Leipzig. Er muss für lange Zeit hinter Gitter: Nach der brutalen Vergewaltigung einer Joggerin im Rosental und weiterer schwerer Sexualstraftaten in Leipzig ist der Angeklagte Marcus L. (34) vom Landgericht zu einer Freiheitsstrafe von elf Jahren verurteilt worden. Die 6. Strafkammer legte ihm unter anderem besonders schwere Vergewaltigung, schwere sexuelle Nötigung und gefährliche Körperverletzung zur Last. „Viele Menschen wurden durch die Taten ins Unglück gestürzt“, sagte die Vorsitzende Richterin Katrin Seidel.
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Anfang November hatte der Prozess gegen den DHL-Manager begonnen. Die Anklage umfasste insgesamt fünf Sexualstraftaten. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit sagten die Opfer vor Gericht aus. Seit den Übergriffen leiden sie alle unter Angstzuständen.
Überfallene Joggerin war an Krebs erkrankt
Die schwerste Tat war im Verfahren auch die umstrittenste: Am 31. August 2017 gegen 9.20 Uhr soll Marcus L. in der Nähe des Zooschaufensters eine Hobbyläuferin (69) mit Faustschlägen zu Boden geprügelt und vergewaltigt haben. Durch Schläge und Tritte erlitt die zierliche Frau, die gerade eine Krebsbehandlung überstanden hatte, potenziell lebensbedrohliche Verletzungen. Ihr Gesicht wurde regelrecht zertrümmert. Sie musste notoperiert werden. Unter den Folgen wird sie ihr Leben lang leiden.
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In der polizeilichen Vernehmung hatte der Vater einer fünfjährigen Tochter den Übergriff auf die Läuferin eingeräumt, aber als eine Art Handgemenge dargestellt. Den Vorwurf der Vergewaltigung wies er zurück. Auch in seinem Brief an das Opfer war davon keine Rede. Er schäme sich für seine Tat und bereue sie zutiefst, hieß es in dem Schreiben. Damals habe er Drogen konsumiert und die Kontrolle verloren.
Viele Menschen wurden durch die Taten ins Unglück gestürzt.
Katrin Seidel
Vorsitzende Richterin
Die anderen Tatvorwürfe waren weniger strittig. Der Angeklagte habe gestanden, so die Richterin, seine Taten allerdings abgeschwächt und beschönigt. Am Morgen des 20. April 2016 soll er eine 37-Jährige, die am Nordstrand des Cospudener Sees nackt geschwommen war, sexuell genötigt haben. Am 1. März 2017 gegen 21.45 Uhr habe er in der Bernburger Straße in Leipzig-Eutritzsch eine Frau (59) zu Boden geschlagen, schwer verletzt und unsittlich berührt. Am 14. August 2017 gegen 6.30 Uhr soll der Angeklagte im Rosental einer Läuferin (43), von hinten in den Schritt gefasst und eine halbe Stunde später eine hochbetagte Rentnerin (82) zu Boden gerissen und an ihr manipuliert haben.
Hinzu kamen zwei eher untergeordnete Anklagepunkte. So habe er nach einer Betriebsfeier den Außenspiegel eines geparkten Autos abgetreten. Und am Schladitzer See soll er Badegäste bestohlen haben. Seltsam war hier der Umstand, dass auf einem BH im Rucksack eines Opfers Spermaspuren des Angeklagten gefunden wurden.
DNA-Spur nach Einbruch überführte Täter
Acht Jahre lang hatten Ermittler den Serienvergewaltiger gejagt. Bis Ende 2019 arbeitete eine Ermittlungsgruppe „Rosental“. Es gab eine Rasterfahndung und eine DNA-Reihenuntersuchung – ohne Erfolg. Schließlich half der Zufall: Am 9. Februar 2025 wurde Marcus L. bei einem Diebstahl in einem Baumarkt in Leipzig-Seehausen festgenommen. Das Ergebnis einer freiwilligen Speichelprobe: Ein Treffer in der DNA-Analysedatei – und die Aufklärung der fünf Sexualdelikte.
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Mit ihrem Urteil entsprach die Kammer dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung wollte eine Haftstrafe von acht Jahren und neun Monaten. Anhaltspunkte für eine verminderte Schuldfähigkeit aufgrund des Pillen- und Alkoholkonsums sah das Gericht nicht. Dies hatte zuvor auch der psychiatrische Gutachter ausgeschlossen. „Er tat dies, weil er es tun wollte“, befand der Sachverständige, „und ihn moralische Bedenken nicht abgehalten haben.“
LVZ