Keine Beziehung zwischen zwei Ländern hat eine ähnliche Tragweite für die Zukunft wie der Konflikt zwischen den Supermächten USA und China. Die
als Herausforderung für den Status Quo und die liberale Weltordnung. Auch wird
in den Vereinigten Staaten zunehmend als Gefahr für die eigenen Interessen und die US-amerikanische Vormachtstellung in der Welt wahrgenommen. China dagegen sieht sich selbst als Großmacht und setzt auf eine multipolare Weltordnung, in der Großmächte ihre gegenseitigen Sicherheitsinteressen respektieren. Der Konflikt spitzt sich seit Längerem zu: Während China zunehmend mit
postiert, versuchen die USA, die chinesische Entwicklung mit Handelsbeschränkungen zu verlangsamen.
orientiert sich daher daran, Abhängigkeiten vom Ausland zu reduzieren. Unter der
hat sich besonders der Handelskonflikt der beiden Staaten zugespitzt.
Die Volksrepublik China wurde von den USA erst im Jahr 1972, nach Präsident Nixons Besuch in China, offiziell anerkannt. Bis dahin unterhielten die USA diplomatische Beziehungen zu Taiwan, das als Republik Chinas auch noch bis 1971 offizieller Vertreter Chinas bei den Vereinten Nationen war. Im Jahr 2000 wurde in den USA der U.S. China Relations Act verabschiedet und die Handelsbeziehungen normalisierten sich. Ein Jahr später trat China der Welthandelsorganisation (WTO) bei. Mit dem sogenannten Pivot to Asia verlegten die USA größere Teile ihrer Flotte in die Region und begannen Verhandlungen über das transpazifische Partnerschaftsabkommen (TPP), das China nicht einschloss. Das Abkommen scheiterte schließlich nach dem Rückzug von Donald Trump, der zwei Jahre nach Beginn seiner Amtszeit einen Handelskrieg mit China und anderen wirtschaftlichen Partnern der USA begann. Die Beziehungen verschlechterten sich seitdem. Der Konflikt zwischen der Volksrepublik und den USA spielt sich auf verschiedenen Ebenen ab. In den USA gibt es einen fast überparteilichen Konsens darüber, dass China der größte außenpolitische Feind der Vereinigten Staaten ist. China sieht sich von den US-Militärbasen eingekreist und in seiner Entwicklung hin zu einem modernen Industriestaat gehindert. Wirtschaftlich stehen besonders der Handelskonflikt, aber auch der Wettstreit um moderne Technologien im Fokus. Politisch gibt es Konflikte um Rohstoffe und Navigationsfreiheit im Südchinesischen Meer und den ungelösten Konflikt um Taiwan. Potenzial für eine Eskalation herrscht in vielen Bereichen.
Ein Ringen um Macht und Einfluss in Asien
Sowohl die Vereinigten Staaten als auch China gehören zu den mächtigsten Staaten der Welt. Beide Staaten sind Atommächte, gerade die Volksrepublik modernisiert in den letzten Jahren ihre Atomstreitkräfte. Die USA gehen davon aus, dass sich die Anzahl der chinesischen Nuklearsprengköpfe in den kommenden Jahren deutlich vergrößern wird. Im Zusammenspiel von hard power (wirtschaftliche und militärische Stärke) und soft power (Vorbildfunktion und Attraktivität der nationalen Werte) haben die USA global gesehen derzeit noch einen Vorteil. Der Konflikt spielt sich aus sicherheitspolitischer Sicht jedoch hauptsächlich in der Region Asien-Pazifik ab. Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten sprechen vom Indopazifik. Die Region umfasst alle Staaten in Ostasien, Südostasien und Südasien sowie die USA, Australien und Neuseeland.
