
Handball-Bundestrainer Alfred Gislason setzt bei der EM auf frische Kräfte, gleich vier Spieler im Kader stehen vor ihrem ersten großen Turnier.
Drei dieser Debütanten spielen beim VfL Gummersbach in der Bundesliga: Tom Kiesler (24), Miro Schluroff (25, beide Rückraum links), und Mathis Häseler (23, Rechtsaußen). Letzterer erhielt den Vorzug gegenüber dem erfahrenen Timo Kastening (30, MT Melsungen). Der Deutsche Handballbund (DHB) stellte den 18-köpfigen Kader am Mittwoch (17.12.2025) in Dortmund vor.
Auch Matthes Langhoff (23, Rückraum links) von den Füchsen Berlin steht vor seiner ersten Europameisterschaft. Im gut besetzten Konkurrenzkampf auf dieser Position hatte Sebastian Heymann (27, Rhein-Neckar Löwen) das Nachsehen. Insgesamt sind sechs Spieler dabei, die 2023 mit der U21 Weltmeister geworden sind.
Matthes Langhoff von den Füchsen Berlin
Gislason über die Qual der Wahl
Die Neuen seien „vielseitige Jungs, die eine große Zukunft bei uns haben können“, sagte Gislason der Sportschau. „Sie können jetzt zeigen, ob ich richtig lag bei der Wahl.“
Es sei angesichts der gewachsenen Auswahl an guten Spielern sehr schwer gewesen, den Kader zusammenzustellen. „Es tat mir unwahrscheinlich leid, gestern die Spieler anzurufen, die sich berechtigte Hoffnungen gemacht hatten, dabei zu sein“, sagte Gislason. Er habe bei der Auswahl „sehr genau“ auf die Abwehr geschaut. „Wir haben eine gute Mischung aus erfahrenen und eher unerfahrenen Spielern.“
Sportschau-Handballexperte Dominik Klein sieht das „Abwehrbollwerk“ als große Stärke des Kaders, auch durch die Hereinnahme von Kiesler. „Die Körperlichkeit, die in den Rückraumspielern steckt, und die Variabilität, in verschiedenen Formationen sowohl im Angriff als auch in der Abwehr spielen zu können.“
Auch die Leistungsträger sind erst Mitte 20
Die vier Debütanten gehören derselben Generation an wie die drei Hoffnungsträger im Kader: Juri Knorr (25, Aalborg Handbold), Julian Köster (25, VfL Gummersbach), Renars Uscins (23, TSV Hannover-Burgdorf).
Gislason vertraut zudem auf drei Spieler, die schon vor zehn Jahren EM-Gold in Polen geholt haben. Andreas Wolff bildet mit David Späth das Torwartduo, Rune Dahmke ist neben Lukas Mertens einen Option auf Linksaußen – wo kein Platz für den formstarken Tim Freihöfer von den Füchsen Berlin war. Jannick Kohlbacher ist einer von drei Kreisläufern.
DHB hat Justus Fischer nicht erreicht
Ein anderer ist Justus Fischer von der SG Flensburg-Handewitt. Allerdings wusste der aktuell verletzte 22-Jährige am Mittwoch offenbar noch gar nichts von seiner Nominierung, weil der DHB ihn nicht erreicht hatte.
„Justus, falls du das hier siehst: Ruf doch mal zurück, wir hätten da eine wichtige Info für dich“, sagte Nationalteam-Manager Benjamin Chatton schmunzelnd auf der Pressekonferenz.
Schwere Vorrundengruppe für Deutschland
Die Handball-Europameisterschaft findet vom 15. Januar bis 1. Februar 2026 in Dänemark, Schweden und Norwegen statt. Deutschland bestreitet seine Vorrundenspiele im dänischen Herning und hat in der Gruppe A in Spanien, Österreich und Serbien schwere Gegner. Zwei Punkte aus der Gruppe mitzunehmen, sei fast schon Pflicht, wenn um eine Medaille mitspielen wolle, sagte Klein, „weil die Hauptrunde dann brutal wird“.
ARD Handball-Experte Dominik Klein
Dann drohen Duelle mit Topfavorit Dänemark, dem ersten Herausforderer Frankreich und den ebenfalls stark einzuschätzenden Portugiesen und Norwegern. Wie diese beiden Nationen gehört auch Deutschland zum erweiterten Favoritenkreis.
Was ist also drin für den Kader mit dieser „Horrorgruppe“ in der Hauptrunde? Kleins Antwort: „Halbfinale mit Fragezeichen.“
Der deutsche EM-Kader:
Tor: David Späth (Rhein-Neckar Löwen), Andreas Wolff (THW Kiel)
Linksaußen: Rune Dahmke (THW Kiel), Lukas Mertens (SC Magdeburg)
Rückraum links: Marko Grgic (SG Flensburg-Handewitt), Tom Kiesler (VfL Gummersbach), Matthes Langhoff (Füchse Berlin), Miro Schluroff (VfL Gummersbach)
Rückraum Mitte: Juri Knorr (Aalborg Handbold), Julian Köster (VfL Gummersbach), Nils Lichtlein (Füchse Berlin)
Rückraum rechts: Franz Semper (SC DHfK Leipzig), Renars Uscins (TSV Hannover-Burgdorf)
Rechtsaußen: Mathis Häseler (VfL Gummersbach), Lukas Zerbe (THW Kiel)
Kreis: Justus Fischer (TSV Hannover-Burgdorf), Johannes Golla (SG Flensburg-Handewitt), Jannik Kohlbacher (Rhein-Neckar Löwen)