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Berlin – Sie war laut. Sie war stark. Und sie war ein Versprechen von Freiheit: die Boeing 727-100.
Denn über Jahrzehnte war der Luftverkehr für West-Berlin eine Notwendigkeit. Der Flughafen Tegel war das zentrale Tor zur Bundesrepublik – und die Boeing 727-100 eines der Flugzeuge, die diesen Verkehr über Jahrzehnte regelmäßig sicherstellten.
Doch nun ist dieses Kapitel Luftfahrtgeschichte endgültig beendet. Die letzte noch flugfähige Maschine dieses Typs wurde vor wenigen Tagen außer Dienst gestellt. Ihr letzter Flug ging vom Flughafen Van Nuys in Kalifornien (USA) nach Kingman in Arizona. (aerointernational.de berichtete zuerst). Ein Flugzeugfriedhof, von dem selten ein jemals dort gelandetes Flugzeug nochmals abhebt.

Die letzte Boeing 727-100 war zuletzt in Privatbesitz. 2017 landete sie auch auf dem Stuttgarter Flughafen
Foto: mauritius images / Mike Fuchslocher / Alamy / Alamy Stock Photos
Kurz und stark: die Boeing 727-100
Die Boeing 727-100 ist die kurzrumpfige Urversion des dreistrahligen Verkehrsflugzeugs, deren Erstflug 1963 stattfand. Sie nutzt drei Pratt & Whitney JT8D-Turbofans-Triebwerke, ist 40,6 Meter lang bei einer Spannweite von 32,9 Metern. Insgesamt wurden 1831 Boeing 727 gebaut.
Während der deutschen Teilung war West-Berlin stark auf den Luftverkehr angewiesen. Der Flughafen Tegel wurde ab den 1960er-Jahren für den wachsenden Jet-Verkehr ausgebaut. Die 727 verband Berlin unter anderem mit Frankfurt, Hamburg, Hannover und München – Routen, die nur von Airlines der westlichen Alliierten bedient werden durften.

Flugbegleiterinnen der PanAm vor einer Boeing 727-100
Foto: Flughafen Hamburg
Besonders Pan American World Airways setzte den Dreistrahler regelmäßig auf Flügen zwischen West-Berlin und der Bundesrepublik ein. Die Maschinen trugen die traditionellen „Clipper“-Namen, darunter „Clipper Berlin“, „Clipper Wuchtbrumme“ und „Clipper Flotte Motte“. Für viele Berliner wurde die 727 zu einem festen Bestandteil des Alltags.

Superstar Sammy Davis Jr. posiert 1968 nach seiner Ankunft aus Berlin-Tempelhof vor einer Boeing 727-100 der Pan Am am Hamburger Flughafen
Foto: Flughafen Hamburg
Auch deutsche Fluggesellschaften setzten auf die Boeing 727. Lufthansa nutzte den Typ ebenso wie Hapag Lloyd und Germania. Die Maschine galt als langlebig und wartungsfreundlich – Eigenschaften, die sie bei Airlines beliebt machten.

Der Ferienflieger Hapag Lloyd brachte deutsche Urlauber mit der 727-100 in die Sonne
Foto: Hapag Lloyd / Koehler Verlag
Das Ende der letzten Boeing 727-100
Die jetzt ausgemusterte Boeing 727-100, Baujahr 1967, war die weltweit letzte flugfähige Version dieses Modells. Bereits seit Jahren ist die Boeing 727 aus dem Linienverkehr verschwunden. Steigende Betriebskosten, strengere Lärmvorschriften und der Einsatz moderner Zweistrahler machten den Typ schon lange unwirtschaftlich.

Die letzte Reise führte die letzte flugfähige Boeing 727-100 zum Flugzeugfriedhof nach Kingman in Arizona
Foto: Flightradar24
Mit dem Ende der letzten Boeing 727-100 verschwindet ein Stück Berliner und deutscher Luftfahrtgeschichte.