Der Asia Power Index des australischen Lowy Instituts versucht, die Machtbalance in der Region zu messen. Die USA und China sind dabei klar die mächtigsten Länder in Asien. Obwohl beide Länder die einzigen Supermächte in der Region sind, liegen die Vereinigten Staaten noch deutlich vor China im Ranking. Die USA haben dabei im direkten Vergleich der Machstellung in Asien in fast allen Kategorien einen Vorsprung. Die Volksrepublik hat lediglich den höheren diplomatischen Einfluss in der Region und ausgeprägtere wirtschaftliche Beziehungen in der Region über Handel und Freihandel. Ein Vergleich der grundsätzlichen militärischen Fähigkeiten lohnt sich an dieser Stelle. Die Militärausgaben von China sind analog zum BIP in den vergangenen Jahren stark gestiegen, im Jahr 2024 haben sie aber kaum mehr als ein Drittel der Militärausgaben der USA, die 2024 rund 997,3 Milliarden US-Dollar betragen. Die Militärausgaben der USA pro Kopf haben im Jahr 2024 bei rund 2.440 US-Dollar gelegen, während Chinas bei rund 221 US-Dollar je Einwohner:in gelegen haben. Im direkten Militärvergleich von China und den USA ist die Volksrepublik zahlenmäßig den USA in einigen Bereichen überlegen, jedoch ist der technologische Vorsprung der Vereinigten Staaten derzeit noch groß. Dennoch holt China besonders in den Bereichen Luftwaffe und ballistische Raketen schnell auf und verfügt bereits über Fähigkeiten wie Tarnkappenflugzeuge und Hyperschallgleiter.
Wirtschaftliche Dimension – Handelskrieg und Exportkontrollen
Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den USA und China sind trotz erhobener Zölle weiterhin ausgeprägt. China profitierte in der Vergangenheit durch den wirtschaftlichen und menschlichen Austausch. Wirtschaftliche Entwicklung ist ein Kerninteresse der Volksrepublik, während die Vereinigten Staaten besonders den technologischen Fortschritt Chinas mit Sorge betrachten. Technologischer Fortschritt befeuert nicht nur wirtschaftliches Wachstum, sondern auch militärischen Fortschritt. In China heißt die Strategie Civil-Military Fusion, aber auch in den USA wird eine duale Nutzung von Technologien im zivilen und militärischen Bereich seit langer Zeit praktiziert. Sowohl die Vereinigten Staaten als auch China investieren seit Jahren hohe Summen im jeweils anderen Land. Der Kapitalfluss von Direktinvestitionen (FDI) in beide Richtungen ist hoch. China investiert dabei vor allem im Immobiliensektor, der Transportbranche sowie in der Technologie- und Finanzindustrie.Handelskrieg 2.0: Hält das Handelsabkommen zwischen China und den USA?
Ein Hauptkonfliktpunkt im bilateralen Außenhandel der USA und China ist das Handelsbilanzdefizit der USA. Im Jahr 2024 beläuft sich das amerikanische Defizit im Güterhandel auf rund 1,3 Billionen US-Dollar. Etwa 292,4 Milliarden US-Dollar beträgt allein das Defizit im Handel mit China. Im Dienstleistungshandel verzeichnen die Vereinigten Staaten hingegen einen positiven Saldo mit China. Die Öffnung Chinas zu den Märkten des Westens ließ die Exporte der Volksrepublik stark ansteigen und führte dazu, dass China das größte Exportland der Welt wurde. China ist im Jahr 2024 das zweitwichtigste Importland der USA und das drittwichtigste Zielland für Exporte aus den USA. Die USA sind für China der wichtigste Absatzmarkt für Exporte. Der gesamte Güterhandel zwischen den USA und China beläuft sich im Jahr 2024 auf rund 582,5 Milliarden US-Dollar, ein Rückgang im Vergleich zum Vorjahr.
Anfang 2025 eskalierte der zweite Handelskrieg von Trump in bisher nicht gekannten Maßen. Bis Anfang Mai stiegen die gegenseitigen Importzölle auf Güter auf über 100 Prozent. Seit April betrifft dies den gesamten bilateralen Außenhandel von China und den USA. Das hat Auswirkungen auf die monatlichen Handelswerte gehabt. Seit März ist der Güterhandel eingebrochen, die chinesischen Exporte in die USA sanken im Mai 2025 auf rund 28,8 Milliarden US-Dollar. Im Vorjahr 2024 waren es im gleichen Monat 43,9 Milliarden US-Dollar. Die Einkünfte aus Importzöllen waren in den USA in den vergangenen Jahren gering – mit Ausnahme von China. Zwischen den Geschäftsjahren 2020 und 2025 nahmen die USA rund 233,6 Milliarden US-Dollar an Zolleinkünften aus dem Chinahandel ein (Section 301 Duty Assessment Zölle). Auch im laufenden Jahr 2025 kommt der Großteil der Zolleinkünfte in den USA aus dem Außenhandel mit China. Im Mai 2025 erzielten die beiden Länder ein erstes Handelsabkommen, das die gegenseitigen Importzölle deutlich absenken konnte. Eine langfristige Lösung des Handelskonflikts bleibt jedoch aus.
