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Russland fehle der „ernsthafte Wille zum Frieden“ – so der harte Vorwurf von Georg Gänswein. Der Nuntius spricht von einer „Ohrfeige für den Papst“ durch Wladimir Putin.

Rom – Auch über Weihnachten ging der Ukraine-Krieg unbeirrt weiter. Einem Waffenstillstand stimmte Wladimir Putin nach Vorschlag von Friedrich Merz auch hier nicht zu. Die katholische Kirche hofft weiter auf Frieden. Das bekräftigte auch Papst Leo XIV. in seinem ersten weihnachtlichen Segen „Urbi et Orbi“. Das diplomatische Bemühen des Vatikans hat im Kreml allerdings wenig offene Ohren gefunden.

Gerog Gänswein hat Russland deutlich dafür kritisiert das Angebot des Papstes in der Ukraine zu vermitteln, nicht wahrgenommen zu haben.Gerog Gänswein hat Russland deutlich dafür kritisiert das Angebot des Papstes in der Ukraine zu vermitteln, nicht wahrgenommen zu haben. © IMAGO / ZUMA Press//IMAGO / ZUMA Press Wire//IMAGO / Independent Photo Agency Int.

Darauf weist nun der ehemalige Benedikt-Vertraute Georg Gänswein hin. Er ist mittlerweile päpstlicher Nuntius im Baltikum – also just jener Region, die einen Angriff Russlands aktuell wohl am meisten fürchtet. Gänswein hat Russland nun in einem Interview scharf kritisiert.

Russland fehlt „der ernsthafte Wille zum Frieden“. Gänswein wird nach Papst-Abfuhr deutlich

„Papst Leo XIV. hat kurz nach seiner Wahl Anfang Mai beiden Kriegsparteien das Angebot unterbreitet, als Friedensvermittler zu fungieren“, sagte der frühere Vertraute von Papst Benedikt XVI. der Monatszeitschrift „Herder Korrespondenz“. „Dieses Angebot wurde von ukrainischer Seite angenommen, von russischer Seite hingegen ausgeschlagen.“

Damit sei die Tür für Friedensverhandlungen unter vatikanischer Vermittlung zunächst einmal zugeschlagen gewesen. „Undiplomatisch ausgedrückt: eine Ohrfeige für Papst und Vatikan“, so Gänswein. Eine Papst-Reise in die Ukraine erscheine vor diesem Hintergrund kaum realisierbar. Mittlerweile sei eine Waffenruhe offenbar in weite Ferne gerückt. „Es fehlt auf russischer Seite offensichtlich der ernsthafte Wille zum Frieden.“

Gänswein ist seit vergangenem Jahr Apostolischer Nuntius – Botschafter des Vatikans – in Litauen, Estland und Lettland. Auf die Frage, was Christen im Baltikum derzeit am meisten beschäftige, antwortete er: „Das Gespräch mit den Christen, unabhängig von der Konfession, steuert sehr schnell auf ein Thema zu, das die Menschen hier umtreibt: Russland.“

Es gehe dann um die Frage, ob Russland die baltischen Staaten in absehbarer Zeit angreifen werde, ob ein Krieg bevorstehe und ob die europäischen Staaten und die Nato den baltischen Staaten dann beistehen würden. „Diese Fragen wecken schlimme Erinnerungen an die jahrzehntelange sowjetische Unterdrückung, die erst 1990 überwunden wurde“, sagte Gänswein. (Verwendete Quellen: dpa)