushner im Adlon

Finnlands Premier Alexander Stubb beim Treffen mit Jared Kushner im Adlon

Stubb erinnert an Moskaus Überfall auf Finnland

Der Finne (High School und Studium in den USA) gilt als „Schweiz“ der Europäer, gleicht als eher Neutraler aus. Er hat einen ganz besonderen Draht zu Trump, kennt die Staaten, spielt wirklich gern und gut Golf. Auch schon mit Trump. Er habe, so hieß es, Trump klargemacht, dass Moskau nicht nur eine Bedrohung für die Ukraine ist. Auch sein Finnland ist als Nachbarland Russlands direkt bedroht und schon einmal zum Opfer geworden: 1939 wurde das Land von Moskau nach dem Hitler-Stalin-Pakt überfallen. Wie heute in der Ukraine, verleibte sich Moskau damals riesige Gebiete ein. Auch die Heimat von Vorfahren Stubbes.

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Kushner verschwindet in den Fahrstuhl, seine Sicherheitsleute kommen langsam an der Bar zusammen. Moskau wird im Hintergrund informiert über die Verhandlungen von diesem Sonntag. Ukraine-Präsident Selenskyj ist in seinem Hotel am Potsdamer Platz. Murmeliger Touristenfeierabend im Adlon. Im Kanzleramt aber brennt noch Licht …

Am Montag geht es weiter – zwischen den USA und der Ukraine und Kanzler Merz mit seinem Stab. Für den Montagabend haben sich weitere Staatschefs angesagt. Für Dienstag sind Militärtermine angesagt – auch zur Ukraine. „Vorsichtig optimistisch“ nennen sie solche Stimmung bei den Taschenträgern der Macht:

Vielleicht kommt die Welt in Berlin wirklich ein Stück näher an einen Frieden – mehr als nur einen Weihnachtsfrieden für die Ukraine.