In vielen europäischen Ländern wächst die Sorge um die Zukunft der staatlichen Rentensysteme. Eine repräsentative YouGov-Umfrage in sechs Staaten zeigt, dass die Mehrheit der Befragten glaubt, die staatlichen Pensionssysteme seien bereits heute oder künftig unerschwinglich. Zugleich halten viele ihre aktuellen Zahlungen für zu niedrig und lehnen zentrale Reformvorschläge ab, die zur Sicherung der Systeme diskutiert werden.
In Deutschland, Italien, Frankreich und Spanien sagte eine Mehrheit der Befragten, dass die staatlichen Renten derzeit bereits kaum noch finanzierbar seien — der Anteil lag zwischen 61 Prozent in Italien und 52 Prozent in Spanien. Auch in Polen äußerte mit 45 Prozent fast die Hälfte diese Einschätzung. In Großbritannien lag der Anteil bei 32 Prozent.
Deutsche zweifeln an Verlässlichkeit der Rente
Auch in Deutschland ist das Vertrauen gering. Nationale Umfragen zeigen, dass eine klare Mehrheit der Deutschen der Bundesregierung nicht zutraut, die Rente im Alter ausreichend zu sichern. Viele sehen den demografischen Wandel als Belastung für das System und fordern stärkere Vorsorge jenseits der staatlichen Pension.
Noch pessimistischer sind die Menschen, wenn sie an die Zukunft denken: In allen sechs Ländern sagten zwischen 49 Prozent und 66 Prozent, sie erwarteten, dass das staatliche Rentensystem bis zum Ruhestand der heute 30- und 40-Jährigen unerschwinglich sein werde.
Renten gelten vielen als zu niedrig
Trotz der Angst vor einem Kollaps halten viele die Rentenzahlungen selbst für zu niedrig: Mehr als die Hälfte der Befragten in allen sechs Ländern empfindet die aktuellen Leistungen als unzureichend, bei Pensionären liegt dieser Wert sogar noch höher.
Auch jene, die sich in Deutschland oder anderswo auf eine staatliche Rente verlassen, zeigen sich besorgt: In Deutschland erwarten große Teile der arbeitenden Bevölkerung derzeit kein auskömmliches Einkommen im Alter – viele fürchten eine Lücke zwischen Ansprüchen und tatsächlichen Leistungen.
Gleichzeitig zeigen sich breite Ablehnungstendenzen gegenüber klassischen Reformvorschlägen. So sprechen sich in den Umfrage-Ländern deutliche Mehrheiten gegen eine Anhebung des Rentenalters, höhere Abgaben für jüngere Generationen oder eine Senkung der Rentenzahlungen aus.
Mehr Zustimmung für private Vorsorge und längeres Arbeiten
Einige Reformideen finden in der Bevölkerung hingegen Zustimmung. In mehreren Ländern ist etwa die Idee populär, Arbeitnehmer länger im Erwerbsleben zu halten, statt einen frühzeitigen Ruhestand zu fördern. Auch Maßnahmen, die Arbeitnehmer verpflichten, in private oder betriebliche Rentensysteme einzuzahlen, finden teils breite Unterstützung – insbesondere im Vereinigten Königreich, aber auch in Deutschland und Frankreich.
In Italien sprach sich zudem eine deutliche Mehrheit dafür aus, wohlhabendere Pensionäre stärker zu besteuern, um die Rentensysteme für finanzschwächere Rentner zu stärken.
Nationale Umfragen zeigen in Deutschland einen ausgeprägten Reformwillen. In einer Erhebung des Instituts Civey gaben 82 Prozent der Befragten vor Kurzem an, eine grundlegende Reform der gesetzlichen Rente für erforderlich zu halten. Neun Prozent widersprachen, weitere neun Prozent äußerten sich unentschieden. Der Umfrage zufolge besteht diese Mehrheit parteiübergreifend und in allen Altersgruppen. Zugleich ist das Vertrauen in die schwarz-rote Bundesregierung gering: Nur 20 Prozent trauen Union und SPD zu, eine umfassende Rentenreform umzusetzen, während 69 Prozent dies verneinen. Am größten ist das Vertrauen noch unter Anhängern von SPD und Union.
Generationenkonflikt spürbar
Die Umfrage zeigt zudem klare Unterschiede zwischen den Generationen: Während Rentner eher optimistisch sind, was die Tragfähigkeit ihrer eigenen Altersversorgung angeht, sind Menschen im erwerbsfähigen Alter deutlich skeptischer und befürchten, dass die staatlichen Systeme nicht ohne Reformen funktionieren werden.