Felde/Westensee. Sanfter Tourismus, Naturbildung und handfeste ökologische Taten: Diese Säulen sollen für die kommenden zehn Jahre die Entwicklung des Naturparks Westensee tragen. An dem unter breiter öffentlicher Beteiligung erarbeiteten Plan gibt es aber auch Kritik.
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Verträgt sich die Idee eines Naturparks mit Eingriffen, wie sie durch die Errichtung von Solarparks und Windkraft-Anlagen unvermeidbar sind? Alexandros Wensierski, der in Westensee als Vertreter der Wählergemeinschaft Lebendiges Dorf in der Gemeindevertretung sitzt, sieht zumindest einen Zielkonflikt zwischen erneuerbarer Energie und Landschaftsbild. Leider Gottes, so der Kommunalpolitiker, spiele dieses Thema aber im frisch verabschiedeten Naturparkplan 2035/36 überhaupt keine Rolle.
Mogelt sich der Naturpark-Verein Westensee ums Thema Windkraft herum?
Für Wensierski, der sich wiederholt ablehnend gegenüber Planungen für einen 60-Hektar-Windpark auf dem Gebiet der Gemeinde Westensee geäußert hat, hat die Abschlusspräsentation des Naturparkplans insofern einen „faden Beigeschmack“. Der Naturpark-Verein, der sich in seinen Grundsätzen zur nachhaltigen Entwicklung der Landschaft bekennt, „sollte sich bei Fragen von solch grundlegender landschaftlicher und ökologischer Bedeutung nicht heraushalten“, meint Wensierski.
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Klaus Langer, stellvertretender Vorsitzender des Vereins Naturpark Westensee – Obere Eider, sieht die Sache anders. „Wir mogeln uns überhaupt nicht drumherum, wir sind Realisten“, betont er. An den festgesetzen Vorrangflächen für Solar- und Windparks sei rechtlich kaum zu rütteln, außerdem findet Langer: „Man kann die Dinger mögen oder nicht, aber sie müssen irgendwo stehen.“
Im Binnenland tun wir uns gegenüber den Küstenregionen schwer
Klaus Langer, Verein Naturpark Westensee
Schon rein formal spielt der Verein nach Einschätzung von Langer, der für die Grünen viele Jahre ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Quarnbek war, keine wirklich wichtige Rolle. Anders als etwa ein ausgewiesener Nationalpark oder ein Naturschutzgebiet haftet nach seinen Worten am Naturpark Westensee keinerlei Schutzstatus. Man könne sich zwar zu Wind- und Solarparks äußern, der Effekt sei jedoch sehr überschaubar.

Einen Schwerpunkt will der Verein, der sein Strategiepapier mit etwa 30 Beteiligten und Interessierten auf Gut Emkendorf verabschiedete, dagegen auf den Tourismus legen. Für Klaus Langer ist das ein entscheidender Faktor in wirtschaftlicher Hinsicht, aber auch unter dem Aspekt, die Bemühungen um Naturschutz erlebbar zu machen.
Umweltbildung soll Schwerpunkt im Naturpark Westensee sein
„Im Binnenland tun wir uns gegenüber den Küstenregionen schwer“, gibt der Vereinsvize zu. Umso wichtiger ist es aus seiner Sicht, dass es gelungen ist, das Kieler Wirtschaftsministerium an Bord zu holen. Mehr geführte Wanderungen durch ökologisch wertvolle Gebiete werden laut Naturpark-Plan angestrebt, teilweise auch mit digitaler Unterstützung. Ein weiteres Ziel ist es, wiedervernässte Moore, ähnlich wie bereits in Dänemark praktiziert, mithilfe von Stegen begehbar zu machen. „Die Leute sollen sehen, was mit ihren Steuergeldern passiert“, meint Klaus Langer.
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Der zweite große Schwerpunkt des Naturparks Westensee soll die Umweltbildung sein. Naturpark-Kitas beziehungsweise -Schulen gibt es bereits in Blumenthal, Felde, Quarnbek und Melsdorf, zudem haben Vertreter zahlreicher weiterer Einrichtungen beim Verein angeklopft.
Der Haken dabei: Es fehlt an Personal und mithin an Geld, um diese Anfragen bedienen zu können. „Wir wollen den Schulen und Kitas nicht nur ein Etikett umhängen, sondern Inhalte bieten“, meint Langer.
Dass sich die Finanzen zum Besseren wenden, glaubt der stellvertretende Vereinsvorsitzende aber eher nicht. Staatliche Zuwendungen entwickeln sich nach seiner Befürchtung eher rückläufig. Und auch das Werben um private Sponsoren ist nach seiner Erfahrung ein sehr mühsames Geschäft.
Mehr Informationen unter www.nwoe.de
KN