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Kardinal Marx las aus dem Weihnachtsevangelium und nahm sich auch Zeit für Gespräche mit den Obdachlosen. © Hofbräuhaus
Ein Fest für 600 Münchner, die es im Leben mehr als schwer haben: Im Hofbräuhaus gab es an Heiligabend eine Weihnachtsfeier für obdachlose Menschen.
Einmal so richtig die Sorgen, die Kälte, den Hunger, die Scham vergessen und es sich gut gehen lassen. Ein paar Stunden ohne Kummer, dafür mit Speis und Trank, Unterhaltung, Musik und Gesang. Für rund 600 Münchner, denen das Leben übel mitgespielt hat, wurde das nun wieder wahr – mittlerweile zum 75. Mal. Zu verdanken haben die Frauen und Männer dies dem Katholischen Männerfürsorgeverein, dem Hofbräuhaus und 100 freiwilligen Helfern.
Heiligabend im großen Festsaal vom Hofbräuhaus: Serviert werden Bier und alkoholfreie Getränke, Ochsenfleischpflanzerl mit Kartoffelpüree und Gemüse – und Livemusik von „The Holly Rocks“. Mitsingen ausdrücklich erlaubt. Harmonie also allüberall, findet auch Simone. Sie ist eine der freiwilligen Bedienungen und schon das neunte Mal mit dabei. „Für mich beginnt Weihnachten, wenn ich im noch leeren, geschmückten Saal stehe und den Christbaum anschaue“, sagt die Münchnerin. Ihr Mann arbeitet in der Küche mit. „So viele Menschen freuen sich, dass sie hier sein können – das ist einfach ein schönes Gefühl.“ Für 2026 wünscht sie sich, dass die Stimmung im Land etwas ruhiger wird, dass die Ängste und Sorgen weniger werden als heuer.
Strahlende Gesichter im Hofbräuhaus an Heiligabend. © Hofbräuhaus
Ängste und Sorgen – davon kann Franz-Josef ein Lied singen. Er lebt seit zehn Jahren auf der Straße und hat sein restliches Hab und Gut auf einem Friedhof deponiert, wo er seitdem übernachtet. Das ist geduldet, sagt er. Seit knapp elf Jahren ist der gelernte Bäcker trocken. „Aber wenn du von der Straße kommst, hast du keine Chance mehr auf eine Anstellung. Du kommst nicht mehr rein in die Gesellschaft.“ Die Heiligabend-Feier im Hofbräuhaus findet er „wichtig“ und schön. „Hier gibt es etwas zu essen, hier kann man mit anderen reden.“
Walter lebt von 905 Euro Rente und erhält 240 Euro Wohngeld – er ist nicht obdachlos, aber muss heftig kämpfen. „München ist von den Kosten her für mich katastrophal“, sagt er. Und hofft, dass er in seinem Apartment bleiben kann, wenn die Vermieterin die Wohnung verkauft. Sein Wunsch: „Gesundheit, die ist das Wichtigste.“ Grad vor Weihnachten habe es ihn „an den Nieren erwischt“, sagt er. „Ich weiß nicht, wie ich liegen soll.“
Obdachloser Franz-Josef bei der Weihnachtsfeier im Hofbräuhaus. © Hofbräuhaus
Auch für Walter sind die Stunden an Heiligabend mit einem köstlichen Essen, Getränken und Gesellschaft ein Segen. Passend dazu war auch Kardinal Reinhard Marx da, las aus dem Weihnachtsevangelium und hielt eine Rede für die 600 Gäste. Michael Auer von der Geschäftsleitung des Katholischen Männerfürsorgevereins (kmfv): „Unsere Gäste sollen einen festlichen und besinnlichen Abend genießen, Gemeinschaft erfahren und spüren, dass sie Teil unserer Gesellschaft sind – und das an einem so zentralen Ort wie dem Hofbräuhaus.“
Die Feier wurde durch Spenden u. a. der Mitglieder des kmfv sowie durch Zuschüsse des Erzbischöflichen Ordinariats der Erzdiözese München und Freising und der Landeshauptstadt München ermöglicht. Zudem unterstützen das Staatliche Hofbräuhaus und die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) die Veranstaltung. Auf ein friedliches 2026!
Gäste und freiwillige Helfer hatten eine glückliche Zeit. © Hofbräuhaus