Dresden. Es ist der Albtraum jeder Familie: Einen Moment sieht man nicht hin und plötzlich ist das Kind verschwunden. So passierte es Ostern vor einem Jahr in der Sächsischen Schweiz in Rathen. Der kleine Jonas flitzte mit seinem Laufrad los und war weg. Es folgte eine neunstündige Suchaktion, bei der sogar ein Polizeihubschrauber über dem Nationalpark kreiste.
Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Der Fünfjährige wurde in der Nacht gefunden und konnte von seinen Eltern wieder in die Arme geschlossen werden. Die Heldin war Rettungshündin Blair. Sie fand die Fährte des Kindes und führte die Helfer an die richtige Stelle im Wald.
Suche von Vermissten in Wald und Flur
Solche kleinen Wunder vollbringen die Rettungshundestaffeln in Sachsen. Wer hier aktiv ist, macht es aus Passion und Überzeugung. So etwa Constanze Seitz, stellvertretende Staffelleiterin beim ASB-Regionalverband Dresden: Die 51-Jährige arbeitet in einer Anwaltskanzlei und führt Einsätze, zu denen die Polizei ihren Suchhund Ragnar hinzuzieht, ehrenamtlich durch. Genauso handhaben es die ein Dutzend weiteren Mitglieder der Staffel, die unter anderem in Radebeul, Königsbrück oder Hoyerswerda wohnen. „Wir haben alle Arbeitgeber, die uns unterstützen“, betont Seitz.
Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Wir können Leben retten und der Hund hat bei der Spurensuche Spaß. Das ist optimal.
Constanze Seitz
Rettungshundestaffel des ASB
Wenn Menschen sich beim Pilzesammeln verlaufen oder durch eine Notlage im unwegsamen Gelände vermisst werden, dann werden gute Spürnasen wie Ragnar gebraucht. Seit knapp zwei Jahren ist der Weimaraner ein geprüfter Rettungshund.
Das Zertifikat kommt nicht von ungefähr. Die ASB-Rettungshundestaffel trifft sich zweimal in der Woche zum Training. Zum einen müssen die Hunde alle nötigen Umgangsregeln mit Fremden draufhaben, zum anderen sich sicher über Stock und Stein bewegen können. Für letzteres werde auch mal in einem Steinbruch oder einem verlassenen Hotel trainiert, wie Seitz erklärt. Regelmäßig aber läuft das Gerätetraining auf dem Gelände des ASB in Dresden. Dann werden Tunnel und Hindernisse für den Parcours aus der Garage geholt.

„Wir brauchten ganz dringend noch eine Wippe“, berichtet Hanna Wagner, die sich um die ehrenamtlichen Tätigkeiten beim ASB kümmert. „Mit der Hundewippe können die Hunde trainieren, sich über instabilen Untergrund zu bewegen.“ Dann sei das Kippeln für sie keine Überraschung mehr und sie könnten sich besser auf das Aufspüren der Vermissten konzentrieren.
Lions Club Radebeul spendet
Diese Wippe gab es nun überraschend vom Radebeuler Lions Club. Finanziert wurde das knapp 700 Euro teure, DIN-genormte Gerät aus Österreich mit Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Es sei das erste Mal, dass man eine Rettungshundestaffel finanziell unterstütze, bestätigte der Präsident vom Lions Club, Thomas Rohe. Beeindruckt habe ihn, wie die Staffelmitglieder ihre Freizeit für die Vermisstensuche hergeben.
Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Rettungshund Ragnar ist für die Vermisstensuche ausgebildet und zertifiziert. Der Weimaraner trägt bei Einsätzen eine Kenndecke mit LED-Lampe und Glocke. Nachts bekommt er sogar ein kleines Scheinwerferlicht ans Halsband. Ausgebildete Hunde wie Ragnar können durch ihren hervorragenden Geruchssinn eine Suchkette von bis zu 50 Menschen ersetzen. Für Constanze Seitz ist die Zeit mit ihrem Hund beim ASB eine tolle Kombination aus Freizeit und Mission. „Wir können Leben retten und der Hund hat bei der Spurensuche Spaß. Das ist optimal.“
DNN