Briefe, Fotos und persönliche Erinnerungsstücke: Das Familienarchiv des expressionistischen Malers Alexej von Jawlensky ist ins Museum Wiesbaden gezogen. Übergeben von seiner Enkelin, sollen Teile des Bestands ab 2027 öffentlich zu sehen sein.

Sieben Menschen in Kleidung der 1920er Jahre Arm in Arm

Alexej von Jawlensky inmitten seiner Freunde, von links nach rechts: Paula Cholin, Max Reuter, Tony Kirchhoff, Alexej von Jawlensky, Tiny Reuter, Fritz Reuter, Mieze Kirchhoff. Parkanlage Warmer Damm, 1924.
Bild © Privatarchiv Kirchhoff / Nachlass Mieze Binsack

Audiobeitrag

Audio

00:28 Min.|26.12.25

Bild © hessenschau.de|
zur Audio-Einzelseite

Ende des Audiobeitrags

Das Familienarchiv des bedeutenden expressionistischen Malers Alexej von Jawlensky ist vom schweizerischen Locarno/Muralto ins Museum Wiesbaden umgezogen. Bereits im Oktober seien insgesamt 110 Umzugskartons in das Museum überführt worden, teilte das Museum am Freitag mit. Dort wird das Archiv künftig als „Forschungsarchiv Alexej von Jawlensky“ fortgeführt.

Mitglied der Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“

Die Enkelin des Malers und Leiterin des Familienarchivs in der Schweiz, Angelica Jawlensky Bianconi, hatte den Umzug bereits im September 2021 angekündigt. Der in Russland geborene Jawlensky (1864–1941) lebte die letzten 20 Jahre seines Lebens in Wiesbaden.

Er war Mitglied der expressionistischen Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“, die 1911 von Wassily Kandinsky und Franz Marc gegründet wurde, um neue, geistige Kunstformen zu erforschen.

Wertvolle persönliche Dokumente und Fotos

Der damalige Bundespräsident Joachim Gauck im Museum Wiesbaden im Jahr 2014 neben einem Selbstbildnis Alexej von Jawlenskys aus dem Jahre 1912.

Der damalige Bundespräsident Joachim Gauck im Museum Wiesbaden im Jahr 2014 neben einem Selbstbildnis Alexej von Jawlenskys aus dem Jahre 1912.
Bild © picture alliance / dpa | Arne Dedert

Das Archiv umfasst nach Angaben des Museums eine Vielzahl von Korrespondenzen mit befreundeten Künstlerinnen und Künstlern – von Kandinsky bis Kerkovius –, die „Lebenserinnerungen“ sowie für die Provenienzforschung besonders wertvolle historische Gemäldelisten, Werkaufnahmen und Adressbücher.

Darüber hinaus werden darin neben einer umfangreichen kunsthistorischen Bibliothek originale Fotografien, Urkunden, Möbel sowie persönliche Gegenstände des Künstlers bewahrt, darunter Reisepässe, die in vielen Gemälden Jawlenskys auftauchenden Vasen oder die bunten Seidenfliegen des stets elegant auftretenden Künstlers.

Eine Ausstellungsbesucherin steht mit dem Rücken zur Kamera. Sie betrachtet zwei vor ihr hängende Frauenportraits des Malers von Jawlensky.

Die Arbeiten „Mädchenhaft“ (1913, l) und „Mosaic“ (1913) von Alexej von Jawlensky bei einer Ausstellung in Halle/Saale.
Bild © picture-alliance/dpa | Hendrik Schmidt (Archiv)

Archiv soll 2027 öffentlich gezeigt werden

Der Werkkomplex von Alexej von Jawlensky, der von 1921 bis zu seinem Tod 1941 in Wiesbaden lebte, bildet einen zentralen Sammlungsschwerpunkt des Museums Wiesbaden. Mit insgesamt 111 Werken, darunter Hauptwerke aus allen Schaffensphasen, ist die Sammlung nach Angaben des Museums die weltweit bedeutendste des Künstlers.

Im Jahr 2027 soll die Jawlensky-Sammlung neu präsentiert werden. In diesem Zusammenhang sollen auch Teile des Archivs erstmals öffentlich gezeigt sowie wissenschaftlich zugänglich gemacht werden.

Redaktion:
Anikke Fischer

Sendung:
hr INFO,

26.12.25, 13:00 Uhr

Quelle: hessenschau.de, epd