Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, warnte in seiner Weihnachtspredigt vor Nationalismus. In der heutigen Welt, in der alles mit allem zusammenhänge, könne man sich nicht abschotten, sagte der katholische Geistliche nach vorab verbreitetem Redetext im Limburger Dom. „Wohin führt denn am Ende der neue egoistische Nationalismus mit seiner Parole des ‚Wir zuerst‘?“ Die Weihnachtsbotschaft von einem Gott als wehrlosem Kind sei eine „echte Alternative zu den Muskelspielen der Mächtigen“, sagte Bätzing.
Wiesemann: Demokratie gibt Schwachen eine Stimme
Aufstehen gegen Nationalismus und echte Anteilnahme für Leidende, das ist für den Sperer Bischof Karl-Heinz Wiesemann ein Kern der Weihnachtsbotschaft. Sich unermüdlich für Dialog, für Versöhnung auch über tiefste Hassgrenzen hinweg einsetzen und sich nicht durch den Hass und die Arroganz der Macht beeinflussen lassen, das sei der Weg Gottes, den er an Weihnachten begonnen habe. „Das ist wahre Stärke“, so Wiesemann. „Unsere Demokratiegeschichte hat uns die längste Friedenszeit der ganzen jüngeren Menschheitsgeschichte beschert.“ Die Stärke der auf einer Demokratie aufgebauten Gesellschaft bestehe darin, dass auch die Schwachen, Verwundeten und Ausgegrenzten eine Stimme haben, dass die Unantastbarkeit der Würde jedes Menschen oberster Leitsatz ist.“
Kohlgraf: „Gutes ist stärker als das Böse“
Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf rief dazu auf, den Sinn des Lebens in kleinen Alltagsaufgaben statt im Großen und Komplizierten zu suchen. „Wer Weihnachten feiert, erkennt auch den tieferen Sinn christlicher Nächstenliebe“, sagte Kohlgraf laut Redemanuskript im Mainzer Dom. Gläubige Menschen trügen keine rosarote Brille – Lüge und Hass, Krankheit und Tod würden gesehen. Doch gelte die Überzeugung, dass „das Gute stärker ist als das Böse“.
Ackermann ruft zum Staunen auf
Der Trierer Bischof Stephan Ackermann hat dazu aufgerufen, das Staunen nicht zu verlernen. Staunen sei auch „ein wichtiges Gegenmittel gegen das, was uns oft genug im Alltag überkommt: Erschrecken“, sagte Ackermann laut Predigttext im Pontifikalamt am ersten Weihnachtstag im Trierer Dom. Staunen meine „eine Begeisterung und eine Bewunderung, die weit über ein schlichtes Sich-Wundern“ hinausgehe, sagte Ackermann weiter. Je mehr Menschen sich dieses Staunen bewahren würden, „umso mehr wächst die Chance, dass Weihnachten nicht bloß ein gefühlvolles Fest bleibt, sondern sich spürbar positiv in unserem Alltag auswirkt“.
Wüst sieht in Weihnachten „Trotzreaktion der Hoffnung“
Die Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche der Pfalz, Dorothee Wüst, sieht in Weihnachten auch eine Haltung, die durch das ganze Jahr begleite. Diese könne „eine Art Trotzreaktion der Hoffnung“ sein, sagte Wüst in der Gedächtniskirche in Speyer. Der nicht enden wollende Strom schlechter Nachrichten werfe Schatten in viele Seelen. Gott entzünde aber sein Licht dort, wo es dunkel ist. Dieses Licht gebe die Hoffnung, „dass es gut werden kann“.