Kiel. „Sie sind das Nonplusultra“, sagt THW-Kiel-Cheftrainer Filip Jicha über den SC Magdeburg, der den THW Kiel am Dienstagabend (19 Uhr, THW-Kiel-Liveticker auf KN-online.de) in einer restlos ausverkauften Getec-Arena empfängt. Droht den Zebras bei den Dominatoren aus dem Bördeland noch vor Heiligabend nach dem DHB-Pokal-Aus bei den Füchsen Berlin und dem Nach-dem-Schlusspfiff-Remis gegen die TSV Hannover-Burgdorf die dritte unschöne Bescherung binnen sechs Tagen?
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Für den THW Kiel kommt es dieser Tage knüppeldick. Ein Rückschlag jagt den nächsten. Jetzt fällt auch noch Elias Ellefsen á Skipagøtu für das Kracherspiel beim SC Magdeburg aus. Der Färinger zog sich am Sonnabend gegen die Recken eine Verletzung an der Wurfschulter zu und wird in diesem Kalenderjahr wie auch Bence Imre (Bauchmuskelzerrung) nicht mehr zur Verfügung stehen. „Elias war unglaublich gefährlich. Wir müssen seinen Ausfall jetzt mit dem verbleibenden Personal kompensieren“, sagt Jicha. „Wenn wir zwei, drei oder fünf Schläge bekommen, die uns in die Knie zwingen, stehen wir eben ein Mal mehr wieder auf.“
Doch es wird eine Herkulesaufgabe. Der SC Magdeburg dominiert – in Deutschland und in Europa. Seit 30 Spielen hat der amtierende Champions-League-Sieger in der Handball-Bundesliga nicht mehr verloren, zog souverän ins Finalturnier des DHB-Pokals ein und marschiert bislang verlustpunktfrei durch die Vorrunde der Königsklasse. Längst setzen die Elbstädter die Benchmark, die über mehrere Jahrzehnte sportlich die Kieler festlegten.
Acht Minuspunkte trennen den Spitzenreiter im Bundesliga-Ranking vom Tabellenfünften aus Kiel. Doch mittlerweile überflügeln die Magdeburger mit einem kolportierten Etat von mehr als 15 Millionen Euro den einstigen Branchenprimus auch wirtschaftlich.
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Wie also besiegt man Unbezwingbare? „Wir fahren mit großem Respekt, aber ohne Angst dorthin“, sagt THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi. Es sei keine einfache Konstellation nach den Rückschlägen der letzten Woche. „Die Frische hat nicht nur in den Beinen, sondern auch im Kopf gefehlt“, bekennt der Österreicher und fordert: „Es wird jetzt eine Willensleitung notwendig sein. Wir werden über die Grenzen gehen müssen.“
Seit dem 21. September kein Bundesliga-Auswärtssieg der Zebras
Der Rekordmeister kämpft gegen einen Negativlauf. Der letzte Auswärtssieg der Zebras in der Bundesliga (41:36 beim SC DHfK Leipzig) liegt bereits mehr als drei Monate zurück. Doch Hoffnung auf einen Auswärtscoup ziehen die Kieler aus der Vorsaison, als die Zebras alle drei Vergleiche mit dem SCM gewannen. „Die Abwehr war in allen drei Spielen der Schlüssel zum Erfolg“, erinnert Jicha, der in Magdeburg wieder auf Petter Øverby zurückgreifen kann. Und: „In den letzten Duellen mit dem SCM haben wir das zudem über eine gute Quote bei den Fernwürfen und das Zusammenspiel mit dem Kreis gelöst.“
„Drei Niederlagen in einer Saison bekommt man nicht so einfach aus dem Kopf“, setzt auch THW-Keeper Gonzalo Peréz de Vargas, der diese Serie noch als Zebra in spe verfolgte, auf einen psychologischen Trumpf gegen die Magdeburger. Und Lukas Zerbe fragt: „Warum sollte es nicht ein viertes Mal funktionieren.“
Sie schweben auf einer Welle. Egal, welcher Gegner kommt, sie bestimmen das Spiel.
