Berlin – Klingt erstmal gut: Die schwarz-rote Bundesregierung will die Luftverkehrsteuer senken. Ab 1. Juli 2026 wird die letzte Erhöhung aus dem Mai 2024 zurückgenommen. Rund 350 Millionen Euro Entlastung für die Branche könnte dies bringen. Doch profitieren davon auch die Passagiere?
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (57, CDU) bleibt zurückhaltend. Auf die Frage nach günstigeren Preisen sagt er: „Die Absenkung der Luftverkehrsteuer dient dazu, den Standort wettbewerbsfähiger zu machen, um überhaupt wieder ein ernst zu nehmender Mitspieler zu werden. Das ist das Hauptziel der abgesenkten Luftverkehrsteuer.“
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (57, CDU)
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Die Airlines entschieden selbst, welche Angebote sie machten. Für die Politik zähle vor allem eines: „Für uns ist wichtig, dass sie in Deutschland bleiben und ihre Flugzeuge hier stationieren sowie im Interesse des Wirtschaftsstandorts Deutschland und der Fluggäste, ein verlässliches Streckennetz von und zu deutschen Flughäfen sicherstellen“, sagt Schnieder im Interview mit der Funke Mediengruppe.
Der Minister verweist auf ein klares Problem: Deutschland hinkt hinterher. Beim Passagieraufkommen liege man erst bei 90 Prozent des Vor-Corona-Niveaus, andere Länder dagegen schon bei 110 Prozent. Schnieder bringt es auf den Punkt: „Heißt: Es werden keine Flüge eingespart, sie finden nur woanders statt.“
Unions-Verkehrsexperte Stephan Stracke (51, CSU) machte bereits vor Wochen Druck. In BILD forderte er die Airlines auf, schon vor der Steuersenkung die Ticketpreise zu senken, damit Urlauber im Sommer 2026 entlastet werden: „Am besten wäre eine Preissenkung schon vor der Steuersenkung am 1. Juli 2026. Dann würde bereits der nächste Sommerurlaub günstiger. Das wäre nicht nur ein gutes Signal für Familien, die auf die Sommerferien angewiesen sind, sondern würde auch den Luftverkehr pushen. Vor allem von der Lufthansa erwarte ich zudem, dass sie ihr Flugangebot überprüft und gestrichene Verbindungen zurücknimmt.“ Die Realität klingt nun allerdings anders.