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Für Krötentunnel wurde die erst 2019 sanierte L 3025 auf einem Teilstück wieder aufgerissen. Foto: privatFür einen Krötentunnel wurde die erst 2019 sanierte L 3025 auf einem Teilstück wieder aufgerissen. © Evelyn Kreutz/Evelyn Kreutz

Die Amphibienschutzanlage auf der L3025 sorgt für Ärger. Kritiker bemängeln die Kosten und den falschen Zeitpunkt der Baumaßnahme bei Schmitten.

Seit 8. September ist die L3025 zwischen Schmitten und Niederreifenberg voll gesperrt. Dort baut Hessen Mobil auf einer Teilstrecke in Höhe der Bärenfichtenweiher Krötentunnel zum Schutz wandernder Amphibien. Abgesehen von genervten Verkehrsteilnehmern, die täglich die Umleitung über Seelenberg fahren müssen und dem Unmut der Seelenberger wegen der erhöhten Verkehrsbelastung, machen sich einige Bürger auch Gedanken über die Kosten und darüber, wer das Ganze bezahlt.

Siegfried Diehl aus Niederreifenberg hat zunächst bei Bürgermeisterin Julia Krügers (CDU) angefragt und erfahren: „Die Kommune hat mit dieser Maßnahme nichts zu tun. Folglich sind wir hier auch mit keinerlei finanziellen Mitteln beteiligt.“ Danach hat er Hessen Mobil angemailt und sich darauf berufen, dass Behörden des Landes verpflichtet sind, Umweltinformationen auf Antrag jedermann zugänglich zu machen. Diehl weiß auch, dass „Umweltinformationen“ ausdrücklich Maßnahmen oder Tätigkeiten umfassen, die sich auf Umweltbestandteile, zum Beispiel Tiere, Lebensräume, Boden und Landschaft auswirken können, sowie Angaben über Kosten, Finanzierung, Planung und Verwaltung solcher Maßnahmen.

Siegfried Diehl hat nachgeforscht

Inzwischen liegt Diehl die Antwort von der Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von Hessen Mobil vor. Demnach ist die Amphibienschutzanlage ein Teil des Amphibienschutzprogramms des Landes Hessen. Das Programm sei gemeinsam vom Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum (HMWVW) sowie vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) initiiert worden und werde durch Hessen Mobil umgesetzt.

Im Rahmen des Hessischen Amphibienschutzprogramms wurde das Büro Naturplanung mit der Planung beauftragt. Die technische Ausführungsplanung erfolgte durch Hessen Mobil. Diehl weiß nun auch, was die ganze Maßnahme gekostet hat. Laut Hessen Mobil schlägt die Gesamtmaßnahme mit rund 670 000 Euro zu Buche. Davon entfallen auf den Bau 611 539 Euro, auf Schutzeinrichtungen 45 214 Euro und auf die Verkehrssicherung 10 823 Euro. Außerdem erfuhr Diehl, dass die Finanzierung der Maßnahme vollständig durch das Land Hessen erfolgt, also weder Kreis oder Gemeinde an den Kosten beteiligt sind noch Fördermittel zur Verfügung gestellt werden.

Was Diehl besonders interessierte, war, warum die inzwischen fast abgeschlossene Maßnahme nicht bereits in den Jahren 2019 bis 2021 durchgeführt wurde. Damals habe Hessen Mobil nicht nur die Ortsdurchfahrt Niederreifenberg saniert, sondern auch in Richtung Schmitten auf dem Abschnitt der L3025 die Fahrbahn aufwändig erneuert. Hierzu schrieb Hessen mobil: „Die Planung für die Amphibienschutzanlagen dauerte bis 2025. Eine Realisierung der Anlagen war dementsprechend in den Jahren 2019 bis 2021 nicht möglich“.

Steuergelder verschwendet?

Nachvollziehbar ist das für Diehl zwar schon, aber verstehen kann er das nicht wirklich. Er sagte gegenüber der Presse: „Vielleicht wäre hier einmal ein Hinweis auf Steuerverschwendung notwendig. Entscheidungen in dieser Größenordnung sind einfach an den Pranger zu stellen.“ Ähnlich sieht das auch Bernhard Eschweiler, der von weit mehr als einer Million Kosten für diese zweite Maßnahme ausgegangen war. Für ihn sind aber auch 670 000 Euro aus Gründen der Verhältnismäßigkeit noch zu viel. Zumal die für die Krötenwanderung bereits vorhandene Röhren als Straßenunterführung aus seiner Sicht für deutlich kleineres Geld hätten saniert werden können. „Trotz der neuen Tunnel laufen am Ende doch wieder etliche Kröten über die Straße“, befürchtet er.