Sebastian Feurer15.12.202506:01
Wer mit dem Smartphone unterwegs ist, begibt sich häufig unwissentlich in Gefahr. Eine französische Behörde warnt: Die WLAN-Funktion immer ausschalten, wenn man sie nicht braucht.
In den vergangenen Wochen häufen sich die Warnungen von Cyber-Agenturen an Smartphone-Nutzer. Die Berichte rücken neben altbekannten Empfehlungen wie der Nutzung verschlüsselter Messenger, dem Verzicht auf SMS-Sicherheitscodes und regelmäßigen Updates nun auch ein neues Thema in den Fokus: Das „komplette Deaktivieren der WLAN-Funktion“, wenn sie nicht benötigt wird.
WLAN komplett abschalten: Behörden warnen vor Gefahren neuer Smartphones
CERT-FR, die französische Cyber-Sicherheitsbehörde, hat zusammen mit ihren britischen Kollegen und in Ergänzung zu Hinweisen der amerikanischen Cyber-Agentur CISA deutlich gemacht, warum diese Maßnahme nötig sein könnte.
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Sie weist darauf hin, dass moderne Smartphones zahlreiche Schwachstellen besitzen – von drahtlosen Schnittstellen über Betriebssysteme bis hin zur Hardware selbst. Besonders WLAN und mobile Netzwerke stehen jetzt im Fokus.
Öffentliche WLAN-Netze können schnell zur Gefahr für das Smartphone werden. Imago Images (Symbolbild) Gefahren durch WLAN und 2G-Netze
CERT-FR hebt hervor, dass insbesondere öffentliche WLAN-Netzwerke aufgrund schlechter Sicherheitskonfigurationen anfällig für Angriffe sind. Hacker können sogenannte Man-in-the-Middle-Angriffe (MITM) durchführen, indem sie sich zwischen Nutzer und Netzwerk positionieren und sensible Informationen abfangen oder manipulieren.
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Ein besonders häufig genutzter Angriff ist der Evil-Twin-Angriff, bei dem Hacker gefälschte WLAN-Zugangspunkte erstellen. Nutzer verbinden sich unwissentlich mit diesen vermeintlich legitimen Netzwerken und geben so ihre Zugangsdaten preis oder laden Malware herunter, wie „Forbes“ berichtet.
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Auch veraltete 2G-Netzwerke stellen laut CERT-FR ein erhebliches Risiko dar. Diese verwenden schwache Verschlüsselungsalgorithmen, die bereits seit 2010 als unsicher gelten. Mangels einer Authentifizierungsprüfung von Basisstationen sind Angriffe über diese Netze besonders leicht durchführbar.
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Empfehlungen zur Sicherheit
Um die Sicherheitsrisiken zu minimieren, rät CERT-FR zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der drahtlosen Konnektivität von Smartphones:
- WLAN vollständig deaktivieren, wenn es nicht benötigt wird. Dies geht auf iOS-Geräten nur über die Einstellungen-App, da das Ausschalten im Kontrollzentrum lediglich die Verbindung trennt, die Schnittstelle jedoch aktiv bleibt.
- Automatische Netzwerkanmeldungen deaktivieren, auch bei gespeicherten privaten Netzwerken.
- Öffentliche WLAN-Netzwerke möglichst meiden. Falls der Zugriff unvermeidbar ist, sollte ein VPN genutzt werden, um Daten zu verschlüsseln und unbefugten Zugriff zu verhindern.
- Ladepunkte meiden, sofern keine vertrauenswürdigen USB-Datenblocker verwendet werden. Dies schützt vor „Juice Jacking“, bei dem schädliche Software über öffentliche Ladeanschlüsse auf das Gerät gelangt.
- Das Smartphone bei längerer unbeaufsichtigter Zeit, zum Beispiel beim Laden, komplett ausschalten.
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Die Behörde aus Frankreich rät Nutzern, unterwegs das WLAN komplett abzuschalten. CHIP Sicherheit durch bewusste Techniknutzung
Diese Hinweise unterstreichen die zunehmenden Risiken im digitalen Alltag. Während Maßnahmen wie das Deaktivieren von Auto-Join und Auto-Connect gut bekannt sind, geht CERF-FR mit der Empfehlung, WLAN komplett abzuschalten, einen Schritt weiter.
Die Entscheidung, wie weit Nutzer diese Maßnahmen umsetzen, hängt letztlich vom persönlichen Balanceakt zwischen Bequemlichkeit und Sicherheitsbedürfnis ab. Doch angesichts der aktuellen Bedrohungslandschaft könnte es an der Zeit sein, die eigene Nutzung von Vernetzungstechnologien zu überdenken – speziell in potenziell unsicheren Umgebungen wie öffentlichen Netzwerken oder unbekannten WLAN-Hotspots.