Der Kasseler Künstler Vishnoir Kim wollte seine Papier-Skulptur nach einer Ausstellung auf den Müll schmeißen, doch es kam anders. Jetzt hängt „No response“ im Showroom eines Lüneburger Geschäftsmanns neben Kunst von Andy Warhol.
Die Skulptur „No response“ ist aus Papier und wiegt nur wenige Kilo. Dennoch ist sie mit einem Lastwagen abgeholt worden, um sie hängend transportieren zu können. Neben Künstler Vishnoir Kim sitzen Käufer Bennet Lücking (links) und Jens Domes (rechts), Kulturbeauftragter der Karlskirche.
Bild © Bennet Lücking
Sie ist drei Meter hoch und wiegt doch nur wenige Kilogramm. Die Skulptur „No response“ hat der Kasseler Künstler Vishnoir Kim aus Papier geformt.
Sein Material hat er nicht im Schreibwarengeschäft gekauft, sondern aus Altpapiercontainern zusammengetragen. Aus den zerschnittenen und zerrissenen Papierstücken ist dann in stundenlanger Arbeit ein Kunstwerk entstanden.
Audiobeitrag
Bild © Bennet Lücking|
zur Audio-Einzelseite
Ende des Audiobeitrags
Nach der Ausstellung sollte Skulptur auf den Müll
Gezeigt wurde „No response“ im November im Rahmen der Ausstellung „Die Vergangenheit fragt, die Gegenwart antwortet“ in der Kasseler Karlskirche. Danach sollte sie eigentlich wieder auf den Müll. Doch es kam anders.
Der Kulturbeauftragte der Kirche, Jens Domes, konnte diesen Gedanken nicht ertragen. Also schlug er dem Künstler vor, die Skulptur lieber zu verschenken. Um Interessenten zu finden, wurde sie ab Ende November im Kasseler Kulturbahnhof ausgestellt.
Weitere Informationen
Der Künstler Vishnoir Kim ist 1977 in Seoul in Südkorea geboren worden, lebt aber schon seit über zehn Jahren in Kassel. Im Jahr 2022 machte er seinen Abschluss an der Kunsthochschule Kassel. Er hat seine Werke bereits in Kassel, Seoul oder Athen gezeigt.
Ende der weiteren Informationen
Doch der spätere Käufer hat gar nicht dort, sondern über die Berichterstattung in den Medien von der Aktion erfahren. Bennet Lücking kommt aus der Nähe von Lüneburg (Niedersachsen).
Der Geschäftsmann handelt mit Designklassikern aus dem Möbelbereich und ist schon seit Kindertagen kunstbegeistert. In seinem Showroom hängen deshalb auch Kunstwerke.
Käufer war sofort „schockverliebt“
In die Skulptur von Vishnoir Kim war er sofort „schockverliebt“, sagt Lücking dem hr. „Ich bin total begeistert, wie sie in unterschiedlichem Licht wirkt.“
Doch einfach geschenkt haben wollte der Kunstsammler die Skulptur nicht. „Gerade junge und weniger bekannte Künstler brauchen Anerkennung. Die wollte ich mit meinem Angebot von 1.000 Euro zum Ausdruck bringen.“
Skulptur steht jetzt neben Warhol und Kastner
Kurz vor Weihnachten ging es dann mit einem Laster von Kassel nach Lüneburg. Jetzt steht „No response“ im Showroom von Lücking neben Kunst von Andy Warhol und Bernd Kastner.
Das Kunstwerk „No response“ von Vishnoir Kim steht jetzt im Showroom des Lüneburger Geschäftsmanns Bennet Lücking.
Bild © Bennet Lücking
„Damit hätte ich wirklich nicht gerechnet“, sagt Künstler Vishnoir Kim. Schließlich habe er zusammengesuchtes Material von der Straße benutzt und es deshalb auch wieder entsorgen wollen. „Aber jetzt bin ich glücklich, wie es gelaufen ist“, sagt er dem hr.
Vorbereitungen für neue Ausstellung im Rondell
Aus Weggeworfenem in Zukunft wieder Kunst machen? Das kann sich Vishnoir Kim gut vorstellen. Seine nächsten Pläne gehen aber vorerst in eine andere Richtung. Zusammen mit dem Kasseler Verein Vikonauten arbeitet er an einer Ausstellung an einem besonderen Ort – im ehemaligen Geschützturm Rondell an der Fulda.
Redaktion:
Marcel Ruge und Oliver Schmid
Sendung:
hr1,
29.12.25, 12:30 Uhr
Quelle: hessenschau.de