Der Kyjiwer Gouverneur Mykola Kalaschnyk und Bürgermeister Vitali Klitschko betonten, bei den Angriffen habe Russland erneut Drohnen und Raketen eingesetzt. Neben einem Toten seien auch mindestens 20 Menschen verletzt worden. Offensichtlich hatte es das russische Militär auf die Infrastruktur der ukrainischen Hauptstadt abgesehen. In 2600 Wohngebäuden sowie hunderten Kindergärten, Schulen und anderen sozialen Einrichtungen fiel die Heizung aus.
Nur noch eine Ruine ist dieses Wohnhaus in Kyjiw nach den Attacken am frühen SamstagBild: Valentyn Ogirenko/REUTERS
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte im Onlinedienst X, die russischen Angriffe mit fast 500 Drohnen und 40 Raketen zeigten, dass die Russen „den Krieg nicht beenden“ wollten, sondern lieber „jede Gelegenheit nutzen, um der Ukraine noch größeres Leid zuzufügen und ihren Druck auf andere in aller Welt zu erhöhen“. Selenskyj ergänzte, es habe nicht nur neue Angriffe auf Kyjiw, sondern auch auf weitere Städte der Ukraine gegeben. Im ganzen Land sei Luftalarm ausgelöst worden.
Polen schließt zwei Airports
Wegen der schweren russischen Luftangriffe auf die Ukraine hat Polen in der Nacht zu Samstag aus Sicherheitsgründen vorübergehend zwei Flughäfen geschlossen. Das teilte die nationale Flugsicherungsagentur Pansa auf der Plattform X mit. Betroffen waren die Flughäfen in Rzeszow und Lublin, die beide nahe an der Grenze zur Ukraine liegen.
Das Oberkommando der polnischen Streitkräfte hatte schon zuvor bekanntgegeben, dass Kampfflugzeuge der polnischen Luftwaffe gemeinsam mit jenen von NATO-Verbündeten aufgestiegen seien, um den Luftraum Polens zu schützen. Es habe allerdings keine Luftraumverletzungen gegeben. Dass Polen seine Kampfflugzeuge aufsteigen lässt, wenn Russland grenznahe Regionen der Ukraine aus der Luft angreift, gilt als Routinemaßnahme. Gewöhnlich werden deshalb aber nicht zugleich polnische Flughäfen geschlossen.
Selensky reist zu Gesprächen nach Florida
Die neuen russischen Angriffe erfolgten einen Tag vor dem geplanten Treffen des ukrainischen Staatschefs Selenskyj mit US-Präsident Donald Trump in Florida. Auf Trumps privaten Anwesen Mar-a-Lago wollen die beiden am Sonntag den US-Plan zur Beendigung des Ukraine-Kriegs besprechen.
Am Sonntag beraten der ukrainische Präsident Selenskyj (l.) und US-Präsident Donald Trump (r.) ein weiteres Mal, wie der russische Angriffskrieg gestoppt werden kann (Archivbild)Bild: Julia Demaree Nikhinson/AP Photo/picture alliance
Im Mittelpunkt der Gespräche mit Trump steht Selenskyj zufolge die Frage, welche Gebiete die Ukraine der Kontrolle Russlands überlassen soll. Dies gilt als größte Hürde für ein Friedensabkommen zwischen der Ukraine und Russland. Der russische Präsident Wladimir Putin fordert unter anderem den gesamten Donbass im Osten der Ukraine für sein Land.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen will noch an diesem Samstag an einer Telefonkonferenz mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj teilnehmen. Zu dem Gespräch sind neben der EU-Kommissionspräsidentin mehrere europäische Staats- und Regierungschefs geladen.
haz/pg (afp, dpa, rtr)
Wiederaufbau der Ukraine – schon jetzt im Fokus
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