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Russlands Wirtschaft lebt von Einnahmen aus dem Ölgeschäft. Die Strategie geht aber nicht vollständig auf. Putins Ölkrise vertieft sich durch die Sanktionen.
Moskau – Beim Ölverkauf stößt Kremlchef Wladimir Putin erneut auf Probleme: Mit russischem Öl beladene Frachter werden ihre Ladungen nicht los und warten vergeblich, bis Käufer das russische Öl entgegennehmen. Mindestens 20 solcher Frachter dümpeln offenbar in der Nähe chinesischer und indischer Häfen umher. Sie warten auf die Genehmigung, ihr Öl zu entladen.
Russlands Wirtschaft setzt auf Ölexporte: Schiffe finden offenbar keine Abnehmer – Anzeichen mehren sich
Wie Bloomberg berichtet, hat sich die Menge russischen Öls auf See seit Ende August auf 48 Prozent erhöht. In der Woche bis zum 21. Dezember 2025 waren insgesamt 38 Tanker mit 28,31 Millionen Barrel russischem Öl beladen. In der Vorwoche waren es noch 22,73 Millionen Barrel, die von 29 Schiffen verladen wurden, wie das Medienunternehmen unter Berufung auf Schiffverfolgungsdaten berichtet.
Ebenfalls stellen Experten fest, dass es mehr mit russischem Öl beladene Tanker gibt, die noch keinen endgültigen Bestimmungsort haben. Aus den Daten geht lediglich hervor, dass die meisten Frachter russische Kunden in Asien ansteuern, allerdings sind die genauen Ziele und Häfen nicht bekannt. Die Schiffe würden zudem mehr Zeit auf See verbringen und von ihren ursprünglichen Zielen (beispielsweise der Westküste Indiens oder der Türkei) abweichen.
Putins Ölproblem verschärft sich aufgrund der Sanktionen. © © IMAGO / Russian Look / ArchivbildSanktionen gegen russische Wirtschaft erschweren Putins Ölhandel
Experten führen die Verzögerungen und Schwierigkeiten beim Entladen russischen Öls auf die jüngsten Sanktionen zurück. Im Oktober hatte US-Präsident Donald Trump Sanktionen gegen die russischen Raffinerien Rosneft und Lukoil verhängt und jeglichen Handel mit den beiden Ölkonzernen untersagt. Gegenüber Lukoil lockerte Trump die Maßnahmen Anfang Dezember – der Konzern dürfe bis zum 29. April weiter unter eigenem Namen Tankstellen in den USA und anderen Ländern betreiben. Einnahmen dürften allerdings nicht nach Russland fließen.
Nachdem Trump die Sanktion verhängt hatte, signalisierten indische und chinesische Raffinerien die Bereitschaft, Öllieferungen von Lukoil und Rosneft einzustellen. Das macht es für die russische Wirtschaft deutlich schwerer, die Ölverkäufe zu erhöhen, da wichtige Abnehmer wegfallen.
Russische Ölpreise leiden ebenfalls unter den Sanktionen – monatliche Verluste für Russlands Wirtschaft
Auch in Zahlen wird ersichtlich, dass die Öllieferungen an China und Indien zurückgehen: Die Mengen russischen Öls, die von Tankern nach China transportiert wurden, beliefen sich in den Wochen von Anfang Dezember bis zum 21. Dezember 2025 auf 950.000 Barrel pro Tag. In den Wochen bis zum 14. Dezember waren es noch 1,01 Millionen Barrel pro Tag. Die für Indien vorgesehene Menge sank auf 840.000 Barrel pro Tag, in den Wochen bis zum 14. Dezember waren es 900.000 Barrel pro Tag.
Die Ölpreise für russische Sorten geraten ebenfalls unter Sanktionsdruck. „Russland verliert aufgrund der Ölsanktionen monatlich Milliarden von Dollar“, sagte Janis Kluge, Forscher am Deutschen Institut für Internationale Sicherheit (DISS) jüngst mit Blick auf die Preisentwicklung beim russischen Öl. Putins wichtigste Ölsorte, das Ural-Öl, wurde laut Daten von Argus Media am 16. Dezember für nur 34,52 US-Dollar pro Barrel gehandelt. „Die Preisabschläge für russisches Öl sind im Vergleich zu Brent auf 30 Prozent und in einigen Fällen sogar auf über 50 Prozent gestiegen“, schrieb Kluge auf X am 18. Dezember 2025.
Russlands Wirtschaft erhöht Ölexporte – doch kommen die Ladungen an?
Insgesamt haben sich die russischen Ölexporte im Dezember erhöht (Lieferungen an noch unbekannte Ziele inbegriffen). Im Durchschnitt stiegen die täglichen Lieferungen in der Woche bis zum 21. Dezember laut Bloomberg-Daten auf 4,04 Millionen Barrel. Das entspricht einem Plus von rund 800.000 Barrel pro Tag.
Noch im vorigen Monate sanken die russischen Ölexporte. Laut Auswertung des IEA Oil Market Reports (OMR) sanken die Exporte im November 2025 um rund 400.000 Barrel pro Tag auf 6,9 Millionen Barrel. Grund sei der Sanktionsdruck, den die Käufer zu spüren bekommen. Infolgedessen brachen die Urals-Preise um 8,2 US-Dollar pro Barrel auf 43,52 US-Dollar ein. Das brachte die Exporterlöse auf den niedrigsten Stand seit Russlands Invasion in der Ukraine im Februar 2022. (Quelle: Bloomberg, Reuters, IEA) (bohy)