„Wir brauchen Grönland für die nationale Sicherheit“, sagte US-Präsident Donald Trump am Montag bei einer Pressekonferenz in Palm Beach im amerikanischen Bundesstaat Florida. Es gehe nicht um Mineralien oder Öl, davon hätten die USA selbst genug. Der US-Präsident verwies auf eine angebliche Präsenz Russlands und Chinas rund um die geostrategisch günstig gelegene Insel Grönland, die offiziell zu Dänemark gehört. „Wenn man sich Grönland ansieht, die Küste rauf und runter blickt, gibt es russische und chinesische Schiffe überall“, sagte Trump und wiederholte: „Wir brauchen es für die nationale Sicherheit. Wir müssen es haben.“

US-Präsident Donald Trump bei Rede in Mar-a-LagoAuf einer Pressekonferenz in Florida sprach US-Präsident Donald Trump über seine Ambitionen einer Übernahme GrönlandsBild: Alex Brandon/AP Photo/picture alliance

Trump hatte in den vergangenen Monaten wiederholt mit einer Übernahme Grönlands durch die USA gedroht und dabei auch die Anwendung von Gewalt nicht ausgeschlossen. Am Sonntag ernannte er den republikanischen Gouverneur des US-Bundesstaats Louisiana, Jeff Landry, zum Beauftragten für die rohstoffreiche Insel. Dieser bedankte sich im Onlinedienst X bei Trump und erklärte: „Es ist mir eine Ehre, Ihnen ehrenamtlich dabei zu dienen, Grönland zu einem Teil der Vereinigten Staaten zu machen.“

Dänemark bestellt US-Botschafter ein

Der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen sagte dem Sender TV2: „Das ist natürlich völlig inakzeptabel.“ Rasmussen kündigte an, in den kommenden Tagen US-Botschafter Kenneth Howery einzubestellen.

Die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen und der grönländische Ministerpräsident Jens-Frederik Nielsen reagierten mit einer gemeinsamen Stellungnahme: „Man kann nicht einfach ein anderes Land annektieren. Grönland gehört den Grönländern. Wir erwarten Respekt vor unserer gemeinsamen territorialen Integrität.“ Frederiksen schrieb im Social-Media-Dienst Instagram: „Es ist eine schwierige Situation, in die uns unsere lebenslangen Verbündeten bringen.“ Nielsen kommentierte auf Facebook: „Die Ankündigung ändert nichts. Wir entscheiden über unsere eigene Zukunft.“

Treffen der Regierungschefs Frederiksen und Nielsen aus Dänemark und GrönlandDie Premierminister von Grönland und Dänemark, Jens-Frederik Nielsen und Mette Frederiksen, im April 2025Bild: Mads Claus Rasmussen/Ritzau Scanpix/REUTERS

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident António Costa betonten im Onlinedienst X, territoriale Integrität und Souveränität seien „Grundprinzipien des Völkerrechts“. Diese seien „nicht nur für die Europäische Union, sondern für alle Nationen auf der Welt von wesentlicher Bedeutung. Wir stehen in voller Solidarität mit Dänemark und der Bevölkerung Grönlands“, erklärten sie.

Mehrheit der Grönländer wünscht sich Unabhängigkeit von Dänemark

Der Streit um Grönland war kurz nach Beginn von Trumps zweiter Amtszeit im Januar erneut aufgeflammt. Trumps Stellvertreter JD Vance besuchte Ende März den US-Militärstützpunkt Pituffik im Nordwesten Grönlands, was weithin als Provokation gewertet wurde. Ende August berichtete der dänische Fernsehsender DR, dass mindestens drei Trump nahestehende Mitarbeiter der US-Regierung versucht hätten, in Grönland Einfluss zu nehmen. Daraufhin bestellte Dänemark den Geschäftsträger der US-Botschaft ein.

Wie Donald Trump sich Grönland sichern will

To view this video please enable JavaScript, and consider upgrading to a web browser that supports HTML5 video

Trump hatte bereits in seiner ersten Amtszeit von 2017 bis 2021 den Willen zur Übernahme des Inselgebiets bekundet. Auf der größten Insel der Welt leben rund 57.000 Menschen. Seit 1979 ist Grönland in vielen Bereichen autonom, doch über Außen- und Verteidigungspolitik entscheidet weiterhin Dänemark. Laut einer Umfrage aus dem Januar bevorzugt eine deutliche Mehrheit der Grönländerinnen und Grönländer die vollständige Unabhängigkeit von Dänemark.

Grönland liegt geostrategisch günstig im Nordatlantik und im Arktischen Ozean zwischen Nordamerika und Europa. Zudem befindet sich die Insel auf direkter Strecke einer möglichen Raketenflugbahn zwischen Russland und den USA. Im Boden des weitgehend eisbedeckten und unbewohnten Landes lagern wertvolle Rohstoffe, die bislang kaum genutzt werden. Durch neu eröffnete Seewege infolge des Klimawandels ist das geostrategische Interesse an der Arktis seitens der USA, Chinas und Russlands zuletzt deutlich gewachsen.

pgr/se (afp, dpa, rtr)