Der Aufenthaltsraum in der Sparkassenfiliale an der Kölner Straße war gerammelt voll: Dort wurden am Dienstag die Geschenke vom Wunschbaum der Bürgerstiftung ausgegeben. 260 große und kleine Wünsche haben sich in dem Raum gesammelt, alle mit einer Nummer versehen, um die Anonymität der Beschenkten zu wahren. Denn die Geschenke gingen an bedürftige Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre. Neben den Geschenken, die für die Kinder liebevoll verpackt wurden, gab es auch eine große Tüte mit Chips von Intersnack und einem Weckmann. Aber nicht nur Firmen haben sich bei den Geschenken eingebracht: Auch viele Vereine haben das Ganze mit Geld unterstützt, erklärt Joachim Drossert von der Bürgerstiftung. Weitere Unterstützung gibt es von den Schulen in Jüchen.

60 Wünsche wurden vom Baum in der Sparkasse gepflückt, den Rest hat die Stiftung mit ihren Unterstützern getragen. Alle Geschenke haben in etwa einen Wert von 30 Euro, die Familien wurden von der Stadt mit einem mehrsprachigen Schreiben auf die Aktion aufmerksam gemacht. Die Kinder konnten entweder einen konkreten Wunsch notieren, oder sich überraschen lassen.

Diejenigen, die all die Päckchen gepackt haben, sind Victoria Langenberg und Bärbel Meisen. Die beiden wissen dementsprechend auch, was sich die Kinder gewünscht haben: Es standen Lego-Klemmbausteine und Tafeln auf den Zetteln, genauso wie Monopoly in allen Variationen und viele Fußbälle. „Dieses Jahr waren es ganz viele Schultaschen“, sagt Meisen. Außerdem haben sich die Kinder Puppen, gerne auch zum Frisieren, gewünscht, manche aber auch kleine Labore, um selbst Parfüm herzustellen. Außerdem werden in diesem Jahr viele ferngesteuerte Autos unter den Weihnachtsbäumen landen.

Es sei immer etwas ganz Besonderes, wenn sich die Kinder etwas wünschen, sagt Meisen. Man merke, dass die Beschenkten sich wirklich Gedanken bei dem gemacht hätten, was sie aufgeschrieben haben. Es seien wenige digitale Dinge wie Computerspiele dabei gewesen, aber viele kreative Geschenke, beispielsweise zum Malen. Kopfhörer seien in der Vergangenheit und heute immer dabei gewesen, sagt Langenberg. „Ich lerne jedes Jahr etwas dazu“, sagt Meisen und lacht. In diesem Jahr gehörten zu den Geschenken Kostenpflichtiger Inhalt zum Beispiel auch Labubus. Es fällt aber auch auf, dass viele der Päckchen ganz schön groß sind, darin verstecken sich zum Beispiel Scooter, Kinderküchen oder Rutschautos. Wie lange das Verpacken der 260 Geschenke gedauert hat, kann sie nicht sagen, schon lange im Voraus wird die Wunschbaumaktion von der Bürgerstiftung vorbereitet. Allein die Pakete mit ihren Nummern übersichtlich in dem Raum aufzustellen, habe sie am Montag noch drei Stunden gekostet. So können die Ehrenamtlichen einfach den Zettel nehmen, auf dem die Wunsch-Nummer des jeweiligen Besuchers steht, das entsprechende Paket schnell finden und dann in die andere Hand noch eine volle Tüte mit Knabbereien geben. Dann bekommen die Menschen einen Ausgabezettel. Drossert betont, dass auch viel Hilfe seitens der Stadt in der Aktion steckt, schließlich würden die Familien über das zuständige Amt erst über diese Möglichkeit informiert. Außerdem sei die Anonymität wichtig: Die Helfer kennen nicht die Namen derer, die sich ein Geschenk abholen, der Eingang zum Raum mit den Geschenken liegt eher versteckt: „Die Leute sollen sich nicht beobachtet fühlen“, sagt er.

Dirk Klasen von der Sparkasse, in deren Räumlichkeiten das alles passiert, erzählt, dass er zum letzten Mal an der Aktion beteiligt ist. Er wird nämlich in die Bank in Dormagen wechseln. Aber trotzdem soll es mit der Wunschbaumaktion weitergehen: seinem Nachfolger Martin Fallascheck hat er das Thema schon ins Büchlein geschrieben. „Weil ich es einfach wichtig finde, soziales Engagement zu zeigen“, sagt Klasen, der auch Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung ist. Es sei wichtig, Menschen zu helfen, denen es weniger gut geht. Auch den Kindern könne man diese Bereitschaft zu spenden weitergeben, sagt Klasen und erzählt, wie sein Sohn schon sein eigenes Spielzeug spenden wollte.

Das sei auch eine Form der Integration, wenn die Menschen am Weihnachtsfest so teilhaben können, wie auch andere beim Zuckerfest mitmachen. „Das ist, was ein Zusammenleben ausmacht“, sagt er. Verschiedene Kulturen würden so miteinander leben, aber jeder müsse dazu beitragen und sich aufeinander einlassen. „Das sind die Gründe, warum es für mich Sinn hat“, sagt er. Auch im kommenden Jahr möchte er gerne Teil der Jüchener Wunschbaumaktion sein. Schließlich war in diesem Jahr sogarl ein Lastwagen von Nöten, um allein die Snacks abholen zu können, die sich zu Beginn der Ausgabe noch in einem Nebenraum stapelten.