- Exportkontrollen
Technologischer Fortschritt und Kontrolle über kritische Infrastruktur sind spätestens seit der Kontroverse über Huawei und dem Aufbau von 5G-Netzen auf der ganzen Welt ein zentraler Aspekt des Konflikts zwischen China und den USA. Hunderte chinesische Unternehmen werden von den USA sanktioniert und beschuldigt, mit Militär und Regierung zusammenzuarbeiten. Bereits der ehemalige US-Präsident Joe Biden verhängte zahlreiche Exportkontrollen und Importzölle gegen China. Diese betreffen vor allem elektrische Fahrzeuge, Batterietechnik und Halbleiter. - Der Wettbewerb um Hochtechnologie
Im Jahr 2024 hat China laut einer Analyse der australischen Denkfabrik ASPI einen Vorsprung in kritischen Technologien bei 57 von 64 Kategorien. Untersucht wurden dabei der wissenschaftliche Vorsprung anhand der Qualität wissenschaftlicher Publikationen (Anteil der meistzitierten Artikel aus einem Land) und die Anzahl der führenden Forschungsinstitute. Der chinesischen Anteil von Hochtechnologieexporten Chinas übersteigt bereits den der USA. Auch die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in China haben sich denen der USA immer mehr angenähert. Im Jahr 2023 haben die Ausgaben der USA für Forschung und Entwicklung kaufkraftbereinigt bei rund 955,6 Milliarden US-Dollar gelegen, die der Volksrepublik bei etwa 917,2 Milliarden US-Dollar. Zehn Jahre zuvor gaben die USA noch mehrere hundert Milliarden US-Dollar mehr aus als China. Auch die Anzahl an US-Patenten, die an China erteilt werden, steigt Jahr für Jahr. Führende Politiker in den USA befürworten öffentlich eine Strategie, die Chinas technologische Entwicklung zurückhält.
Politische Konfliktfelder
Während im ersten Jahr der Trump-Regierung besonders der Handelskonflikt im Zentrum der Aufmerksamkeit lag, hat sich auch der geopolitische Konflikt während der Biden-Jahre zugespitzt. Anfang 2023 sorgte ein möglicher Spionageballon über den USA für Aufsehen, ein diplomatischer Austausch wurde zunächst abgesagt. Zudem kam es immer wieder zu Spannungen bezüglich des Taiwan-Konflikts.