Lukas Zerbe
Spieler THW Kiel
Zerbe kommt jedoch ins Schwärmen, wenn er über den SCM um die Topstars Omar Ingi Magnusson, Gisli Kristjansson und Felix Claar spricht: „Magdeburg hat nicht nur extrem gute Einzelspieler, sie spielen auch im Verbund überragend im Angriff. Sie schweben auf einer Welle. Egal, welcher Gegner kommt, sie bestimmen das Spiel.“
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Der Rechtsaußen lobt die Magdeburger Effektivität: „Sie erspielen sich viele hochprozentige Chancen, die sie eiskalt nutzen. Es gilt, hoch fokussiert in der Abwehr zu stehen.“ Neun Ballverluste im Tempospiel, wie gegen Hannover, dürfe man sich in der Getec-Arena nicht leisten, prognostiziert der 29-Jährige: „Wenn wir Magdeburg einfach Tore schenken, bricht es uns das Genick.“
„Sie sind top, top, top“, erklärt Pérez de Vargas. Kiels spanischer Torwart lobt die Automatismen und die Abgeklärtheit im Magdeburger Spiel: „Sie bleiben ruhig, wenn es mal eng wird. Die Erfolge der letzten Jahre haben ihnen großes Selbstvertrauen gegeben.“ Der SCM sei Favorit, aber die Zebras keinesfalls chancenlos: „Die Bundesliga ist krass, das haben wir gegen Hannover gesehen. Man kann gegen jede Mannschaft gewinnen, aber man kann auch gegen wirklich jedes Team Punkte abgeben.“
Kurz vor einem Punktverlust stand am Sonntag auch der SCM, doch der Tabellenführer rettete sich zu einem knappen 29:28 gegen Schlusslicht SC DHfK Leipzig. „Es hat uns gezeigt, dass wir nicht über das Wasser gehen können“, konstatiert SCM-Coach Bennet Wiegert, der nach dem Zittersieg von den SCM-Fans mit einer Choreografie für sein zehnjähriges Dienstjubiläum als Cheftrainer gefeiert wurde.
Mit Blick auf das Spiel gegen den THW sagt der 43-Jährige: „Das wird ein ganz anderes Spiel. Wir müssen Kräfte sammeln, den Kopf klar bekommen und Freude auf ein hochklassiges Handballspiel zweier sehr guter Mannschaften entwickeln.“ Wem also blüht am Dienstagabend eine unschöne Bescherung.
Vor dem Anpfiff Dienstag 19 Uhr
SC Magdeburg: Hernandez (?), Mandic, Portner – Musche, Claar, Kristjansson, Pettersson, Magnusson, Hornke, Jonsson, Weber, Lagergren, Mertens, Saugstrup, O’Sullivan, Bergendahl – verletzt/fehlend: Barthold, Zechel, Zehnder (Achillessehnenriss) – Trainer: Bennet Wiegert (43).
THW Kiel: Peréz de Vargas, Wolff – Duvnjak, Reinkind, Landin, Øverby, J. Dahmke, Laube, Johansson, Ankermann, R. Dahmke, Zerbe, Abdelhak, Bilyk, Pekeler, Nacinovic – verletzt: Ellefsen á Skipagøtu (Schulterverletzung), Imre (Bauchmuskelzerrung), Madsen (Knorpelschaden) – Trainer: Filip Jicha (43).
Schiedsrichter: Ramesh Thiyagarajah/Suresh Thiyagarajah (München/Köln) – Bilanz: 83 Spiele, 50 Siege für den THW, 7 Remis, 26 Niederlagen – Letzte Saison: 29:24 (in Magdeburg), 31:25 (in Kiel) und 29:28 (im DHB-Pokal-Achtelfinale in Kiel) für den THW – TV: Dyn überträgt ab 18.45 Uhr live – Anpfiff: Dienstag, 19 Uhr, in der Getec-Arena in Magdeburg.
KN