https://magazin.uni-leipzig.de/das-leipziger-universitaetsmagazin/artikel/wie-eine-tierauffangstation-in-sambia-studierende-unterschiedlicher-fachrichtungen-zusammenbringt-2025-12-17

Mitten im sambischen Busch, nur unterbrochen durch einige Wege und den Kafue River, liegt das Chimfunshi Wildlife Orphanage – eine der weltweit größten Auffangstationen für Schimpansen. Im Sommer 2025 bot dieser besondere Ort einer Gruppe von 19 Studierenden und Forschenden aus Leipzig die Gelegenheit, Wissenschaft und Bildung auf einzigartige Weise zu verbinden. Die Exkursion, organisiert von verschiedenen Instituten der Universität Leipzig und vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, brachte Studierende der Biologie, Psychologie, Veterinärmedizin und des Grundschullehramts zusammen. Teilgenommen haben auch die Studentinnen Claire Arneth, Roula Peekhaus und Virginia Kunkel von der Universität Leipzig. In ihrem Blog berichten sie über die einzigartige Expedition.

Von der Tiermedizin nahmen vier Studentinnen teil, von der Biologie waren fünf Stundent:innen dabei, außerdem eine Psychologie-Studentin und vier angehende Grundschullehrerinnen – einige von ihnen zur Datenerhebung für ihre Projektarbeiten sowie Master- und Staatsexamensarbeiten, andere im Rahmen eines Praktikums. Chimfunshi bot dafür ideale Bedingungen. Neben den großen Gehegen für die Tiere umfasst das Gelände auch eine Arzt- und eine Tierpraxis, das Gründungshaus, eine Schule für über 250 Kinder und ein Besucher:innen- sowie ein Bildungszentrum. Außerdem gehören eine Farm, die Nahrung für Schule und Schimpansen bereitstellt, sowie Siedlungen für Mitarbeitende und deren Familien, große Savannenflächen und Miombo-Wälder zum über 10.000 Hektar großen Gelände.

Die interdisziplinäre Exkursionsgruppe arbeitete an verschiedenen Forschungs- und Bildungsprojekten. Neben der Untersuchung des Mutter-Kind-Verhaltens der Schimpansen wurden die sozialen Netzwerke der Jungtiere sowie die Integration geretteter Schimpansen und allgemeines Verhalten analysiert. Dabei wurden Methoden wie Videoanalysen und digitales Verhaltenstracking eingesetzt. Zusätzlich fanden Untersuchungen zur Biodiversität des Geländes statt. 

Ein weiterer Teil der Exkursion widmete sich dem Bildungsbereich: Studierende des Grundschullehramts führten Projekte zu Zahlenverständnis und Musik mit den Kindern durch. Dabei wurden spielerische Lernmethoden erprobt, um mathematische Grundkonzepte und Rhythmik zu vermitteln. Dieser Austausch zwischen Wissenschaft, Bildung und lokaler Gemeinschaft zeigte eindrucksvoll, wie vielfältig und praxisnah interdisziplinäre Zusammenarbeit gestaltet werden kann.

Roula Peekhaus ist Tiermedizinstudentin im Praktikum und erhielt wertvolle Einblicke in die praktische tierärztliche Arbeit in einer Wildtierauffangstation. Unter Anleitung konnte sie an der Operation einer Eule mit Flügelbruch teilnehmen, Rinder entwurmen, gerettete Graupapageien untersuchen und Hormonimplantate zur Verhütung bei weiblichen Schimpansen setzen, sowie im Zuge dieses Eingriffes deren allgemeinen Gesundheitszustand untersuchen. 

Neben der wissenschaftlichen und praktischen Arbeit blieb auch Zeit für gemeinsame Unternehmungen. Die Gruppe genoss die sambische Natur beim Birdwatching, wo Eisvögel, Fischadler und sogar Otter beobachtet wurden. Paddeltouren, Fußballspiele, zahlreiche Spieleabende, Partys, Stockbrot am Lagerfeuer und ein nächtlicher Bushbaby-Walk, aber auch Sonnenuntergänge am Kafue-Fluss und ruhige Augenblicke unter dem klaren Sternenhimmel sorgten für unvergessliche Momente. 

Ein Vortrag über die Struktur und Organisation von Chimfunshi führte zudem zu einem tieferen Verständnis vom Zusammenspiel von Schule, Farm, Dorfgemeinschaften, Tierpflege und Forschung. Die Stimmung innerhalb der Gruppe war ausgesprochen gut. Der interdisziplinäre Austausch mit dem Exkursionsteam, den internationalen Freiwilligen und Forschenden war inspirierend und förderte ein intensives gemeinsames Lernen. Besonders bereichernd war auch die Community in Chimfunshi, welche die Gruppe herzlich aufgenommen und diese schönen Wochen ermöglicht hat. Für alle Teilnehmer:innen bot die Exkursion wertvolle Einblicke in das wissenschaftliche Arbeiten und die komplexen Aufgaben einer Wildtierauffangstation.

Trotz der langen Anreise war das Fazit einstimmig: Die Reise hat sich in jeder Hinsicht gelohnt. Die Tage in Chimfunshi waren geprägt von neuen Eindrücken, spannenden Erfahrungen und bereichernden Begegnungen. Alle Beteiligten kehrten mit erweitertem Horizont und Fachwissen, einem besseren Verständnis für das Verhalten, den Schutz und die Vielfalt von Wildtieren und mit vielen neuen Freundschaften zurück. Ein besonderer Dank gilt der Universitätsstiftung, die die Exkursion großzügig unterstützt hat.