Fotografen töten vom Aussterben bedrohten Frosch für das perfekte Bild

Indische Forscher untersuchten eine seltene Froschart in den Westghats. Nach dem Besuch mehrerer Fotogruppen sind die Frösche plötzlich nicht mehr aufzufinden.

Julian Wermuth Publiziert heute um 19:01 Uhr Ein schwarz-blauer Frosch mit leuchtend orangen Flecken sitzt auf Moos.

Eine Galaxie auf einem Frosch: Der Melanobatrachus indicus ist ein beliebtes Fotoobjekt – zum Leidwesen der Forschenden.

Foto: K. P. Rajkumar (Zoological Society of London)

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Eine Gruppe gefährdeter «Galaxienfrösche» wird vermisst und ist vermutlich tot. Der Bericht eines Forschers macht mehrere Fotografen dafür verantwortlich, die das Gebiet unbefugt betreten und die Mikrohabitate der Frösche für ihre Fotos zerstört haben sollen.

Der Melanobatrachus indicus ist von der Grösse eines Fingernagels, endemisch im indischen Gebirge der Westghats und steht auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten. Die Amphibie der Familie der Engmaulfrösche hat keinen offiziellen deutschen Namen, im Englischen bekam er im Volksmund den klingenden Namen «Galaxy Frog».

Die zahlreichen blauen Punkte auf dem Körper wiesen nicht wie manche vermuteten auf Gift hin, sondern seien wohl Teil eines ausgeklügelten Kommunikationssystems, erklärt K. P. Rajkumar, Forscher bei der Zoological Society of London.

Anfang 2020 entdeckte sein Team sieben dieser «magischen» Exemplare in einem Studiengebiet in den Westghats. Während fast zwei Jahren konnte das Forscherteam die Frösche aufgrund der Coronapandemie nicht beobachten. Als das Forscherteam jedoch zwischen August 2021 und Mai 2022 an den Untersuchungsort zurückkehrte, stellte es fest, dass die Baumstämme umgedreht und die umgebende Vegetation zertrampelt waren. Von den Fröschen habe jegliche Spur gefehlt, schreibt Rajkumar in einem wissenschaftlichen Artikel, der am 17. Dezember im Fachmedium «Herpetology Notes» erschien.

Gefallener Baumstamm auf einem bewachsenen Waldboden mit verschiedenen Pflanzen in einem dichten Wald.

Auf der Suche nach den Galaxienfröschen zerstörten Fotografen wohl das natürliche Habitat der kleinen Amphibien.

Foto: K. P. Rajkumar (Zoological Society of London)

«Der grosse, schöne umgestürzte Baumstamm, der dort lag, war komplett zerbrochen und fehl am Platz», sagte Rajkumar. Zunächst vermutete er Mungos hinter der Verwüstung, doch diese seien zu schwach, um einen liegenden Baum zu drehen. Dann erkundigte er sich bei Fährtenlesern aus der Region, ob sie in letzter Zeit Besucher gesichtet hätten. Dabei kam heraus, dass mehrere Fotogruppen die besagten Plätze nach den Fröschen abgesucht hätten.

Dabei hätten sie Baumstämme umgedreht und das natürliche Habitat der Tiere zerstört. Wenn die Fotografen sie fanden, fingen sie die Frösche ein und hielten sie für Fotos hoch. Dabei trugen sie jedoch keine Handschuhe, obwohl diese Tiere über ihre Haut atmen und unglaublich empfindlich sind. Einer der Fährtenleser erzählte Rajkumar, dass zwei dieser Frösche nach einem solchen unfreiwilligen Fotoshooting gestorben seien.

«Er sagte, sie würden das Tier zu einem schönen Hintergrund oder einen moosbewachsenen Baumstamm bringen, um das Foto zu machen, und das wieder und wieder, um bessere Fotos zu bekommen. An diesem Tag fingen sie fünf oder sechs Frösche, von denen zwei starben», erzählte Rajkumar dem «Guardian». Auch nach einer ausgedehnten Suche fand er keine Frösche mehr im Raster. Rajkumar fühlte sich «hilflos, ob dieser Ungerechtigkeit».

Unregulierte Fotografie gefährdet Arten

Eigentlich versuchen die Forstwartbeamten, solche Fotoreisen zu unterbinden. Aber durch den Einfluss von höheren Beamten – Politiker oder Richter, vermutet Rajkumar – gelangten Fotografen zu Bewilligungen solcher Reisen.

«Dieses traurige Ereignis ist eine deutliche Warnung vor den Folgen unregulierter Fotografie», sagte Rajkumar zu CNN. «Diese wunderschönen, aber seltenen Frösche sind einzigartig in unserem kleinen Teil des Universums, aber ohne sorgfältiges und verantwortungsbewusstes Management riskieren wir, dass sie für immer von der Erde verschwinden.» Er fügte an: «Richtig eingesetzt, kann die Fotografie ein grosser Gewinn für Naturschützer sein, um unser Verständnis für Bereiche wie die Verbreitung oder das Verhalten von Tieren zu verbessern – ausserdem können die entstandenen Bilder dazu beitragen, andere über diese unglaublichen Arten aufzuklären. Unverantwortliches Fotografieren kann diesen Gewinn jedoch in eine Gefahr verwandeln.»

Frösche in Gefahr

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Einloggen Julian Wermuth ist seit 2024 Online-Blattmacher und Newsredaktor beim Tages-Anzeiger. Er schreibt über aktuelle Nachrichten in den Bereichen International, Wirtschaft und virale Themen. Mehr Infos @JAWermuth

Eine Galaxie auf einem Frosch: Der Melanobatrachus indicus ist ein beliebtes Fotoobjekt – zum Leidwesen der Forschenden.

Foto: K. P. Rajkumar (Zoological Society of London)

Auf der Suche nach den Galaxienfröschen zerstörten Fotografen wohl das natürliche Habitat der kleinen Amphibien.

Foto: K. P. Rajkumar (Zoological Society of London)