- Öffentliche Meinung in den USA
Die öffentliche Meinung von China in den USA ist mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie drastisch gesunken. Anfang 2019 haben noch etwas mehr als die Hälfte der Befragten einer wiederkehrenden Umfrage eine positive Meinung von China gehabt. Anfang 2025 hatten rund 67 Prozent der Befragten eine negative Einstellung zu China. Eine Mehrheit schätzt die militärische und wirtschaftliche Macht von China als Bedrohung für die USA ein. Besonders unter Republikanern gaben rund acht von zehn Befragten an, dass Chinas Militär und Wirtschaft eine Bedrohung sind. Unter Demokraten liegt der Anteil bei etwa 55 bzw. 49 Prozent. Rund 41 Prozent der Befragten in den USA sehen in China den größten außenpolitischen Feind der USA im Jahr 2024. - Chinas Sicht auf den Konflikt
In der Volksrepublik wird der Konflikt besonders im Hinblick auf die eigenen Interessen bewertet. Die Außenpolitik hat sich seit Beginn der Amtszeit von Xi Jinping im Jahr 2012 verändert. Während sich China vor Xi außenpolitisch eher zurückhielt, tritt die Volksrepublik unter ihm deutlich proaktiver auf. Dabei grenzt sich China vom System der Allianzen der USA ab und setzt auf kooperative Beziehungen zwischen Großmächten. Wichtig sei die gegenseitige Respektierung der Kerninteressen. Die definiert Xi als den Machterhalt der Kommunistischen Partei, die territoriale Integrität Chinas (inkl. Taiwan und Hongkong) sowie die wirtschaftliche und soziale Entwicklung unter dem Sozialismus. Besonders das letzte Ziel sieht China derzeit von den Vereinigten Staaten angegriffen, beispielsweise durch Handelszölle und Exportbeschränkungen. Der politische Konflikt manifestiert sich in mehreren Konfliktfeldern in Ostasien. - Das Südchinesische Meer: Zwischen Energie(un-)sicherheit und freier Schifffahrt
Das Südchinesische Meer ist seit Jahren Schauplatz von Territorialkonflikten zwischen China, Taiwan und den südostasiatischen Staaten Indonesien, Malaysia, den Philippinen und Vietnam. In der Region treffen verschiedene Gebietsansprüche aufeinander. China sieht aufgrund historischer Grenzen einen Großteil des Seegebiets als chinesisches Territorium an. Dieser Anspruch kreuzt jedoch die ausschließlichen Wirtschaftszonen (EEZ) von südostasiatischen Anrainerstaaten. Im Südchinesischen Meer wird ein hohes Rohstoffvorkommen vermutet. Auch verläuft ein großer Teil des Welthandels durch das Meer bis zur Malakka-Straße. Für China sind diese Handelsrouten besonders relevant. Das ostasiatische Land importiert fast so viel Erdöl wie Europa insgesamt. Der Energieverbrauch in China steigt an und hat den der USA bereits 2009 überholt. Chinas Erdöleinfuhren kommen zu einem großen Teil aus der Golfregion. Die maritimen Transit-Engpässe auf dem Weg nach China schaffen zusätzliche Unsicherheit. Zuletzt kam es 2025 zu Auseinandersetzungen zwischen China und den Philippinen, einem Verbündeten der USA. - Der Taiwan-Konflikt
Taiwan (offiziell Republik China) wird von wenigen Staaten offiziell anerkannt, war aber bis 1971 offizielle Vertretung von China bei den Vereinten Nationen. China sieht die Insel als Teil des eigenen Territoriums. Hintergründe des Konflikts, öffentliche Meinung und ein Vergleich der Volksrepublik mit Taiwan sind auf der Themenseite zu Taiwan zusammengefasst. Die Vereinigten Staaten erkennen offiziell die „Ein-China Politik“ an und pflegen keine offiziellen diplomatischen Beziehungen mit Taiwan. Der Taiwan Relations Act (1979) definiert das Territorium der Republik Chinas und sichert Taiwan Schutz vor militärischen Übergriffen zu. Die USA unterstützen Taiwan durch wirtschaftliche Zusammenarbeit und Rüstungslieferungen. US-Präsident Joe Biden sicherte Taiwan im Oktober 2021 militärische Unterstützung im Falle eines Angriffs von China zu, blieb aber vage in der Aussage, wie diese Unterstützung konkret ausfallen würde. Strategische Vieldeutigkeit (strategic ambiguity) ist dabei die Strategie der USA, um die Volksrepublik im Unklaren zu halten, wie eine Reaktion der USA aussehen könnte. Im Militärvergleich zwischen Taiwan und China ist Taiwan in allen Belangen unterlegen.
Ausblick: Wie könnte sich der Konflikt entwickeln?
Im Jahr 2025 ist der Konflikt zwischen den USA und China weit von einer langfristigen Lösung oder einem Abkommen. Der Handelskrieg mit den USA wurde kurzfristig entschärft, nach wie vor fallen hohe Strafzölle auf Importe an. Chinas erklärtes Ziel der Entwicklung zum Weltmarktführer in vielen Bereichen und zu einem modernen Industriestaat fordert die globale Stellung der USA und ihrer Verbündeten heraus. China zeigt sich derweil selbstbewusst und expandiert ihre Bündnisse, wie die BRICS-Plus-Staaten oder die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit.
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