Kiel. Das Durchhaltevermögen des Ortsbeirates Russee/Hammer/Demühlen hat sich gelohnt: Schon seit 2014 will das Gremium, dass die Spreeallee Fahrradstraße wird. Nun entschied die Ratsversammlung: Die Spreeallee soll ab der Kreuzung Rutkamp samt der abgehenden Sackgassen Britzweg, Kladowweg, Lankwitzweg und Wilmersdorfer Straße in eine „Fahrradzone mit der Freigabe für den Anliegerverkehr“ umgewandelt werden. Radler bekommen hier ab Frühjahr 2026 Vorrang vor den Autos.

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Nachdem die Ausweisung der Spreeallee als Fahrradstraße über Jahre gescheitert war, blieb der Ortsbeirat unter Vorsitz von Michael Frey (CDU) hartnäckig. Mit Erfolg: In der Juli-Sitzung kündigte die Radverkehrsbeauftragte Marla Wolframm an, dass man dank einer Änderung der Straßenverkehrsordnung in diesem Teil des Berliner Viertels eine zusammenhängende „Fahrradzone“ einrichten könne. Auf der beliebten Route von Russee in Richtung Innenstadt über Hassee seien die Radler bereits in der Mehrheit. Weit über 500 Zweiräder täglich wurden gezählt.

Fahrradzone in Russee: Räder dürfen nebeneinander fahren

Zunächst bietet eine Fahrradzone den schwächeren Verkehrsteilnehmern auf zwei Rädern mehr Sicherheit. Die Spreeallee wird in diesem Abschnitt sozusagen als „Radweg in voller Breite“ gelten. Radfahrer haben hier Vorrang und dürfen auch nebeneinander fahren.

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Autos und Motorräder müssen sich anpassen, es gilt Tempo 30, „Rechts vor Links“ sowie „Anlieger frei“. Gleichzeitig dürfen Autos weiterhin am Straßenrand parken. Lediglich in einer langgezogenen, schlecht einsehbaren Kurve fallen Parkplätze zugunsten der Verkehrssicherheit weg, heißt es im Beschluss der Ratsversammlung.

Bei mehreren Ortsterminen haben die Fachleute der Straßenverkehrsbehörde in dem Bereich Gefahrensituationen erkannt: Die Begegnungssituation von Autos untereinander sowie von Rädern und Autos sei in dem Kurvenabschnitt wegen der schlechten Sicht auf entgegenkommende Fahrzeuge kritisch. Außerdem seien Radfahrer durch sich plötzlich öffnende Autotüren („Dooring“) gefährdet, hieß es.

Dooring: Schutz vor öffnenden Autotüren

Deshalb sollen für die Fahrradzone Spreeallee ab Frühjahr 2026 nun folgende Maßnahmen greifen: Neben der Einrichtung eines etwa 50 Meter langen Halteverbotes in der Kurve sind auch gestrichelte Fahrbahn-Markierungen für Dooring-Zonen neben parkenden Autos geplant. Der Bereich wird als Fahrradzone ausgeschildert – als eine der ersten in Schleswig-Holstein nach Wedel und Lübeck.

Der Ortsbeirat wertete die positive Entscheidung der Ratsversammlung in seiner Weihnachtssitzung am Dienstagabend als überaus erfreulich für den Stadtteil. „Nun hoffen wir, dass die Fahrradzone auch zügig umgesetzt wird“, kommentierte der Vorsitzende Michael Frey.

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Immerhin sind auf der Spreeallee mehr Räder als Autos unterwegs, wie eine Verkehrszählung des Tiefbauamtes 2021 ergeben hat: Demnach fahren auf dem Abschnitt ab der Einbiegung Rutkamp in Richtung Hassee über 530 Radler pro Tag. Schon viele Jahre zuvor haben die „Fahrradfreunde Russee-Hammer“ gefordert, hier eine Fahrradstraße einzurichten. Das Tiefbauamt kündigte schließlich an, nach den Sommerferien 2022 solle die Spreeallee umgewidmet werden, da die Planungen abgeschlossen seien.

Doch dann dauerte es noch einmal drei Jahre, bis die Verwaltung eine rechtssichere Lösung in Form der Fahrradzone einwickelt hat. Denn von ablehnenden Anliegern war im Vorfeld bekannt geworden, sie behalten sich eine Klage gegen die Einrichtung einer Fahrradstraße vor. Mit der neuen Regelung ist die Stadt nun auf der sicheren Seite – ebenso wie die vielen Radfahrer auf der Spreeallee.

KN