DruckenTeilen
Neue Sanktionen gegen russische Ölinteressenten zeigen Wirkung: Ein Ölunternehmen gibt dem Druck nach und stellt seinen Betrieb unerwartet ein.
Athen/Brüssel – Als Reaktion auf die jüngst verhängten EU-Sanktionen gegen die russische Wirtschaft hat ein Ölriese offenbar Konsequenzen gezogen. Wie mehrere griechische Medien berichten, hat der Mutterkonzern „Cetracore“ des griechischen Ölunternehmens „Jetoil“ seinen Betrieb eingestellt. Das Partnernetzwerk sei über den Schritt informiert worden. Details zum Zeitpunkt der Wiederaufnahme wurden nicht genannt. Zuletzt geriet Putin stärker unter Druck, Russland forderte von der EU eine Milliarden-Entschädigung für beschlagnahmtes russisches Geld.
Ölfirma gibt offenbar Sanktionsdruck nach – EU erhebt Vorwürfe gegen zwei Händler
In einer Stellungnahme gab Cetracore an, dass man so schnell wie möglich daran arbeite, einen Weiterbetrieb zu ermöglichen. Das Unternehmen sei in Abstimmung mit Rechtsberatern sowie mit den zuständigen nationalen und europäischen Behörden. Das berichtet unter anderem die Athener Zeitung Kathimerini.
Die Einstellung des Geschäfts wird als Reaktion auf die jüngst erlassenen EU-Sanktionen gedeutet. Erst am 15. Dezember 2025 hat die EU zwei russische Ölinteressenten auf die Sanktionsliste gesetzt. Es handelt sich dabei einmal um die Ölhändler Murtaza Lakhani und Etibar Eyyub. Ihnen wird vorgeworfen, Kremlchef Wladimir Putin bei der Umgehung westlicher Sanktionen zu helfen und mit russischem Öl zu handeln. „Insbesondere kontrolliert Murtaza Lakhani Schiffe, die Rohöl oder Erdölprodukte transportieren, die aus Russland stammen oder von Russland exportiert werden“, so der konkrete Vorwurf aus Brüssel. Lakhani wiederum soll Verbindungen zu Jetoil, also der griechischen Tochterfirma von Cetracore haben. Verifiziert wurde diese Information bislang nicht.
Sanktionen gegen die russische Wirtschaft lösen bei Ölfirmen offenbar Unruhe aus. © © IMAGO / SNA / ArchivbildRussland-Sanktionen haben Folgen: Ölhändler soll Putin geholfen haben
In einer Stellungnahme gegenüber Bloomberg kündigte er seinen Rücktritt seiner Unternehmenspositionen an. Die EU-Maßnahmen seien unbegründet, so der Ölhändler. Recherchen von Bloomberg belegten bereits im Jahr 2023, dass Lakhani Verbindungen zum russischen Ölgeschäft hatte. Er soll mit dem Rosneft-Chef ein Firmennetzwerk aufgebaut haben, um russisches Öl trotz Sanktionen an die Kunden zu liefern. Lakhanis Anwälte wiesen die Theorien vor zwei Jahren zurück.
Reuters zufolge ging Lakhani auch eine Partnerschaft mit dem führenden Ölhändler Vitol ein, um in eine fünfprozentige Beteiligung an Rosnefts größtem Ölprojekt “Vostok Oil“ zu investieren. „Dieses Land (Russland) ist das rohstoffreichste Land der Welt. Ihn zu schwächen, ist nur eine kurzfristige Folge und kein langfristiges Ziel für irgendjemanden. Sie werden Russland immer brauchen“, sagte Lakhani im Juni 2025 gegenüber SolovievLive.
EU und USA verhängen härtere Sanktionen gegen russische Wirtschaft, um Ölhandel zu erschweren
Die EU arbeitet kontinuierlich daran, den russischen Ölhandel durch Sanktionen einzuschränken. In den vergangenen Monaten rückten Ölkonzerne mit Verbindung zu Putins Netzwerk ins Visier, aber auch Reedereien, die die sogenannte russische Schattenflotte unterstützen. Die Schattenflotte umgeht im Auftrag Putins die westlichen Ölsanktionen (wie beispielsweise die EU-Preisobergrenze) und transportiert das russische Öl an die Handelspartner. Die Sanktionen zeigen Wirkung und schmälerten Putins Einnahmen aus dem Ölgeschäft, da sich immer mehr Käufer abwenden.
Auslöser für den Ausstieg aus dem russischen Ölhandel waren neben den EU-Sanktionen auch der Sanktionshammer des US-Präsidenten Donald Trump. Er verhängte Sanktionen gegen die großen russischen Ölkonzerne Rosneft und Lukoil und vertrieb wichtige Ölabnehmer wie Indien und China. Vor allem Indien schaut sich nach Alternativen um und will Putins Öl so schnell wie möglich ersetzen. (Quellen: Reuters, Bloomberg, Kathimerini ) (bohy)