Viele sind aktuell darauf angewiesen, dass Erdgas zum Heizen sicher verfügbar ist. Wichtig ist auch, ob die Preise wieder stark schwanken könnten. Einen essenziellen Hinweis darauf geben die deutschen Gasspeicher und ihr Füllstand.

Gasspeicher: Wie ist der Füllstand in Deutschland aktuell

Der Gasspeicher-Füllstand in Deutschland funktioniert wie ein Puffer. Wenn der Verbrauch im Winter steigt, kann Gas aus den Speichern entnommen werden. Wenn im Sommer mehr verfügbar ist, werden sie wieder aufgefüllt. Laut sogenannten AGSI+-Daten (Aggregated Gas Storage Inventory Plus), die europaweit und täglich bereitgestellt werden, liegt Deutschland derzeit bei 58,72 Prozent. In absoluten Zahlen stecken damit rund 147,48 Terawattstunden (TWh) Gas in den Speichern. Die technische Gesamtkapazität beträgt 251,14 TWh. Rein rechnerisch wären also noch etwa 103,66 TWh Platz.

Für den Alltag ist außerdem wichtig, ob gerade eingespeichert oder entnommen wird. Die Daten zeigen, dass Deutschland derzeit klar in der Entnahmephase ist. Pro Tag werden nur rund 31 Gigawattstunden (GWh) eingespeichert, aber rund 1.086 GWh wieder ausgespeichert. Das ergibt eine Nettoentnahme von ungefähr 1,06 TWh pro Tag. Im Winter ist das aber nicht ungewöhnlich. Entscheidend ist, wie lange diese Phase dauert und wie kalt es wird.

Vergleicht man den Gasspeicher-Füllstand in Deutschland mit dem europäischen Durchschnitt, liegen wir derzeit darunter. Das EU-Aggregat liegt laut den aktuellen Daten bei 63,73 Prozent, also ungefähr fünf Prozentpunkte höher.

Topaktuell

Müssen sich Haushalte Sorgen machen?

Aus Verbrauchersicht ist vor allem wichtig, ob die Speicherstände noch in einem Bereich liegen, der politisch als sicher gilt. Dafür gibt es in Deutschland Zielvorgaben. Der Verordnung zur Anpassung der Füllstandsvorgaben für Gasspeicheranlagen (Gasspeicherfüllstandsverordnung – GasSpFüllstV) zufolge sollen zum 1. November im Regelfall 80 Prozent erreicht werden, damit die Gasversorgung in Deutschland stabil ist. Für den Winter ist besonders die zweite Marke entscheidend. Zum 1. Februar gilt im Regelfall ein Zielwert von 30 Prozent.

Wenn Deutschland jetzt Ende Dezember also bei rund 58,7 Prozent liegt, dann ist das deutlich über der Februar-Marke. Das spricht dafür, dass es aus heutiger Sicht keinen Hinweis auf eine unmittelbare Versorgungslücke für Haushalte gibt. Gleichzeitig ist es aber auch kein Wert, bei dem man sich automatisch entspannt zurücklehnen sollte, weil die kältesten Wochen oft erst im Januar und Februar kommen und dann die Entnahme besonders stark werden kann.

Warum die Speicher nach dem Russland-Aus so wichtig sind

Der Blick auf die Gasspeicher und ihren Füllstand ist seit 2022 deutlich nervöser geworden. Damals wurden die Gaslieferungen über Nord Stream 1 von russischer Seite eingestellt. Die Bundesnetzagentur hielt den genannten Wartungsgrund für technisch nicht nachvollziehbar und ging davon aus, dass die Flüsse auf null fallen. Damit fiel eine große, verlässliche Pipeline-Quelle weg, die früher viele Wintertage abgefedert hat.

Politisch wird heute betont, dass Deutschland seine Abhängigkeit von russischem Gas beendet habe und dass an deutschen Terminals kein russisches LNG angelandet werde. Eine Übersicht der Bundesnetzagentur zeigt zudem „die gemessenen Gasflüsse, die nach Deutschland importiert worden sind“.

Die Bundesregierung hat sich deshalb neue Versorgungswege aufgebaut und ist nicht mehr auf russische Lieferungen angewiesen. Trotzdem bleibt das System empfindlicher. Wenn es sehr kalt ist oder wenn Importe in Europa teurer werden, kann das schneller auf die Stimmung am Markt wirken.

Das kannst du sinnvoll beobachten

Willst du selbst einen Überblick behalten, wie es um die Gasspeicher und ihren Füllstand bestellt ist, lohnt sich zunächst ein Blick auf die Wetterlage. Eine Kältephase erhöht den Verbrauch und beschleunigt die Entnahme aus den Speichern. Zweitens ist die Entwicklung Richtung Februar wichtig. Solange Deutschland deutlich über der 30-Prozent-Marke bleibt, ist das ein beruhigender Orientierungspunkt. Drittens spielt die Marktlage in Europa eine Rolle. Wenn in mehreren Ländern gleichzeitig die Nachfrage steigt oder es Probleme bei Importen gibt, kann das Preise treiben.

Quellen: Aggregated Gas Storage Inventory Plus, Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, Bundesnetzagentur, Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Hinweis: Ukraine-Hilfe

Seit dem 24. Februar 2022 herrscht Krieg in der Ukraine. Hier kannst du den Betroffenen helfen.