Kira Weidle-Winkelmann nach der Abfahrt in Val d'Isère

Stand: 20.12.2025 12:09 Uhr

Erstmals seit drei Jahren fährt Kira Weidle-Winkelmann aufs Weltcup-Podest. Das steigert die DSV-Hoffnungen in der Olympia-Saison weiter.

Kira Weidle-Winkelmann faltete ihre Hände vor ihrem Kopf, sie riss ihre Augen weit auf – und wusste in diesem Moment im Ziel der Weltcup-Abfahrt: Hier in Val d’Isère war ihr der erste Fabellauf seit langer Zeit gelungen. Hier in Val d’Isère, das stand dann wenig später fest, sollte sie erstmals seit knapp drei Jahren wieder auf ein Weltcup-Podest fahren. Hier in Val d’Isère setzte sie die nächste schwarz-rot-goldene Ski-Alpin-Marke in dieser Saison.

Denn: Auch die so flinke Lindsey Vonn reihte sich in der Abfahrt am Samstag hinter der Athletin vom SC Starnberg ein. Vonn wurde am Ende Dritte im französischen Skiort nahe der italienischen Grenze, Weidle-Winkelmann fuhr auf den zweiten Rang – nur 0,26 Sekunden hinter der Österreicherin Cornelia Hütter. Ein starkes Zeichen in diesem Olympia-Winter.

Eine Woche mit Podestplätzen von Aicher und Weidle-Winkelmann

Nach Emma Aichers Sieg in der Abfahrt von St. Moritz und ihrem Podestplatz im Nachtslalom von Courchevel in der vergangenen Woche war nun Weidle-Winkelmann mit ihrem ersten Podestplatz seit Januar 2023 in Cortina d’Ampezzo dran, damals wurde sie Dritte.

Sie lächelte im Ziel, wirkte so gelöst wie lange nicht. Es bedeute ihr „sehr, sehr viel. Es war wirklich eine Durststrecke die letzten zwei Jahre“, sagte die 29-Jährige im ZDF. „Es war wirklich hart, vor allem auch letztes Jahr, mit einer sauverpatzten WM. Egal, was ich probiert habe, es hat einfach nicht hingehauen.“

Mit Kopfschütteln erreicht Weidle-Winkelmann das Ziel

Diesmal war die Probiererei dagegen von Erfolg gekrönt, diesmal hatte sich das Tüfteln gelohnt: Denn zwischen den Trainingsfahrten hatte sie ja noch ihre Skier gewechselt. So schaffte sie nach Rang sieben am Donnerstag im ersten Training den schnellsten Trainingslauf am Freitag. Dennoch schüttelte sie in der Abfahrt tags darauf dann erst einmal den Kopf, als sie das Ziel erreichte.

Das hatte seinen Grund: Weidle-Winkelmann war als Erste gestartet, sie wusste nicht, was ihre Zeit wert war. „Das Gefühl während des Fahrens war nicht so hundertprozentig gut. Es waren ein, zwei, drei kleine Fehler dabei im Mittelteil. Das ist auch der Teil, in dem die Conny einfach Zeit auf mich gut macht“, sagte sie. „Ich konnte 90 Prozent so fahren, wie ich mir das vorstelle.“ Was am Ende zeigt, wie viel Potenzial sie zu weiteren Topplatzierungen hat.

Vonn neun Hundertstelsekunden hinter Weidle-Winkelmann

Trotzdem musste die 29-Jährige eben bis zu Vonns Lauf warten, um Klarheit über ihre Fabelfahrt zu haben. Die US-Amerikanerin war als Achte die erste echte Weltklassefahrerin im Feld, sie war letztlich nach Führung bei der vorletzten Zwischenzeit am Ende neun Hundertstelsekunden langsamer als die Deutsche.

Den Schlüssel zu diesem Erfolg nach der langen Durstrecke sieht Weidle-Winkelmann übrigens in ihrer veränderten Einstellung zum Skifahren: „Ich habe für mich selber ein bisschen eine andere Herangehensweise gefunden: ein bisschen mehr Lockerheit, ein bisschen mehr Spaß an dem ganzen Sport“, erzählte sie. Manchmal wird das Schwere mit ein wenig Lockerheit so einfach …

Olympia-Abfahrt diesmal auf von Weidle-Winkelmann geschätzter Strecke

Wer das im Übrigen auch von Rennen zu Rennen beweist, ist die zweite Deutsche Emma Aicher. Sie reihte sich nach ihren Erfolgen zuletzt diesmal etwas weiter hinten auf Rang zehn ein. Für die 22-jährige Allrounderin war es aber bereits das zwölfte Weltcup-Rennen in dieser Saison, während Weidle-Winkelmann gerade einmal Nummer vier bestritt.

In all der Lockerheit und mit all dem Spaß, der in der Olympia-Saison dann im Februar natürlich auch zu einem Erfolg auf der von Weidle-Winkelmann so geschätzten Abfahrtsstrecke Olimpia delle Tofana in Cortina d’Ampezzo führen soll. Dort wurde sie ja nicht nur Dritte 2023, sondern auch WM-Zweite 2021.