Kiel. Es ist ein grauer Vormittag. Und dann noch Montag. Wer hat da Lust auf Punsch, Fettgebackenes, Burgunderschinken, Stollen oder allerlei Kunsthandwerk? Nein, übervoll ist es nicht an diesem 22. Dezember auf den Kieler Weihnachtsmärkten. Doch von toter Hose ist das Treiben weit entfernt.
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Ob man sich im Weihnachtsdorf auf dem Rathausmarkt umschaut, das Konsumverhalten um die große Pyramide auf dem Asmus-Bremer-Platz beobachtet oder die Stände entlang der Holstenstraße Richtung Galeria entlangspaziert: Das, was hier an Umsätzen fließt, darf man wohl als solides geschäftliches Grundrauschen bezeichnen.
Aber wie ist es insgesamt gelaufen, das Weihnachtsmarkttreiben im Wirtschaftsflautejahr 2025? Fragt man dies Standbetreiber Manfred Jipp, fällt die Antwort kurz und knackig aus: „Wir sind sehr zufrieden.“ Schwache Konjunktur, steigende Preise, angespannte Weltlage? Nein, darunter habe die Ausgabefreude der Menschen in Kiel nach seiner Beobachtung nicht spürbar gelitten.
Offensichtlich sind die Menschen entschlossen, sich die Weihnachtsstimmung auch von einem hartnäckigen Mix belastender Faktoren nicht vermiesen zu lassen. Doch auch Jipp, der unter anderem die Glühweinpyramide auf dem Asmus-Bremer-Platz unter seinen Fittichen hat und Mitglied im Weihnachtsmarktrat ist, sieht das Wetter in diesem Jahr als starken Verbündeten: „Das hat einen enormen Einfluss auf das Geschäft.“
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Weihnachtsmarkt auf Holstenplatz: „Es läuft erstaunlich gut“
Zufrieden ist auch Anna Heldberg vom Dresdner-Stollen-Stand auf dem Holstenplatz. Es ist das dritte Jahr, in dem die Verkäuferin hier im Einsatz ist. „Es läuft erstaunlich gut“, sagt sie und drückt einer Kundin Wechselgeld in die Hand.
Tatsächlich ist Anna Heldberg erstaunt, wie viel sie verkauft, wo doch bekanntlich alles teurer wird. Das Kilo original Dresdner Stollen kostet in diesem Jahr stolze 22 Euro, nochmals einen Euro mehr als 2024. Der Verkaufsschlager Mohnstriezel schlägt mit 17 Euro für 850 Gramm zu Buche, ein Aufschlag von 50 Cent.
Am Essen und Trinken wird kaum gespart. Aber der Verkauf von Sachartikeln verlief schwächer.
Harald Ortlepp
Organisator des Weihnachtsdorfes
Ja, viel Geld sei das, räumt die weißhaarige Frau ein. „Aber die Menschen sind nach wie vor bereit, Qualität zu honorieren.“ Das Gros der Standbesucher sortiert sie in die Kategorie „Wiederholungstäter“ – was natürlich lieb gemeint ist.

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Auch Ole Utech zeigt sich zufrieden mit dem Weihnachtsmarkt 2025. „Für uns läuft es gut, deutlich besser als im vergangenen Jahr“, sagt der Mitgründer des Eckernförder Start-ups Potatoez, das kulinarische Variationen rund um hausgemachte, frittierte Kartoffelbällchen feilbietet.
Die positive Entwicklung führt Utech zum einen auf den wachsenden Bekanntheitsgrad seines Unternehmens zurück, zum anderen aber auch auf das Wetter. Trockene Tristesse kann Weihnachtsmarktgäste kaum vom Geldausgeben abhalten. Regenwetter schon. Und davon gab es im vergangenen Jahr reichlich.
Kieler Weihnachtsmarkt: Hier geht es weiter
Nun ist Schluss mit dem Weihnachtsmarkt 2025. Fast zumindest. Eine Verlängerung gibt es auf dem Asmus-Bremer-Platz, wo die Stände rund um die Weihnachtspyramide (mit Ausnahme der Feiertage) noch bis Dienstag, 30. Dezember, jeweils bis 20 Uhr geöffnet bleiben. Das Riesenrad „La Noria“ am Bahnhof dreht sich noch bis Sonntag, 4. Januar, und das Stadtwerke-Eisfestival lädt bis Sonntag, 18. Januar, zum Eislaufen am Germaniahafen ein.
Mäßiger Betrieb herrscht an diesem Vormittag im Weihnachtsdorf auf dem Rathausplatz. Matti Boysen hat gerade nichts zu tun am bunten Stand von „Just Stars“. In zahllosen Form- und Farbvariationen hängen beleuchtete Sterne von der Decke des Standes oder liegen zusammengefaltet auf dem Verkaufstresen.
Leuchtende Sterne verkaufen sich abends am besten
Doch die kurzzeitige Ruhe vermag dem angehenden Design-Studenten die Laune nicht zu verderben. Da es sein erster Einsatz als Sternverkäufer ist, kann Boysen keinen Vergleich ziehen. Doch sein Fazit lautet: „Eigentlich läuft es ziemlich gut.“ Die große Stunde seiner Sterne kommt allerdings erst, wenn es dunkel wird: „Dann lassen sich die Menschen eher verzaubern.“
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Er sei wieder „glücklich“ mit diesem Markt, sagt Harald Ortlepp, Organisator des Weihnachtsdorfes auf dem Rathausplatz. Der Veranstalter spricht von einem insgesamt „ruhigen Verlauf“, was er vor allem positiv versteht: „Es gab so gut wie keine Zwischenfälle.“
Die Zahl der Besucher liegt nach seinen Angaben deutlich über dem Niveau des Vorjahres. Dem Wettergott sei Dank. Tatsache sei aber auch: „Die allgemeine wirtschaftliche Lage geht nicht spurlos am Geschäft der Händlerinnen und Händler vorbei.“ Am Essen und Trinken werde kaum gespart: „Aber der Verkauf von Sachartikeln verlief schwächer.“
Tatsächlich tote Hose herrscht um diese Zeit auf dem „Together Kiel“-Markt am Bootshafen. Dort öffnen die Stände mit ihrem veganen Schwerpunkt und einem auf ein eher jüngeres Publikum ausgerichteten Musikangebot erst um 15 Uhr. Doch auch dann trudelt das Publikum nur langsam ein. „Für so einen kleinen Standort jenseits der klassischen Weihnachtsmarkt-Routen ist es nicht leicht, Menschen anzulocken“, sagt eine junge Verkäuferin in einem Poffertjes-Stand. Dennoch sei sie ganz zufrieden.
Das Personal hier ist meist noch dicker eingepackt, als Kolleginnen und Kollegen an den etablierten Standorten: Anders als in der Fußgängerzone oder im Weihnachtsmarkt schützt hier nichts vor dem eisigen Fördewind. Umso mehr lockt gegen Abend das beheizte Partyzelt. Und wenn Holstein ein Heimspiel hat, tobt am Bootshafen auch schon früher der Bär.
KN